Dienstag, 1. Mai 2012

Ebenfalls schöne Grüße von Di- Da- Dawkins


Bei der Lektüre des Blogs Atheistische Le(e/h)re ist mir noch nachträglich die Sache mit Richard Dawkin´s atheistischen Sommerlager eingefallen, die schon ein mal vor ein paar Jahren im Spiegel erwähnt wurde. Wie jedes Sommerlager hat es ein schönes Angebot an Freizeitaktivitäten, darunter auch ein Spiel namens "Invisible Unicorn Challenge" (dt. "Das Rätsel vom unsichtbaren Einhorn"). Worum es da genau geht?

The emphasis on critical thinking is epitomised by a test called the Invisible Unicorn Challenge. Children will be told by camp leaders that the area around their tents is inhabited by two unicorns.
The activities of these creatures, of which there will be no physical evidence, will be regularly discussed by organisers, yet the children will be asked to prove that the unicorns do not exist.
Anyone who manages to prove this will win a £10 note - which features an image of Charles Darwin, the father of evolutionary theory - signed by Dawkins, a former professor of the public understanding of science at Oxford University.
"The unicorns are not necessarily a metaphor for God, they are to show kids that you can't prove a negative," said Samantha Stein, who is leading next month's camp at the Mill on the Brue outdoor activity centre close to Bruton, Somerset.
"We are not trying to bash religion, but it encourages people to believe in a lot of things for which there is no evidence."

[Die Wichtigkeit des kritischen Denkens zeigt ein Test namens "Das Rätsel vom unsichtbaren Einhorn". Den Kindern wird von den Campleitern erzählt, dass die Gegend um ihre Zelte herum von zwei Einhörnern bewohnt sei.
Die Aktivität dieser Wesen - für die es keinen handfesten Beweis gibt - werden regelmäßig von den Organisatoren diskutiert, dann werden die Kinder aufgefordert,deren Nichtexistenz zu beweisen.
Jeder, dem dieser Beweis gelingt, gewinnt eine £10-Note - die ein Bild von Charles Darwin zeigt, dem Vater der Evolutionstheorie - unterschrieben von Dawkins, einem [ehemaligen? finde ich eher zweifelhaft] Professor an der Universität Oxford, der sich für das öffentliche Verständnis von Naturwissenschaft einsetzt.
"Die Einhörner sich nicht zwingend eine Metapher für Gott, sie sollen den Kindern zeigen, dass man etwas negatives nicht beweisen kann", erklärt Samantha Stein, die das Camp nächsten Monat beim Mill on the Brue -Freizeitzentrum bei Bruton (Somerset) leitet.
"Wir versuchen nicht auf Religion einzudreschen, sondern es ermutigt Menschen, an eine Menge von Dingen zu glauben, für die es keine Beweise gibt."]

Okay, lassen wir uns das noch einmal ganz langsam auf der Zunge zergehen.

Unsichtbare

Einhörner,

für die es keine Beweise gibt,

die kritisches Denken fördern sollen

und gleichzeitig den Glauben anderer Leute in Schutz nehmen.

Das ist wirklich ein bisschen untypisch für Richard Dawkins, der besonders wegen seinem brachialen Pamphlet "Der Gotteswahn" berühmt geworden ist, der Gott mit der Evolution wegzuerklären versuchte (und es noch immer tut) und der Religion für eine Bedrohung hält. Eine Apologie des Glaubens?
Wenn man die Sache genauer betrachtet nicht. Schon Bertrand Russell benutzte das Bild von der "unsichtbaren Teekanne, die durch das All schwirrt". Man kann weder beweisen, dass es sie gibt, noch das es sie nicht gibt. Was allerdings nichts daran ändert, dass sie ein satirisch überzeichnetes Produkt seiner Phantasie ist. Sie ist weder von Russell gesehen noch von irgendeiner Beobachtung abgeleitet worden. Sollte es also Leute geben, die an so etwas absurdes glauben, weiß man eigentlich schon in diesem Zusammenhang, dass sie im Unrecht sind, auch wenn man es ihnen nicht beweisen kann. So auch im erwähnten Lagerspiel, bei dem sich die Leiter so richtig blöd und quer stellen dürfen (wissen lustigerweise, dass es Einhörner nicht gibt, konstruieren aber Theorien, die wahrscheinlich an "Die Ritter der Kokosnuss" angeleht ist), nur um zu verhindern, dass jemand die Aufgabe lösen kann. Und falls man dennoch Hinweise für eventuelle Missverständnisse oder Täuschungsversuche zur Auflösung hat, können diese auch gleich wieder rethorisch weggeredet werden.
Was lernt man aus atheistischer Sicht daraus?
 Es gibt Leute, die die seltsamsten Dinge für wahr halten (vertrauen darauf, dass es einen Schöpfergott, Wunder oder ein Leben nach dem Tod gibt), obwohl doch die Tatsache der Evolution (wie sich Dawkins immer wieder darauf beruft) zeigt, dass es eigentlich keinen Gott gibt. Also Vorsicht mit solchen Leuten, die können einen in ein nie endendes Gespräch verwickeln. Wer schon einmal mit Verschwörungtheoretikern diskutiert hat, kennt das Problem, wenn jemand seine eigenen Einsichten und Standpunkte verteten will (z.B. dass die Anschläge am 11. September ein "Insiderjob" der CIA waren, dass der israelische Geheimdienst Mossad für alle möglichen politischen Probleme verantwortlich ist). Am besten einen großen Bogen um solche Typen machen.
Was Leute dran ermutigen soll, "eine Menge Dinge zu glauben, für die es keine Beweise gibt" wenn man doch ganz genau weiß, dass es diese Dinge nicht gibt, verstehe ich daran ehrlich gesagt nicht. Sie werden eher schon unter den Druck der Gruppe gesetzt, wenn dieses Leitbild "alle gegen die Idioten" vorherrscht.
Was ich wirklich mal wissen würde: Was könnte passieren, wenn unter den erstaunten Augen von Kindern und Erziehern mitten in der Diskussion ein wirkliches Einhorn durch das Camp trappen würde? Was wäre ihre Reaktion? Dieses unmögliche Tier bestaunen und für den Rest des Tages die £10 Preisgeld vergessen? Oder doch besser zur guten alten Kanne zurückkehren?
"Nein, das ist nur EIN Einhorn! Bleiben wir bei der Sache. Ein ZWEITES fehlt, außerdem ist es nicht unsichtbar. Und außerdem kann es nicht zu denen gehören, die wir meinen, weil die nämlich erfunden sind und das hier real ist!"


PS: Eine athistisch-evolutionistische Freundin und kein passendes Geschenk?
 Macht nichts! Auch dafür hat Richard Dawkins eine Lösung!

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