Dienstag, 8. Mai 2012

Eine recht seltsame Ikone ...




Manche, die sich mit skurrielen Geschichten aus demMittelalter auskennen, würde jetzt sicher die Geschichte von "St. Giunefort" einfallen, über den 1250 der gelehrte Dominikaner Étienne de Bourbon in seinem Werk "Exempla" schrieb. In der nördlich von Lyon gelegenen Ortschaft Dombe bildete sich eine Pilgerstätte um das Grab eines Windhundes. Dieser hatte den Sohn des Gutsherr vor einer Schlange beschütz und ist fälschlicherweise selbst erschlagen worden. Sein Herr errichtete ihm ein Grabmal, das bald einige Bauern anzog. Als die Rede von angeblichen Wundern die Runde machte, kamen bald ganze Scharen an diesen Ort. Étienne selbst untersuchte das Geschehen - und ließ wegen eindeutig praktiziertem Aberglauben das Grab entfernen und die Überreste von Guinefort verbrennen.

Bei unserer Ikone handelt es sich natürlich nicht um solch eine Skurrilität. Es ist eine alte Dartsellungsweise des Heiligen Christopherus. Die Darstellung als "Kynokephale" geht entweder auf einen Übersetzungsfehler zurück, der den Begriff Kanaaniter falsch übersetzte (ich bin eigentlich sehr skeptisch gegenüber dieser Wikipediaerklärung) oder darauf, dass er nach vielfacher Tradierung diesem Fabelvolk (über das schon die Griechen Hesiod und Ktesias von Knidas aus persischen und indischen Quellen berichteten und das auch Marco Polo in seinem Reisebericht erwähnte. Auch die Schedelsche Weltchronik dürfen wir nicht vergessen) zugewiesen wurde. Demnach soll er sich nach seiner Taufe von einem wilden "Halbtier" (ihnen wurde auch Kannibalismus zugeschrieben) in einen normalen Menschen gewandelt haben. Einigen Legenden zufolge soll er sogar sein hundeartiges Aussehen verloren und normal gesprochen haben. Unsere Ikone stammt noch aus der Zeit um 1700 und wird im Ikonenmuseum Recklinghausen ausgestellt. Ob es auch heute noch diese Darstellungsweise gibt, konnte ich leider nicht mehr herausfinden. Aber sie ist dennoch eine sehr schöne Darstellung für die geistige Umkehr und Umwandlung durch Christus.

Kommentare:

  1. Irgendwo habe ich gelesen, Christopherus sei schlußendlich als Märtyer gestorben und während der vorrausgehenden Folter sei ihm ein glühender, eiserner Hundekopf aufgesetzt worden.
    Auch das eine Erklärung für die Ikone.
    laut legende habe ihn der glühende Hundekopf nicht umgebracht, sondern sein Gesicht in das eines Engels verwandelt.
    Schönes Blog, gefällt mir!

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    1. Vielen Dank für diese Bemerkung! Von der Legende, man habe ihm einen Hundekopf aufgesetzt, habe ich bisher noch nichts gehört.
      Da sieht man mal, was alles im Internet so zusammenkommen kann.

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