Dienstag, 22. Mai 2012

The Life of zhe Alois

Bin bei Echo Romeo auf die Bemerkung von Alois Glück zur Messe der Petrusbruderschaft gestoßen.
Mehr dazu in the Mediathek des ARD (ab 18:15)  mit dem vollständigen Interview.

Worum geht es genau? "Traditionalisten", also "Gruppen, die Alleinvertretungsansprüche haben" [Welche hat das übrigens nicht?-Hinüberschiel-zu-ZDK], feierten eine "Lateinische Messe". Sie lehnen damit eine "Errungenschaft des II. Vatikanischen Konzils" ab, die "Deutsche Messe" [und ich hab immer gedacht, die unterhalten sich im Vatikan auf Latein un Italienisch ...]. So weit der freikirchlichen Theologen Andreas Malessa. Im Bericht dazu näher: Diese Messe ist keine gemeinsame Feier. Der Priester steht "mit dem Rücken zu Volk" und die Sprache ist Latein. Außerdem würden die Gläubigen dem "Messopfer" [besonders hervorgehoben] nur beiwohnen, dem zelebrierenden Priester Bernward Deneke würde es in einem normealen Sonntagsgottesdienst grausen [ganz besonders hervorgehoben, mehr hat er scheinbar nicht gesagt]. Aber der Katholikentag ist ja so tolerant ("zeugt von katholischer Reichweite") ...
Was sagt Mr. Katholikentag (alias Alois Glück) dazu? "Die haben eigentlich nichts mit dem Katholikentag zu tun, die sind eigentlich schon immer hier gewesen." Die Messe der Priesterbruderschaft St. Petrus ist eigentlich nicht im Programm vorgesehen. Außerdem sei das, was sie machen, eine "bewusste Absage an das II. Vatikanische Konzil".
"Treibt eine konservative Minderheit Bischöfe von 27 Diözesen vor sich her?" Glück: "Die Rechten sind gut organisiert,wenn es darum geht, Druck auszuüben, aber sie haben nicht die Oberhand."

So weit der ARD-Bericht.
Dass es (junge!) Gläubige gibt, die an der Tridentinische Messe gerade schätzen, dass "Gott im Mittelpunkt steht" und "die Messe sehr viel intensiver gefeiert wird als in den normalen Sonntagsgottesdiensten", darauf wird nicht weiter eingegangen, obwohl sie im Bericht zitiert worden sind. Auch fallen ziemliche Verkürzungen auf, beispielsweise, dass die Messe überwiegend negativ dargestellt wird Hinblick auf "mit dem Rücken zum Volk" (obwohl der Priester eher mit dem Volk in eine Richtung schaut) und "keine Mitfeier" (dazu mehr bei Echo Romeo). Dass es sich bei dem Priester um eine Art traditionalistischen Wüterich handelt, nehme ich denen auch nicht ab (nicht nur, dass das Zitat ziemlich retuschiert erscheint. Davon kann Henryk M. Broder ein Lied singen. Ich kenne den Priester persönlich).
Und was soll schon wieder dieses Gerede von einer "gut organisierten" "konservativen Minderheit", die den Bischöfen im Nacken sitzt? Tatsächlich ist es so, dass gerade die Petrusbruderschaft in manchen Diözesen (z.B. Freiburg) von den Bischöfen gesperrt wird. Oder werden zwei Dinge unter dem Todschlagargument "konservative Dunkelmänner" zusammengeworfen, die eigentlich zur Zeit nicht viel miteinander zu tun haben? Auf der einen Seite die Petrusbruderschaft, die es gewagt hat, auf dem Katholikentag überhaupt aufzutauchen, und die Piusbruderschaft, die längere Zeit negativ in den Schlagzeilen stand ("Williamson-Affäre")? Vielleicht auch noch das Opus Dei, das schon vor Dan Browns Da Vinci Code zu Unrecht einen ziemlich miesen Ruf hatten?
In diesem Blickwinkel scheint mir die Behauptung von Herrn Glück schon eher eine Parodie auf Das Leben des Brian zu sein.

Kommentare:

  1. Es zeigt in meinen Augen nur einmal mehr deutlich, wie widersprüchlich (man könnte auch sagen: "heuchlerisch") Herrn Glücks Äußerungen sind, noch im DLF-Interview zu behaupten, er und seine Klientel schließe niemanden aus und sich dann von bestimmten Gruppierungen, die innerhalb der katholische Kirche existieren, so deutlich zu distanzieren.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank für den Link! Habe dazu ein Posting geschrieben: http://richelieussammelsurium.blogspot.de/2012/05/wir-wissen-nicht-weiter-also-verdoppeln.html

      Löschen