Dienstag, 22. Mai 2012

"Nobelpreis für Karl Marx". 2. Akt.

Nach dem Beitrag "Nobelpreis für Karl Marx" von Gideon Böss ein weiterer Bericht aus Berlin.
Dazu vorher ein Gedankenspiel:

Stellt euch vor, eine Gruppe von Altnazis würde eine NS-Gedenkstätte übernehmen. Das kam dadurch zustande, dass sie mit in der Regierung sitzen, ohne dass man sich näher mit ihnen beschäftigt hat, obwohl es immer schon Bedenken gab. Sie übernehmen z.B. den Bendlerblock, ein ehemaliges Gestapo-Quartier oder sogar ein KZ. Sie dürfen die Gebäude nicht entfernen, sie müssen vielmehr eine Dokumentation erstellen, vielleicht dürfen sie noch einige Räume zur besseren Übersicht umstellen. Das war´s dann auch schon.
Dann der große Tag der Eröffnung. Besucher strömen ein - und stellen fest, dass so einiges anders ist. Die Räume sind hell erleuchtet, alles sauber hergerichtet. Dazu die andauernden Bemerkungen, die Häftlinge hätten vielleicht Schlimmes erlebt- aber es ging ihnen immerhin gut. Es werden Aufnahmen von Sportaktivitäten innerhalb des KZs gezeigt - ein Propagandafilm, den doch jeder im 3. Reich kannte, und der beweist, dass diese keine Schlachthöfe waren. Es werden positive Bemerkungen von Lagerinsassen zitiert (natürlich nicht von Toten - die können ja nichts mehr erzählen). Um die Umstände der Zeit und der Arbeitsbedingungen aufzuzeigen, verweist man immer wieder auf die Bedrohung durch den Kommunismus, die vorher chaotischen Zustände in der Weimarer Republik und potentielle innere Bedrohungen hin ("Es tut uns auch ehrlich leid, dass unschuldige Politiker und jüdische Mitbürger davon betroffen waren. Aber wir musssten nun mal unsere Pflicht tun."), dazu viele schöne Uniformen und Hinweise darauf, wie so ein Alltag in der "Verteidigung" aussah. In bestimmte Räume (Gaskammern, Krematorien, Medizinische Versuchsabteilung) darf man leider nicht gehen. Es fehlen leider Notausgänge.

Und, was haltet ihr davon?
Ich weiß, das Gedankenspiel ist absichtlich überzeichnet. Es findet natürlich nicht in einer NS-Gedenkstätte statt, sondern in einem ehemaligen KGB-Gefängnis in Potsdam. Und nach Vera Lengsfeld sind es auch keine Nazis ...

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