Freitag, 18. Mai 2012

Warum ausgerechnet eine "Himmel"fahrt?

Nachträglich fiel mir zu Christi Himmelfahrt eine Frage ein, die ein Freund vor vielen Jahren stellte: Wie soll das passiert sein, dass Jesus in den Himmel aufgefahren ist? Hat er sich eine Art Raketenrucksack umgeschnallt? Und wenn es tatsächlich funktioniert hat, wo ist er dann hin?
Auf die zweite Frage hin kann ich auf einen guten Artikel bei den Klosterneuburger Marginalien hinweisen. Bei der ersten bin ich mal so gemein und zitiere Lk 1,37:
"Für Gott ist nichts unmöglich."



Theoretisch gesehen wäre also an dieser Stelle Schluss. Würde sich nicht der böse Blogger als Ausgleich die Frage erlauben, warum es ausgerechnet eine sichtbare Himmelfahrt Richtung physischen Himmel sein soll, wenn doch allein die gegenwart Gottes diesen Zustand/Ort ausmacht (nach Thomas von Aquin mehr ein Zustand, denn "es ist vielmehr so, dass Gott den Himmel umfasst, als der Himmel Gott"). Hätte Gott (allmächtig, allliebend, allwissend) nicht wissen müssen, dass eines Tages so Typen wie Rudolf Bultmann auftauchen würden, die mit entmythologisierendem Ton sagen würden: "Na ja, viele Stellen scheinen legendarisch hinzugefügt worden zu sein. Das sieht man unter anderem an der Himmelfahrt, die Entsprechungen in den römischen Kaiserapotheosen und in der Himmelfahrt/Vergöttlichung des Aeneas nach Vergil hat, die auch wiederum Vorbildern aus griechischen und östlichen Mythen folgen. Man muss diese Stellen uminterpretieren in die heutige moderne Sprache, da sie einen tieferen Sinn haben, der unter diesen Bildern nicht mehr verständlich ist." Die Folgen dieser Entmythologisierung kennen wir ja. Und die sind teilweise nicht wirklich schön.
An dieser Stelle kann der katholische/evangelische/orthodoxe Blogger/ Theologe/ Katechet/ Religionslehrer wie Hiob fragen: "O Gott, wie konntest du nur so etwas zulassen?"
Diejenigen, die schon meinen Artikel zum "Pro-multis-Problem" kennen, liegen jetzt richtig mit der Vermutung, dass an dieser Stelle nach einer absichtlich überzeichneten und überzogenen Einleitungsfrage ein Gedankenspiel kommt, um sich einer (möglichst guten) Erklärung anzunähern.
Diesmal also das Problem, dass das Motiv (jetzt als Gedankenspiel objektiv gefasst) der Himmelfahrt Christi heute nicht mehr verstanden werden würde, dass also in Wirklichkeit eine andere "Botschaft" (sei es sinnbildliche "Vergöttlichung" Christi, bevor er irgendwohin in die Weltgeschichte verschwindet, um die Wichtigkeit seiner Botschaft zu unterstreichen - was das auch immer zu bedeuten hat) dahinter stehe. Wenn man davon ausgeht, dass die Jünger tatsächlich die Himmelfahrt gesehen haben, wie es auch später verschriftlich wurde (und davon gehen wir hier aus), und dass Christus wirklich die zweite Person der göttlichen Dreifaltigkeit war, dann handelt es sich hier um eine kommunikative Frage. Warum sollte Jesus in den Himmel aufsteigen, wenn er auch einfach vor ihren Augen verschwinden könnte? [Achtung, jetzt wird der Ball an die Jünger weitergegeben] Weil das die Jünger hätte verwirren können: "Der war also doch nur ein Gespenst! Eins, das Fisch essen und das man berühren konnte, aber ein Gespenst, das steht jetzt fest, weil niemand einfach so auftauchen und verschwinden kann!" Leibliche Auferstehung? Jetzt irgendwie nicht mehr so sicher.
Wenn man auch davon ausgeht, dass dem Jüngerkreis die Geschichte von der leiblichen Aufnahme des Elija in den Himmel bekannt war (und an vielen Stellen wird darauf hingewiesen, dass sie als Juden davon wussten), dann macht auch die Himmelfahrt Christi an dieser Stelle Sinn. Sich in Luft auflösen kann viel bedeuten, wenn man gen Himmel fährt, ist das für damalige Menschen ein klarer Hinweis, dass sich jemand zu Gott (aus paganer Sicht: zu den Göttern) kommt. Dass Er, wie gesagt, nicht in ein fernes Irgendwo verschwindet, sondern jetzt erst für sie alle da sein wird? Warum sollte Er nur wegen ein paar schrulliger Theologen in der Zukunft auf dieses reale Zeichen verzichten, wenn es doch etwas Wahres aussagt, das außerdem noch heute jeder verstehen kann?
Warum sollte die Freundin auf den Luftkuss verzichten, nur weil es vielleicht ein paar wenige Leute gibt, die das anders deuten könnten?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen