Samstag, 5. Mai 2012

"Warum waren die Mönche so Dick?" von Hans Conrad Zander

Nach den letzten Malen, an denen ich mit Satire mal ordentlich Dampf abgelassen habe (war auch mal nötig) wird es in der nächsten Zeit etwas ruhiger zugehen  - versprochen.


Zur Zeit lese ich an dem Buch "Warum waren die Mönche so dick - Wahre Komödien aus der Geschichte der Religion" von Hans Conrad Zander, das ich vor kurzem zufällig in der Bibliothek entdeckt habe. Der Autor, ein ehemaliger Dominikaner, jetzt Journalist, ist schon durch andere Werke bekannt wie "Zehn Argumente für den Zölibat", "Kurzgefasste Verteidugung der Heiligen Inquisition" und "Dummheit ist Sünde - Thomas von Aquin im Interview mit Hans Conrad Zander", die sich vor allem mit Fragen zumThema Kirchengeschichte auseinandersetzen  -mit einer ordentlichen Portion rheinischem Humor.
"Warum waren die Mönche so dick?" geht auf die Geschichten zurück, die Zanders englische Großmutter ihm als Kind erzählte. Und dieser dann später nach noch mehr suchte. Das Buch an sich ist unterhaltsam geschrieben, zu empfehlen für alle, die gerne zur Abwechslung Fouilleton zu Welt- und Kirchengeschehen  lesen.

Hier ein kurzer Ausschnitt aus dem ersten Kapitel "Warum waren die Mönche so dick? - Worin wir die 6.88-Kalorien-Diät kennen lernen.":


"[...] Aber halt! Der französische Historiker [Michel Rouche] hat eines übersehen: Aus Mehl kann man nicht nur Brot machen! Die Mönche des Mittelalters waren Meister in der Herstellung von süßem Gebäck: "Frigodolae", "crispelae", "refelae", "cratones", "fladines", "bracelli", "oblatae", "piperati", "mellati", "nebulae" - so heißen die raffinierten Makronen, Krapfen, und Waffeln, Honig- und Pfefferkuchen,und wie wissen auch nicht im einzelnen genau, wie diese Plätzchen geschmeckt haben, so steht doch dies fest: Sie waren alle unbeschreiblich süß und fett. Auf Barbara Lüdckes Kalorientabelle stünden sie alle viel weiter oben als das schlichte Brot.
Soll ich jetzt noch lange reden von den erlesenen Rezepten für orientalische Süßigkeiten, die die Mönche im Gefolge der Kreuzritter aus Damaskus heimbrachten? Soll ich die kleinen Aniskuchen beschreiben, die Ingwer-Bonbons, die eingelegten Früchte oder gar die Krapfen mit Rosenblättern und Blattgold, die der Ruhm der Karmeliter-Küche waren?
Die größte Weltfremdheit aber hat sich Michel Rouche geleistet, als er nur einen täglichen Verbrauch von 0,6 bis 1,1 Gramm Honig pro Mönch in seine Rechnung aufnahm. Die Klosterbrüder waren ja die großen Bienenzüchter des Mittelalters. Sie brauchten enorme Mengen Wachs für die Altarkerzen, und Wachs ist nur ein Nebenerzeugnis von Honig. Es gab fast nichts, was im Mittelalter nicht mit Honig gesüßt wurde. So wissen wir zum Beispiel vom heiligen Ludwig, dass er während der Fastenzeit zur besonderen Abtötung des Leibes statt Wein Bier trank. Allerdings fügt der Chronist hinzu, dass Sankt Ludwig das Bier der Buße mit Honig süßte. [...]"

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