Freitag, 25. Mai 2012

Wir wissen nicht weiter, also verdoppeln wir unsere Leistung

Stanislaus hat im Kommentar zu The Life of zhe Alois auf ein recht interessantes Interview mit dem Deutschlandfunk hingewiesen. Das einzige, was mir dazu einfiel, war eine Bemerkung von Professor Windisch (Universität Freiburg/Breisgau) zu unüberlegten Reformen innerhalb der Kirche: "Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll, also verdoppelten wir unsere Leistung."
Einen weiteren Kommentar spare ich mir, das Interview spricht für sich selbst:

"Wenn man einen Aufbruch wagt und es so einordnet, dann heißt es ja auch immer, es ist ein Stück Wagnis dabei. Das heißt, das Ergebnis ist nicht von vorneherein festzulegen [sic!], denn dann ist es kein Aufbruch mehr, dann ist es auch keine innere Lebendigkeit." 
"Und es geht darum, dass wir miteinander in einer offenen Atmosphäre, im Respekt voreinander, in einer guten Gesprächskultur, wenn es denn auch sein muss, in einer guten Streitkultur [hat zwar nichts gebracht. Aber weiter...] , in all diesen Bereichen einmal die Situation analysieren und uns darüber austauschen, wohin der Weg gehen kann, was wichtig ist."
"Der Missbrauchsskandal hat eine tiefe Erschütterung gebracht, einen großen Vertrauensverlust. Er hat aber auch Verkrustungen aufgesprengt. Und ohne dieses, ich sage, Schockerlebnis, innerkirchlich auch des Schockerlebnisses des Missbrauchs, in all den Facetten der Zahl und wie damit umgegangen wurde und so weiter, gäbe es auch nicht etwa das Dialogprogramm, den Dialogprozess. [Den gibt es zwar schon in immer der gleichen Form seit über zwanzig Jahren. Ist aber auch egal]
"Wir erleben jetzt von zwei Veränderungen her einen Veränderungsdruck auf die Kirche von außen her, das ist der Priestermangel einerseits und die Veränderung der Zahl der Gläubigen und ihrer Struktur." [Lieber Alois, das Problem mit den Kirchenaustrittszahlen und dem Priestermangel ist keine Sache von Außen, sondern von Innen. Wenn schon in den 60ern über 100.000 Seminaristen wieder abgesprungen sind (also kurz nach den sogenannten "Reformen"), kann das nichts mit einer "Industrialisierung" oder "Modernisierung" zu tun haben, bei der die Kirche nach so langer Zeit so ungewöhnlich schnell einknickt]
"Und dann gibt es eine Reihe von einzelnen Themen, an denen gegenwärtig die Situation besonders deutlich wird. Das, was die engagierten Katholiken, das heißt denen, die Kirche wichtig ist, was die besonders beschäftigt." [Wen er wohl damit meint. Irgendwie habe ich das ungute Gefühl, dass er weder konservative Katholiken  noch die Blogoezese damit meint, obwohl die Beschreibung zutrifft]
"Es ist ja auch eine Diskussion ohne Denkverbote." [Haben wir schon gesehen...]
"Ich verstehe diese Ungeduld völlig, ich habe sie ja auch in mir selbst, weil ich die dringenden Entwicklungen sehe." [Und welche, bitteschön, wenn die Ergebnisse "von vorneherein nicht festzulegen" sind?] 
"Die nächste Veranstaltung, auf der von den Bischöfen her getragenen Bundesebene im Dialogprozess, die nächsten Veranstaltung in Hannover im September, die muss dann konkreter werden wie die erste Veranstaltung in Mannheim war." [Das hätte es eigentlich schon in Mannheim werden sollen. Wie gesagt: Ist eigentlich auch egal]
"Hat uns natürlich auch empört [Anm. d. A.: Ausladung von Professor Hans Maier, weil er sich für Domun Vitae engagierte]. Dann muss man auch sagen, das waren zwei Bischöfe oder zwei Diözesen. Und ich weiß nicht, ob es noch mal so wiederholt würde, aber diese Thematik ist eine der offenen Wunden seit vielen Jahren [Und wer hält sie offen?]. Und ich rede auch nicht davon, dass alles Harmonie wäre [Das ist jetzt ein bisschen doppeldeutig]."
"Das Thema [Wiederverheiratete Geschiedene] ist damit jetzt auch nicht beendet, dass es eine solche Reaktion gab, sondern das ist eines der Schlüsselthemen. Wenn ich aufnehme, was in den vielen Gesprächen die Prioritäten für die Katholiken gegenwärtig sind, dann steht an erster Stelle die Zukunft der Seelsorgestruktur, Pfarreien etc. An zweiter Stelle geschieden Wiederverheiratete, in Deutschland an dritter Stelle dann auch konfessionsverschiedene Ehen. An vierter Stelle würde ich nennen die Rolle und die Zukunft der Frauen in unserer Kirche. Und das sind Themen, in denen wir in den nächsten Jahren konkret arbeiten müssen." [Grundgütiger, haben die wirklich nichts besseres zu tun?]
"Ja, weil der Veränderungsdruck da ist, weil sichtbar wird, dass ein "Weiter so" nicht mehr geht." [Auch schon gemerkt? Man nennt so etwas auch in der letzten Konsequenz "Burnout"]
"Diese Ausgrenzungstendenzen kommen von uns oder von der Gruppe, die als Reformer bezeichnet werden, überhaupt nicht." [Nein, dort werden andere nur durch den Dreck gezogen...]
"Und da wird dann anderen, insbesondere im Netz, zum Teil auch in einem Stil, wie ich ihn selbst in der Politik nie erlebt habe, mit Unterstellungen gearbeitet, wird die Kirchlichkeit, das Katholisch-Sein abgesprochen etc." [(Glas-Anheb) Gern geschehen!]
"Wir haben in unserer Kirche einen erheblichen Verbesserungsbedarf, was Gesprächskultur betrifft. Jedenfalls in bestimmten Teilen unserer Kirche." [Der Meinung bin ich auch. (Hinüberschiel zu ZdK)]
"Es geht ja gar nicht um ein Gegeneinander." [Nein, es sollen ja nur bestimmte Meinungen aufgedrängt werden...]
"Hier haben wir ein Zeitfenster, das für die weitere Entwicklung für die katholische Kirche in Deutschland wohl bedeutsam sein wird. In den nächsten Jahren wird, insoweit nicht schon erfolgt, in allen Diözesen eine Pastoralplanung im Hinblick auf künftige Gemeindestrukturen notwendig sein." [Wir haben Recht - zumindest irgendwann einmal]
"Gegen das Diakonat der Frau gibt es ja keine einzige lehramtliche Entscheidung, die dagegen steht, wobei wir uns deutlich abgrenzen von der Frage Frau und Priestertum. Das würde gegenwärtig unsere Kirche spalten bin in die Gemeinden hinein." [Gesellschaftlich-strategische Überlegungen. Nicht gerade dumm. aber immernoch weit von einer normalen Auseinandersetzung entfernt]
"Aber die Frage der zukünftigen Beziehung zu den Piusbrüdern ist natürlich schon ein hochsensibles Thema. Werden hier Zugeständnisse gemacht, die in einem krassen Kontrast stehen in der brüderlichen Zuwendung und Weite zu anderen Gruppierungen in unserer Kirche?" [Da scheint wohl jemand eifersüchtig zu sein...]
"Wie erleben Menschen heute häufig Kirche? Ja, sie erleben sie zu sehr offensichtlich als Institution, als Herrschaftsinstrument mit Gesetzesreligion." [Schön, dass er auch mal auf das ZdK zu sprechen kommt]
"Wenn in Mannheim bei der ersten Zusammenkunft in einem großen Querschnitt von Menschen in unserer Kirche, Priester und Laien, das gemeinsame Ergebnis war, wir brauchen eine barmherzige Pastoral, dann ist das gut. Aber es zeigt ja gleichzeitig offensichtlich, dass die gegenwärtige Pastoral so nicht empfunden wird." [Wie bitte, bei "barmherziger Pastoral" denkt niemand an das Bußsakrament? Meine Güte, wo lebt ihr denn?!]
"Ich sehe aber auch viel Aufbruch, viel blühendes Leben. Ich lese immer wieder die Materialien aus der katholischen Jugend. Da bin ich beeindruckt, mit welcher Spiritualität und lebendigem Glauben hier das Engagement da ist." [Meint er mit letzterem auch das Projekt Samuel?]
"Es ["Engagement"] lässt sich stärker wecken. Dafür ist auch Voraussetzung, dass es auch innerkirchlich wieder stärker ermutigt wird. (...) Hier brauchen wir einen neuen Stellenwert für solches Engagement. Auch eine Akzeptanz, dass es eben zum Beispiel dann im politischen Handeln Kompromiss geben muss, und dass Laien nicht im Sinne der früheren katholischen Aktion, eben dann in den Gremien das zu tun haben, was meinetwegen das Leitungsamt in der Kirche für richtig hält." [Was soll das jetzt genau sein, dieses "Engagement"? So lange um sich selbst drehen, bis man im Schwindel glaubt, man hebe von alleine ab?]
"Ich glaube aber, dass gerade in Deutschland das Jahr 2017 ein wichtiges Datum wird, auch für die Glaubwürdigkeit der Christen. Wie gehen wir miteinander um im Jubiläumsjahr der Reformation? Wie viel an Gemeinsamkeit, auch an Anerkennung von Positivem und wechselseitigem oder beiderseitigem Versagen wird thematisiert?" [Also nicht zuerst bei sich selbst klar Schiff machen?]
"In anderen Formen miteinander beten, das geistliche Leben, die vielen Fragen gesellschaftlichen und politischen Engagements. Es gibt eine unendliche Fülle der Zusammenarbeit oder Möglichkeiten der Zusammenarbeit." [Schon wieder "Engagement" und "Arbeit"]
"Aber dass auch spürbar wird, dass es eine in sich lebendige Kirche ist, lebendige engagierte Laien und dass von Mannheim aus dieser innerkirchliche Prozess einer neuen Lebendigkeit, Offenheit und des Engagements [Schon wieder] wesentliche Impulse bekommt. Und dass dies darüber hinaus auch in die Gesellschaft hinein wirkt und so gesehen ein Stück das Kirchenbilds wieder korrigiert [In wiefern?] ."


Lieber Herr Glück, es geht auch einfacher:


1. Zur Kirche: Sakramente austeilen und glaubhaft verkündigen. Der Rest erledigt sich von selber. 
2. Zu den Gläubigen: Nicht bis zum Burnout durchengagieren.
3. Zu den Funktionären: "Beten statt Rumsitzen, Knien statt Memoranden schreiben." (Wilhelm Imkamp)


Schön ,dass die Sache endlich [bis zum nächsten Katholikentag/"Skandal"] geklärt ist. Kann mich endlich mal wieder vernünftigeren Themen zuwenden.


Für mich ist die Sache "Katholikentag Mannheim/ZdK" erledigt. Wer dennoch Nerven, Zeit, Lust und eine eigene Metal-Band ohne Song hat, kann zum Abschluss die bisher erschienenen Interview-Texte ruhig vertonen. Mein bevorzugter Instrumental-Favorit (bei dem der Titel beibehalten werden kann):



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