Sonntag, 3. Juni 2012

Bei Thors Hammer! Neeeeeeiiiiiiiin!

Dass gesamte Superheldenlebensläufe oder sogar der komplette Charakter einer Hauptperson bei Neuerscheinungen bestimmter Comics durch frische Autoren so oft geändert werden, dass man leicht den Überblick verliert, dürfe bei Lesern amerikanischer Verlage schon längst bekannt sein (Höhepunkt einer Serie, dann plötzlich noch einer, Held stirb, Held stirbt doch nicht, dann doch wieder, usw. bei einem Comicfachhandel kurz umschauen lohnt sich).
Dennoch ist das, was nach ORF DC jetzt bekanntgegeben hat, doch eine Bombe gewesen. Der Held Green Lantern soll jetzt homosexuell werden

"Die neue Personifizierung von Green Lantern sei führungsstark, gerechtigkeitsliebend - und homosexuell, wie der legendäre Comic-Verlag gestern in New York mitteilte."

Die Konkurrenz MARVEL zieht auch nach:

"DC Comics ewiger Konkurrent Marvel geht sogar noch weiter. Sein Held Northstar soll demnächst sogar seinen Freund heiraten. Allerdings ist Northstar nicht annähernd so populär wie Green Lantern. Er ist der erste der klassischen Superhelden, der „openly gay“ ist."

Und natürlich sind nicht alle davon begeistert:

"Der erste Gegner des Superhelden ist sehr real: Die evangelikale Gruppe „One Million Moms“ hat sofort zum Angriff geblasen. 
Die Superhelden seien Vorbilder für Kinder. „Können Sie sich einen kleinen Buben vorstellen, der sagt, er wolle ganz wie X-Man einen Ehemann haben?“, fragt die Gruppe empört auf ihrer Website. „Das ist alles lächerlich. Warum brauchen erwachsene schwule Männer einen Comic-Superhelden als Vorbild? Sie brauchen das nicht, aber sie wollen formbare junge Gemüter beeinflussen, in dem sie schwule Figuren auf den Sockel heben und ins positive Licht setzen.“
Den kirchlichen Gruppen wird nicht gefallen, was gleich im ersten Heft mit Green Lantern zu sehen ist. Da kommt der Superheld, der seine Kraft über einen Ring aus einer grünen Laterne bezieht, nach Hause und wird von seinem Freund empfangen („Gott, habe ich Dich vermisst“). Lustvoll küssen sich beide, wie man es bisher höchstens von Superman und Lois kannte."

Bei Mjölnir! Wie kamen die jetzt schon wieder auf so eine Idee?!
Außer dass man versucht, sich bei irgendjemandem einzuschmeicheln, um die Verkaufszahlen in die Höhe steigen zu lassen, fallen mir recht wenig Gründe dazu ein, warum ein bisher heterosexueller Superheld plötzlich schwul werden soll. Vielleicht könnte auch wieder so eine Petition dahinterstecken, die beklagt, dass es zu wenig Homosexuelle in Film und Fernsehen gibt, wie es beispielsweise bei Erni und Bert der Fall war. Die Antwort der Sesamstraße-Macher war damals mehr als deutlich gewesen:

"Sie sind nicht homosexuell, sie sind nicht heterosexuell, sie sind Puppen."

Warum sollte man also plötzlich ihr Verhältnis ändern?

"As a preschool teacher for 22 years, I witnessed how much Sesame Street has taught children over the years. One of the most important lessons has been tolerance of others...people with disabilities, and different cultures to name a few. The more people, including children understand, the more accepting they will be. This is the perfect opportunity to teach children that not all couples are man/woman, and that's okay as long as they treat each other with kindness and respect."

[Seit 22 Jahren als Vorschullehrer kann ich bezeugen, wie sehr die Sesamstraße den Kindern über die Jahre etwas beigebracht hat. Eine der wichtigsten Lektionen ist die Toleranz gegenüber Anderen gewesen ... Menschen mit Behinderung und unterschiedlichen Kulturen, um einige Beispiele zu nennen. Je mehr Menschen - auch Kinder - das verstehen, desto mehr werden diese akzeptiert werden. Das ist die perfekte Gelegenheit, Kindern beizubringen, dass nicht alle Paare aus Mann und Frau bestehen und dass es okay ist, solange sie andere freundlich und mit Respekt behandeln."]

"Die perfekte Gelegenheit" also. Abgesehen davon, dass man zuerst die Bedeutung von Freundschaft lernen sollte, bevor es in Richtung "Sexualität/Sexuelle Orientierung" geht (wie es eine Schülerin beim BBC Youth Parliament zum Thema "Frühe Sexualerziehung" dargelegt hat), scheint die ganze Sache schon wieder so eine  Art "ideologischer Grabenkampf" zu sein. Man führt eine Sache als normal vor, also muss man das auch so akzeptieren. Dass nicht alle Freundschaften zwischen zwei Männer oder zwei Frauen gleich etwas sexuelles sein sollen, fällt dabei leider ebenso weg wie die Frage der Natürlichkeit dieser "Beziehungen". Das ganze kann in diesem speziellen Fall Kinder überfordern.

Das Gleiche trifft auch bei Comichelden zu. Besonders in Amerika mit seiner langen Comictradition, die wirklich schon alle Altersgruppen betrifft. Tatsächlich ist es so, dass Kinder und Jugendliche sich gerne mit Helden identifizieren, weil sie an ihnen Werte wie Verantwortung (Spiderman: "Große Macht bedeutet auch große Verantwortung") lernen oder sie einfach eine Art Gegenwelt kennenlernen, in der ihnen oft eine Welt gezeigt wird, in der doofe Schläger tatsächlich nicht das letzte Wort haben, dass das Böse gerade wegen seines Wesens als Verdrehung des Guten keine Chance hat, dass vielmehr das Gute das Wesentliche an der Welt ist. Auch Heilige wie Nonius Alvares Pereira orientierten sich an Heldensagen. Bei diesem späteren portugiesischen Heerführen und Karmelitenmönch war es der Gralsritter Parzival von der Tafelrunde, den er als Vorbild für ein frommes und tugendhaftes Leben als Soldat nahm.
Und dort den Platz zu nutzen, um sexuelle Orientierungen salonfähig zu machen, ist tatsächlich schon nach meiner Sicht ein Verrat an den Superheldengeschichten.

Ob sich diese Umstellung tatsächlich durchsetzen wird, beleibt dabei die Frage. Es gibt genug Fans, die sich so etwas nicht vorschreiben lassen wollen.

Also vorwärts, Nerds to the front!


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