Samstag, 2. Juni 2012

Cottingley ist überall

Zufällig stieß ich in einem Buch mit kurzen biographischen Angaben über den Sherlock Holmes- Autor Sir Arthur Conan Doyle über einen Artikel, der von einer Reihe gefälschter Fotos aus dem Viktorianischen England berichtete: Die "Cottingley Fairies" (Deutscher Wikipedia-Artikel hier).


Was ist damals passiert? 1917 stellten die beiden jungen Cousinen Frances Griffiths und Elsie Wright mit Hilfe von kolorierten Bildern, die sie wahrscheinlich aus einem Kinderbuch ausgeschnitten, um sich herum aufgestellt und anschließend fotographiert haben. Diese Fotos legten sie zunächst ihrer Familie als echte Aufnahmen vor.

1920 veröffentlichte der Esoteriker und Theosoph Edward Gardner die Fotos der Mädchen. Zuvor hatte er sie jedoch absichtlich so bearbeitet, dass eine Untersuchung ihrer Echtheit erschwert wurde. Tatsächlich wurde eine Fälschung von der Firma Kodak nicht festgestellt, obwohl man den Wahrheitsgehalt der Bilder anzweifelte. Arthur Conan Doyle, der öffentlich für seine Interessen an Spiritismus bekannt war, hatte die Untersuchung angeordnet und war danach so von deren Echtheit überzeugt, dass er ein Buch zu diesem Thema verfasste (Link).

Man kann sich jetzt natürlich fragen, wie der weltberühmte Autor von Sherlock Holmes, der in seinen Krimis so viel Wert auf rationale und logische Schlussfolgerungen legte, auf so etwas hereinfallen konnte. An dieser Stelle kann man das "konnte" auch durch "wollte" austauschen. Tatsächlich waren sogenannte "Geisterfotos", also Abbildungen, die angebliche Geister zeigten, zur Viktorianischen und Wilhelminischen Zeit nicht deswegen gefragt, weil sie "echt" waren, sondern die Spiritisten und Esoteriker vielmehr in ihrem (eigentlich nebulösen) Glauben bestärkte.
Selbst wenn man sah, dass es sich bei dem Geist eindeutig um einen verkleideten Mensch handelte (u.a. ein "Medium" geht bei einer Geisterbefragung kurz aus dem Zimmer und kommt mit einem übergeworfenen Bettlaken als geist wieder zurück), wollte man es wahrhaben, dass es sich um einen Geist handelt. Und wehe, man legte ihnen dar, dass es nicht so ist. Das war dann auch der Grund gewesen, weswegen Doyle sich mit dem Illusionsmagier Harry Houdini zerstritten hat, der sich neben seinen Shows auch auf das (teilweise juristische) Enttarnen von betrügerischen Spiritisten und "Medien" spezialisierte. Selbst seine Zaubervorführungen waren auf Aufklärung ausgerichtet. Doyle hingegen hielt ihn für einen echten Magier, der es nur nicht zugeben wollte. (vgl. Linus Hauser: "Kritik der neomythischen Vernunft. Band 1: Menschen als Götter der Erde)

Erst 1983 gab Elsie Wright, 83 Jahre alt, die Fälschung zu, ihre Cousine beharrte hingegen immernoch auf die Echtheit. Noch heute sind die Fotos in der Esoterikerszene heiß diskutiert.

Schön, dass der Fall abgeschlossen ist. Denn man kann andererseits diese interessanteTechnik der Photoretuschierung für eigene Bilder benutzen -vor allem wenn man mit Fotoshop nicht zurecht kommt. Man kopiert und druckt ein Bild aus dem Internet oder schneidet es aus einem Magazin aus, fixiert es mit Blumendraht und stellt es in die Gegend oder hält es vor die Kamera. Diesen Spaß wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und hab es mal ausprobiert.
 Am besten eignen sich natürlich Märchen- und Fabelwesen, zum Beispiel ...


... Ponies, ...


... Hobbits ...


... und natürlich Barack Obama
Okay, das war jetzt ein bisschen gemein.

Aber schöne Postkarten kann man damit auch machen:


Wer das auch ausprobieren will, wünsche ich schon mal viel Spaß. Über Zusendungen von Bildern würde ich mich übrigens sehr freuen :-)

Kommentare:

  1. Nicht nur diesem Zusammenhang ein sehr schöner Film: Der Elfengarten von 1997. Im Original heißt der sogar Photographing Fairies

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    1. Vielen Dank für den Hinweis! Schaue mal, ob ich mir irgendwo besorgen kann.

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  2. Der Einfachheit halber keine Bilder, sondern ein Link.

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    1. @Alipius: daran hatte ich auch gerade gedacht. :-)

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    2. Gerade schon rein zufällig darübergestoßen. Frage mich, was das noch toppen kann ... ;-)

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