Dienstag, 26. Juni 2012

"Das Theater aus der Osterbotschaft" von Alkuin Schachenmayr

Hier der Bericht über den Ursprung des neuzeitlichen Theaters aus den mittelalterlichen Mysterienspielen, von dem ich im letzten Posting geschrieben habe. Mit herzlichsten Dank an Pater Engelbert Recktenwald FSSP, der mir bei der Suche nach dem Artikel auf seinem Blog geholfen hat.


Liturgische, nicht griechische Anfänge
Das europäische Theater ist nicht aus der griechischen Antike hervorgegangen, wie oft behauptet wird, sondern aus der Osterverkündigung. „Der Herr ist auferstanden!“ war und bleibt die spannendste Aussage, die einem Menschen auf der Bühne (oder anderswo) über die Lippen geflossen ist. Obwohl es ein blühendes antikes Theater gab, ist dieses während der Völkerwanderung gänzlich ausgestorben. Im 10. Jahrhundert, so lehrt die Theaterwissenschaft seit Generationen, entstand das Theater erneut. Ausschlaggebend dafür war die Verkündigung des Evangeliums.
Der älteste Dialog unserer Theatertradition heißt Quem queritis und handelt über die Osterbotschaft: Quem queritis in sepulchro, Christicole? Wen sucht ihr im Grab, ihr Christen? Darauf antworten die Frauen: Iesum Nazarenum crucifixum. Darauf erfahren sie die österliche Botschaft: Non est hic, surrexit sicut praedixerat. Ite, nuntiate quia surrexit de sepulchro. Er ist nicht da, er ist auferstanden, wie er voraussagte. Geht, verkündet, dass er vom Grab erstanden ist.
Da dieser Dialog den Mittelpunkt der christlichen Verkündigung bildet, wollte man ihn liturgisch durch Gesang, Gestik und Dialog ausbauen. Weitere Szenen wurden hinzugefügt, so dass die Erzähleinheit bald den Rahmen der Heiligen Messe sprengte und außerhalb gespielt wurde, zunächst noch in der Kirche, dann am Kirchplatz, dann am Markplatz. Über die Jahrhunderte entwickelte sich daraus das profane Theater der Renaissance. Der kirchliche Anteil am Theater war aber dadurch nicht verdrängt.
Durch die Glaubensspaltung rund um die Person des Martin Luther entwickelten sich ganz neue Foren für Polemik und Propaganda. In beiden Lagern, ob katholisch oder protestantisch, setzte man Predigt, Flugblatt und bald auch Theater ein, um Anhänger (zurück) zu gewinnen. Seit 1550 blühte das Jesuitentheater und prägte das kulturelle Leben Europas bis zur Aufhebung des Ordens in 1773. [...]





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