Donnerstag, 21. Juni 2012

Das Theater geht weiter

Erzbischof Zollitsch trifft sich heute mit den Freiburger Memorandisten. Selbst wenn es zu einer Einigung kommen könnte, würden die meisten Leute davon nicht sehr viel mitbekommen, da dieDiskussion in der Zwischenzeit schon bis zur Unkenntlichkeit emotionalisiert und vulgarisiert wurde. Was ich nicht nur diese Woche erleben durfte:

Bekannte: "Ich finde es eigentlich ein Unding, dass Geschiedene nicht mehr zur Kommunion gehen dürfen."
Ich: "Na ja, wenn man sich trennt, ohne dass die Frage beantwortet worden ist, warum die Ehe in die Brüche ging und dann nochmal heiratet ..."
Bekannte: "Ach so, das gilt nur wenn man nochmal heiratet? Das habe ich jetzt aber nicht gewusst."

Zwei Tage später. Mit derselben Bekannten.

Bekannte: "Ich finde es nicht recht, dass Geschiedene nicht zur Kommunion dürfen. Da muss doch die Kirche was dagegen tun."
Ich: "Eigentlich geht sie ja gut mit der Sache um. Wenn man nochmal heiratet und die Frage, warum die vorherige Ehe in die Brüche ging, eigentlich nie geklärt worden ist..."
Bekannte: "Das gilt nur bei Wiederheirat? Das wusste ich ja gar nicht."

Nein, die Bekannte hat kein Alzheimer. Sie ist übrigens fünfzig.
Sechs Stunden später das gleiche Theater noch einmal. Diesmal mit einem Zusatz eines Dritten:

"Der Papst würde das schon durchsetzen, wenn da nicht die anderen wären, die das andauernd abblocken. Die denken ja nur an Machterhalt."

Bei mir ist das inzwischen normaler Alltag. Das erklärt auch größtenteils das gelegentliche Aggressionspotential dieses Blogs.

In der öffentlichen Berichterstattung geht es sogar noch schräger zu. Dazu Predigtgärtner:

" [...] Meiner Meinung nach leidet ein Teil der öffentlichen Diskussion über die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener vor allem an Redlichkeit. Da wird ein Popanz aufgebaut, und der heißt Vatikan. Den stellt man gerne als den Bösen dar, der den Menschen aus ideologischem Starrsinn das Glück der Liebe nicht gönnt.
Ein Teil der römischen Aussagen wird deshalb einfach unterschlagen. So verschweigt man z.B., was der Papst schon 1994 als Vorsitzender der Glaubenskongregation in einem Schreiben an die Bischöfe und später ähnlich klarstellte:
„Die Hirten… sollen sich ihrer in Liebe annehmen… und ihnen in kluger und taktvoller Weise konkrete Wege der Umkehr und der Teilnahme am Leben der kirchlichen Gemeinschaft auf-
zeigen…“ 

Gerne wird auch von den Kritikern des Vatikans behauptet, sogar mit Mördern verfahre man großzügiger als mit den Wiederverheirateten
Alles in einen Topf zu werfen, ist ein beliebtes Argu-
mentationsmuster. Das Beispiel ist aber völlig daneben. Der aufrichtig bereuende Mörder behält sich der Kirche gegenüber nicht das Recht vor, weitere Morde zu be-
gehen und bittet dafür schon mal um Barmherzigkeit. 
Selbst Geschiedene dürfen zur Kommu-
nion hinzutreten; sie dürfen sogar Paten sein usw. 
Anders sieht es allerdings aus, wenn eine neue – auch sexuelle - Beziehung eingegangen wird, obwohl die vorige vor Gott ge-
schlossene Ehe aus kirchlicher Sicht noch nicht beendet ist. In diesem Zustand schwerer Sünde darf man nicht zum Tisch des Herrn treten. 
In der Öffentlichkeit wird häufig der Eindruck erweckt, dieses Schicksal treffe nur die wiederverheiratet Geschiedenen. Verschwiegen wird dabei, dass es eine ganze Reihe von schweren Verfehlungen gibt, die vom Kommunionempfang ausschließen, wie etwa eine erfolgte Abtreibung, öffentlich demonstrativ gelebte Homosexualität oder etwa Kirchenaustritt. Es gibt sogar prominente Beispiele, wo vom Ortsbischof eine Exkommunikation wegen kirchenfeindlicher Reden ausgesprochen wurde. Hat man z.B. je die Forderung von Priestern vernommen, man möchte diejenigen, 
die ein Menschenleben durch Abtreibung getötet haben, zur Kommunion zulassen? [...]"

Invenimus Messiam weist außerdem auf die schwerwiegenden Missinformationen und Romantisierungen bei dieser Debatte hin:

"Das größte Problem mit Memorandisten,Aufbrüchlern, Ungehorsamsaufrufern (vgl. c. 1373 CIC), etc. ist vielleicht dies, dass sie im Falle der "Wiederverheirateten" die Betroffenen instrumentalisieren und an den Pranger stellen, statt sie zu unterstützen. (Und mangels echter Katechese bringen sie diesen und all ihren Schäfchen auch noch bei, dass das so sein müsse.)

Meine vorherigen Beiträge zu diesem Thema mögen bei dem einen oder anderen den Eindruck erweckt haben, ich würde rigoristisch jeden "Wiederverheirateten" mit "Ehebrecher" abkanzeln und einfach "generell" jeden Sakramentenempfang ausschließen. Dem ist sicherlich nicht so. Das Generalisieren, genau das tun die oben genannten! [...]

[...] Wenn nun aber Kleriker und Akademiker sich hinstellen und eine "offizielle Anerkennung" solcher Praktiken fordern, dann ist das nichts anderes, als diese Praxis der weisen Güte und des wahrhaft seelsorgerlichen Eingehens auf den (oft tragischen) Einzelfall ungebührlich zu stigmatisieren und stattdessen eine allgemeine, "offizielle" und damit amtliche und öffentliche "Lösung" zu etablieren, welche die je eigene Situation nicht beachtet. Und das wird weder den Betroffenen noch der kirchlischen Disziplin irgendetwas Positives bringen. 
Statt des behutsamen Dienstes am Einzelnen soll ein "Recht auf Wiederheirat und Kommunionempfang" etabliert werden, das an Absurdität nicht zu überbieten ist.
So eine Praxis hätte dann auch zur Folge, dass Sünde nicht mehr Sünde genannt wird und somit auch keine Vergebung und keine Versöhnung stattfinden kann, auch wenn das die klerikalen Aktivisten gebetsmühlenartig behaupten... es wird das Gegenteil geschehen!

Oft wird der Verweis auf die Orthodoxie und die dortigen Praxis vorgebracht. Was man dann freilich verschweigt sind die Details: Wer weiß schon, dass es ein von der Kirche gewährter (oder versagter!) Gnadenakt ist, wenn eine zerbrochene Ehe für "moralisch tod" erklärt wird, und es keineswegs ein Anrecht darauf gibt?
Wer weiß schon, dass die zweite Ehe mit einer strikten Gesinnung der Buße verbunden ist und die Partner in der zweiten Ehe in der Regel eine oft jahrelange Bußzeit (samt Ausschluss von der Kommunion!) abzuleisten haben?
Solche Details werden gerne verschwiegen... Würde der Westen die orthodoxe Praxis übernehmen gäbe es einen Aufschrei: "Was fällt der Kirche ein, sich in unsere Privatangelegenheiten einzumischen?!"

Wichtig wäre es, dass den Priestern mehr Mittel, Wege und Kenntnisse an die Hand gegeben werden, damit sie die bisherige "inoffizielle", aber dafür der ernsten und sehr persönlichen Situation einzelner Betroffener gerecht werdenden Praxis noch besser mit der gebotenen Sorge begegnen können. Eine allgemein gültige offizielle Regelung wird weder der Sache noch der je eigenen Situation der Betroffenen gerecht."


Aber wer achtet schon darauf?


Kommentare:

  1. Interessant ist auch, dass in dieser Debatte (die mir übrigens genau wie dir schön langsam sehr zum Hals raushängt) immer nur vom "Zugang zur/ Ausschluss von der Kommunion" die Rede ist. Wenn man es mit etwas Gebildeteren zu tun hat, vielleicht auch noch vom "Zugang zu/Ausschluss von den Sakramenten". Aber kaum einer von diesen Schreihälsen scheint daran zu denken, dass zu einem angemessenen Kommunionempfang eine vorhergehende bzw. regelmäßige Beichte gehört. Sich das verunmöglicht zu haben, durch einen entsprechenden Lebenswandel, finde ich persönlich viel schmerzlicher. Aber abgesehen davon sei die Frage gestattet, wieviele der Forderer tatsächlich zur Beichte gehen würden. Wenn man sich die Beichtstühle samstags so beguckt, sind da in aller Regel weit weniger zu finden, als Sonntags zur Kommunion gehen. Das soll jetzt in keiner Weise in einer "holier-than-you" attitüde verstanden werden. Aber da könnte man doch viel leichter pastoral ansetzen mit regelmäßigen guten Seelsorgegesprächen, damit in diesen Menschen gar nicht erst das Gefühl aufkommt, ausgeschlossen zu sein und sie sich mit ihrer kirchenrechtlichen Situation versöhnen können.

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    1. Ein Bekannter aus der Petrusbruderschaft hat ja auch mal darauf hingewiesen, dass ein regelrechter Druck in vielen Pfarreien vorherrsche, zur Kommunion zu gehen. Wenn man dagegen nicht hingeht, dann schauen andere einen natürlich schräg an und tuscheln, was da schon wieder schiefgelaufen sei.

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    2. Wurde waehrend eines Heimaturlaubs auch schon mal gefragt, warum ich am Liebesmahl nicht teilgenommen habe. Als ich erwiderte, dass ich mich nicht befugt achte und erst zur Beichte gehen muesste, bekam ich zur Antwort, dass die Beichte abgeschafft und das Schuldbekenntnis am Anfang der Messe voellig ausreichend sei.

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