Freitag, 22. Juni 2012

In Freiburg nichts Neues

Gestern traf sich Erzbischof Robert Zollitsch mit den Freiburger Priester-Momorandisten. Das Ergebnis ist eher ernüchternd. Auch für diejenigen, die schon vorher die Vermutung hatten, dass die Diskussion im Sand verläuft. Man ist der Meinung, dass etwas getan werden muss und verabredet sich für ein weiteres Gespräch im Herbst. Kennen wir schon von der Mannheimer "Dialog-Initiative" vom letzten Jahr.
Der Predigtgärtner wies schon auf die medialen Rollenverteilungen hin. In der WELT ist man der Meinung, dass die wahren Übeltäter die "Traditionalisten" sind - was das auch immer zu bedeuten hat:

" [...]Das traditionalistisch orientierte "Netzwerk katholischer Priester" tritt dann auch am heftigsten gegen die Freiburger Amtsbrüder auf. Deren Vorgehen verdunkele das Eintreten der Kirche für die unauflösliche Ehe, es trage Verwirrung und Spaltung in die Pfarreien und sei ein schwerwiegender Angriff gegen jene Ehegatten, die sich nach einer schmerzlichen Trennungserfahrung um ein Leben nach den Weisungen der Kirche bemühten, erklärte das Netzwerk in einem Aufruf an die Bischöfe, der der "Welt" vorliegt. Als "perfide" wird der Hinweis auf das Gebot der Barmherzigkeit bezeichnet.

Und dann nimmt die Priestergemeinschaft den Freiburger Erzbischof ins Visier. Es stelle sich die Frage, welche Rolle Zollitsch spiele. So habe doch einer der Memorandums-Initiatoren, Pfarrer Konrad Irslinger, gesagt: "Es ist uns allen bewusst, dass Zollitsch innerlich auf unserer Seite steht." Offen wird von dem Netzwerk die Glaubwürdigkeit des Erzbischofs angezweifelt. Er habe erst durch missverständliche Äußerungen dem "Vorpreschen" eines Teils seines Klerus Vorschub geleistet, nun zeige er sich empört, indem verlauten lasse, dass eine solche Positionierung "zum jetzigen Zeitpunkt kontraproduktiv" sei. "Was muss noch geschehen, damit man in Freiburg und anderswo erkennt, dass die Stunde eines Schismas geschlagen hat?"[...]"


"Perfide" ist übrigens auch der Handlungszwang, in den die Memorandisten Zollitsch hineinmanövriert haben, wie Theo Hipp zu berichten weiß:

"[...] Der Hinweis auf das Kirchenrecht in der Erklärung der Freiburger Seelsorger erweist sich aber als ein Schritt in die Sackgasse. Die Seelsorger bekennen, oft gegen das Kirchenrecht zu verstoßen durch die Zulassung Wiederverheirateter-Geschiedener zu den Sakramenten. Durch das Bekenntnis des Rechtsbruches bringen sie den Bischof in Handlungszwang. Er muß gegen einen öffentlich bekannten Rechtsbruch vorgehen oder er wird selbst rechtsbrüchig. Erzbischof Zollitsch hat die bestmögliche Lösung gewählt: Er hat mit den Initiatoren der Erklärung gesprochen und danach verlauten lassen: Wir werden gemeinsam nach einer Lösung suchen, die dem Evangelium und dem Kirchenrecht entspricht. Die von den Medien aufgebrachte Begrifflichkeit der Rebellion und der Revolution wurde von Bischof wie Initiatoren zu Recht gemeinsam verurteilt. Der angenommene Rechtsbruch – den ohnehin nur ein kirchliches Gericht letztendlich feststellen könnte – vermeidet aber zusätzlich, dass das eigentliche Thema mit seinen damit verbundenen Fragen in den Blick kommt. Weshalb sollte man auf ein Vergehen blicken, das schon bekannt und abgeurteilt ist? [...]"

Aber die öffentlichen Medien sind ja zur Zeit mit anderen Dingen beschäftigt:

„Um ihre Botschaft zu verbreiten, macht die Kirche in Polen auch vor der EM nicht halt.“, schreibt die TAZ, um dann zu berichten, dass sich die „Kirche in Polen“ erdreiste, tatsächlich „für aktive Sportler ein eigenes Gebetsbuch“ herauszugeben. Der Auftrag zur Verbreitung des katholischen Glaubens gerät der Autorin zur „Nachwuchswerbung“. Zugleich schreckt die Kirche im Ruhrgebiet nicht davor zurück, Kinder mit Lockvogelangeboten zu ködern.

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