Sonntag, 10. Juni 2012

Mit Homer Simpson gegen Arianismus, Nestorianismus und Monophysismus

Lese gerade an dem Buch "Theologie für Anfänger" von Frank Sheed (sehr gut geschrieben, hat also hohes Suchtpotential ;-). Im Kapitel über das Wesen Gottes greift er eine alte Frage aus dem Mittelalter wieder auf, die heute unter vielen Kritikern (die sich gegen den Begriff "mittelalterlich" natürlich wehren) als Fangfrage kursiert:

"Kann Gott einen Fels erschaffen, den er selbst nicht bewegen kann?"

Das klar Vertrackte an der ganzen Sache: Sagt man "Ja", dann gibt man damit zu, dass Gott nicht allmächtig ist. Wenn man dagegen mit "Nein" antwortet, dann würde das bedeuten, dass Gott wiederum nicht allmächtig wäre, weil es eine Ausnahme in seiner Allmacht gäbe.
Wie kann man das ganze auflösen? Zunächst muss man sagen, dass die Frage einen konstruierten Charakter hat. Der "Fels, den Gott zwar aus dem Nichts erschaffen hat, aber nicht einmal selbst bewegen kann" ist etwas Widersprüchliches in sich, de facto kann es so etwas in Wirklichkeit nicht geben. Wenn man Gott jetzt den Vorwurf machen würde, dass er keine Sachen erschaffen könne, die nicht nur in sich einen krassen Widerspruch, sondern auch damit nicht einmal eine feste Eigenschaft haben (Gott kann Fels aus Nichts erschaffen, ist aber seltsamerweise nicht in der Lage, mächtiger als dieser zu sein), dann zeugt das wahrscheinlich davon, dass man selbst mit bestimmten Sachverhalten und damit mit der objektiven Wirklichkeit nicht zurechtkommt. Wie sonst könnte man ein Dreieck mit vier Ecken fordern, wenn man sich selbst darunter nichts vorstellen kann, sogar ganz genau weiß, dass so etwas unmöglich existieren kann? Es handelt sich also um eine Frage, die sich selbst wiederum auflöst.

So eine ähnliche Frage fiel auch mal in einer Episode der "Simpsons". Homer will seinen evangelikalen Nachbarn ärgern und fragt ihn:

 "Hey Flanders, kann Jesus einen Burrito so heiß machen, dass er ihn selbst nicht mehr essen kann?"

Gute Frage. Denn anders als bei der vorangegangenen Frage gibt es zwei Möglichkeiten, da Jesus eine menschliche und eine göttliche Natur hat. Das darf man sich jedoch nicht so vorstellen, dass er zur einen Tageszeit mal Gott und dann wieder Mensch ist. Auch das Argument "zwar kann er durch seine "göttlichen Kräfte" (was das an dieser Stelle auch immer heißen mag) Essen erhitzen, aber sein menschlicher Körper ist zum Verzehr nicht in der Lage" trifft nicht wirklich zu. In den Evangelien fällt bei der Erzählung von der an Blutungen leidenden Frau, die sein Gewand berührt auf, dass er doch körperlich etwas merkt, wenn er die überraschten Apostel fragte, wer ihn berührt habe, weil er "eine Kraft von sich auströmen fühlte" (Mk 5,30). Da Berührungen und das Fühlen in diesem Fall eine Sache des physischen Körpers ist, muss es eine Verbindung in seinem Wesen zwischen dem (geistigen) göttlichen und dem (physisch) menschlichen Bereich geben. Dazu kommt noch der Konzilsbeschluss, dass die zwei Naturen Christi weder "getrennt" voneinander seien (denn das würde bedeuten, dass Jesus selbst wiederum aus zwei verschieden handelnden Personen besteht) noch mit einander "vermischt" sind (bei Vermischung würde das eventuell Defizite beider Naturen bedeuten, wie beim Kuchenbacken die Milch ihre flüssige und das Mehl seine feste Eigenschaft zugunsten des Teiges verliert).
An dieser Stelle kann man also - so simpel es sich auch anhört - folgern: Er kann es sich eigentlich aussuchen.
Belege gibt es dazu auch. Zum Beispiel bei dem Gang auf dem See Genezareth. Das Wunder bestand darin, dass er normalerweise nicht auf dem Wasser gehen kann, es nun aber tut. Wenn man auch davon ausgeht, dass er diese Macht nicht erst seit seiner Taufe im Jordan hat, wie es viele Gnostiker damals darstellten, sondern schon seit seiner Geburt und sogar schon davor hatte, dann muss er die Möglichkeit haben, diese Macht zu gebrauchen oder sich zurückzuhalten. Wochentags also lieber schwimmen und mit dem Boot fahren und nur wenn es darauf ankommt, auf dem Wasser gehen. Er hätte auch die Kreuzigung so gesehen überleben können, aber er hat sich selbst aus Gehorsam zurückgenommen.

Homer muss sich also mit der Antwort "Kann er sich aussuchen, musst ihn also schon selber fragen" zufrieden geben.


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