Donnerstag, 14. Juni 2012

"Pfaffen sind ungebildet!" Eine Apologie aus Polen

Gefunden bei Sponsa Agni, sie wiederum fand es bei Priesterforum.de:

Ein französischer Geschichteprofessor schmückte oft seine Vorlesungen, die mit den kirchlichen Geschehnissen zu tun hatten, mit priesterfeindlichen Anmerkungen,
z. B.: „Priester taugen nichts!", „Die Pfaffen sind doch blöd und ungebildet!", „Die Pfarrer haben sich nie mit der Kunst und Wissenschaft ausgekannt, sondern lieber das einfache, unwissende ‚Plebs' bevorzugt", „die Pfaffen haben nie das Moderne, sondern immer das Alte und Rückschrittliche gemocht", usw.
Doch, eines schönen Tages wurde der moderne und aufgeklärte Professor von einem jungen Student mit einigen Fragen ziemlich überrascht...

- Sehr geehrter Herr Professor, seien Sie bitte so nett und befreien Sie mich von meinen Zweifeln, die mich während ihrer Vorlesungen immer intensiver bedrängen...
- Warum nicht mein Freund, sehr gerne! Ich bin immer bereit meinen Studenten zu helfen. Um was geht es Ihnen konkret?
- Verzeihen Sie mir bitte, meine Ignoranz. Ich hätte bloß einige und ganz einfache Fragen. Herr Professor, wer hat für uns die großen Werke der Klassiker aufbewahrt und sie den nächsten Generationen weitergegeben?
- Das waren die Mönche, die diese Werke geduldig abgeschrieben und vervielfältigt haben.
- Was!? Die Mönche???
- Ja, die Mönche – vor allem die Benediktiner.
- Ach, die muffigen Mönche haben es getan... sie haben die alten Meisterwerke und Indexe vervielfacht und sie für uns unversehrt aufbewahrt - unglaublich. Erstaunlich ist es, dass die einfachen Mönche haben schon damals schreiben können, wo sich sogar die Regierenden oft nicht einmal unterschreiben konnten? 
- Ja, das stimmt – sie haben nicht selten sehr schön und künstlerisch das Schreiben beherrscht, herrliche Schrift, bilderhaften Buchstaben – es sind heute echte Meisterwerke.
- Unglaublich, dass es solche hochrangige Kunst in den finsteren, rückschrittlichen Klöster möglich war... Herr Professor noch eine Frage: Ist es wahr, dass wir ohne diese komischen Mönche weder den Christopher Columbus noch Vasco da Gama hätten? Ich habe nämlich gelesen, dass ein Mönch, Fra Mauro, bereits im Jahr 1450 eine geographische Karte gezeichnet hat, die dann Columbus auf dem Weg der Amerikaentdeckung benutzt hatte?
- Ja, das stimmt allerdings, obwohl na ja, so eine Karte konnte damals auch ein anderer Mensch zeichnen, nicht unbedingt die Geistlichen.
- Das ist ja Verständlich, Herr Professor! Sicher nicht nur die Pfaffen hatten damals solche Ideen. Und... ist es wahr, dass irgendeiner Papst die römischen Zahlen in der Mathematik mit den arabischen Ziffern ersetzt hat?
- Ja, auch das stimmt. Diese revolutionäre Veränderung verdanken wir dem Papst Silvester II. Aber wissen Sie, das konnte auch jemand anderer machen, doch die Päpste haben sich damals immer in die wichtigsten wissenschaftlichen Dinge eingemischt und wollten den neuesten Stand der Lehre und Forschung erfahren.
- Alte Bücher sprechen davon, dass die Priester auch das erste Teleskop und das erste Fernglas erfunden haben, aber mir scheint es weit übertrieben.
- Nein, es ist nicht übertrieben mein Freund. Das stimmt! Es war ein Franziskanerpater Roger Bacon.
- Echt? Das ist doch unglaublich, wann lebte er eigentlich?
- Er starb im Jahr 1294.
- Echt krass! Schon damals in den „dunklen Jahrhunderten", in dem rückschrittlichen Mittelalter war er so fortschrittlich und aufgeklärt? Wahnsinn...
- Herr Professor, sagen Sie bloß nicht, dass auch ein Priester als erster Astronom der Welt festgestellt hat, dass die Erde sich um die Sonne dreht und nicht umgekehrt?
- Auch jetzt muss ich es bestätigen. Es war ein Domkapitular aus Thorn in Polen – Nicolaus Copernicus.
- Entschuldigen Sie, Herr Professor noch eine Frage, die mir keine Ruhe gibt. Wieso nennt man das Jahrhundert der größten Entwicklung der Wissenschaft, der Literatur und der Kunst, als goldenes Jahrhundert des Leo X.?
- Na ja, wissen Sie, weil dieser Papst ein großer Schirmherr der Wissenschaftler, Schriftsteller und der Künstler war.
- Was? Ein Papst hat sich für die Entwicklung der Wissenschaft eingesetzt? Die sind doch im Vatikan von der Welt so abgegrenzt! Die haben, laut Ihrer Meinung, keine Ahnung!
- Ich habe den Eindruck, dass sie meine Antworten ironisieren!?
- Ach wo, Herr Professor! Ich staune bloß! Ich würde gerne die rückschrittlichen Pfaffen in eine dunkle Schublade stecken, aber die Zweifel brennen in mir immer noch. Könnten sie mir auch bestätigen, dass die ersten kostenfreien Schulen ein gewisser de la Salle gegründet hat?
- Ja, auch das stimmt. Diese Schulen hat der Franzose de la Salle gegründet.
- Also wieder ein Priester?
- Ja, auch er war ein Priester.
- Sagen Sie nur nicht, Herr Professor, dass der erste Mensch, der sich mit den Gehörlosen beschäftigt hat, war auch ein Geistlicher?
- Doch, es war ein Benediktinermönch aus Spanien Pedro de Ponce und sein Werk hat dann de l'Epée fortgesetzt.
- Seien Sie auf mich nicht sauer, Herr Professor, aber ich bin doch nicht schuldig, dass die unbeliebten Pfaffen aus der Geschichte mir keine Ruhe geben. Ich habe vor kurzem gelesen, dass Bertold Schwarz, der ja ein Mönch war, das Schießpulver erfunden hat, ein anderer Mönch Guido d'Arezzo führte zum ersten mal in die Musik die Notation auf vier Linien, die Tonskala, das Hexahordsystem und die Solmisation ein. Gewisser Mönch Tegeruss aus Bayern um das Jahr 1000 Präkursor der Glasmalerei war. Der Jesuit Cavalieri erfand die Polychromie, und sein Mitbruder Secchi die spektrale Analyse...
- Es reicht schon! Was soll das? Donnerwetter!!!
- Verzeihung, aber es wurde auch bewiesen, dass den Blitzableiter nicht Franklin, sondern bereits im Jahr 1754 ein tschechischer Regularkanoniker und Prämonstratenser Prokop Diviš erfunden hat. Darüber schreibt sogar der Kürschner in seinem Lexikon...
- Schweige! Du Plappermaul! Kein Wort mehr!
- Moment! Haben Sie etwas von Kardinal Mezzofanti gehört? Er gilt als eines der größten Sprachgenies der Geschichte. Er soll 57 Sprachen verstanden und 38 davon gesprochen haben. Mezzofanti ist seitdem die Bezeichnung für einen polyglotten Menschen.
- O du Obskurant! – Hör endlich auf!
 - O nein, Herr Professor!Professor! Der größte Obskurant war doch der berühmteste Paläograph des XIX. Jahrhunderts Kardinal Mur.
- Was für ein Blödsinn! Verschwinden sie!
- Kein Problem, Herr Professor! Nur in welche Richtung soll ich weggehen? Vielleicht hilf mir dabei der Diakon Flavio Gioia, der Erfinder des Kompasses im XIV. Jahrhundert?
- Sie sind verrückt, sie haben Fieber – sie glühen!
- Nicht nur das Glühen, sondern ein riesiges Feuer gibt in mir, aber das ist doch überhaupt kein Problem, denn die ersten Feuerspritzen haben die Zisterziensermönche erfunden und die Franziskaner waren in Paris bis zum XVII. Jahrhundert die einzigen Feuermänner der Stadt.
- Wenn du gleich nicht schweigst, dann fliegst du raus!
- Gerne, dann aber mit einem Luftballon, dessen Erfinder im Jahre 1720 ein Mönch Berthold Gussmann war, und das auf 60 Jahre vor den Brüder Montgolfier...
- Herr Professor, was suchen sie so fieberhaft? – Wahrscheinlich die Brille? – Das ist auch eine Erfindung der Pfaffen. Es war im XIII. Jahrhundert der Dominikanerpater Alexander Spina... Herr Professor sind Sie in Eile, dass Sie so oft auf die Uhr schauen? – Die Uhr ist leider auch eine priesterliche Erfindung: die erste Uhr hat bereits der kirchliche Chronist Cassiodor um das Jahr 505 erfunden, die dann durch Pater Gerbert, den späteren Papst Silvester II., modernisiert und verbessert wurde. Die erste astronomische Uhr hat der Abt Richard von Wallingford im Jahre 1316 konstruiert...
Jetzt aber gehe ich schon, denn es wird dunkel und die historischen Gaslampen in der Altstadt leuchten bereits. Sie wissen sicherlich, Herr Professor, dass die ersten Gaslampen im Jahr 1794 die Jesuiten erfunden und in der Stadt Stonyhurst in England zum ersten Mal entzündet haben. Im Jahr 1815 hat der Jesuit Dunn in Preston die erste Gasgesellschaft gegründet... Nun mache ich wirklich Schluss! Verzeihen Sie mir bitte meine Zweifel...
Ach sowas, Sie benutzen ein Fahrrad? Es wurde auch durch einen Priester, den Pfarrer Pinaton erfunden, der bereits im Jahre 1845 mit einem Zweirad gefahren ist...
Entschuldigen Sie bitte, Herr Professor, mein Verhalten...
Aber die Wahrheit gewinnt immer.
Ich möchte gerne auch so ein Rückschrittler werden, wie die Priester... Schönen Abend. Aufwiedersehen!

(Aus dem Polnischen übertragen von Pfarrer Dr. Artur Zuk)


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