Donnerstag, 14. Juni 2012

Schisma in Freiburg?

Wollte mich heute eigentlich mit anderen Dingen beschäftigen. Bis bei kath.net eine neue Meldung über das Memorandum der Freiburger Priester reinkam. Na klasse, schon wieder. Das Netzwerk katholischer Priester beklagt die unzureichende Reaktion von Seiten des Ordinariates auf das Memorandum, auf der anderen Seite versucht man nach der letzten Ermahnung Erzbischof Zollitsch auf die eigene Seite zu ziehen und sich weiter auf vergangene Entwicklungen zu berufen, damit man nicht wirklich als "Spalter" innerhalb der Kirche dasteht:


"[...] Einer der Initiatoren der Erklärung, der Freiburger Pfarrer Konrad Irslinger, glaubt um die Zwickmühle zu wissen, in der der Erzbischof sich befindet. "Es ist uns allen bewusst, dass Zollitsch innerlich auf unserer Seite ist", sagte er in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. Aber die Erzdiözese könne keine "generelle und undifferenzierte Praxis billigen, die eigenmächtig gegen die Vorgaben der Weltkirche verstößt", schreibt Keck in einem insgesamt milde gehaltenen Schreiben.
Der Papst hatte beim Weltfamilientreffen in Mailand Anfang Juni noch einmal deutlich gemacht, dass für wiederverheiratete Geschiedene Abendmahl, Beichte und Absolution nicht in Frage kommen. Auch bei einigen deutschen Bischöfen und Kardinälen hatte sich Zollitsch bereits eine Abfuhr bei diesem Thema geholt. Die Lage scheint verfahren.
"Wir haben uns geoutet, denn wir leiden an dieser Situation", sagt Pfarrer Irslinger. In den Gemeinden der Unterzeichner gehen wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion und empfangen das Bußsakrament und die Krankensalbung. "Aber was wir tun, ist nicht erlaubt, und wir können diesen Spagat nicht mehr halten", betont er. Die Pfarrer befinden sich somit in einem Gewissenskonflikt zwischen Barmherzigkeit und Kirchenrecht.
Christian Weisner von der Kirchenreformbewegung "Wir sind Kirche" befürchtet, dass das Thema "Geschiedene Wiederverheiratete " die Kirche in Deutschland vor eine ähnliche Zerreißprobe stellen wird, wie damals das Nein Roms zur Schwangerschaftskonfliktberatung. Weisner zitiert Zahlen des Ordinariats München, wonach 40 Prozent der Paare, die sich dort standesamtlich trauen lassen, der kirchliche Segen verwehrt bleibt, weil ein Partner zuvor bereits verheiratet war. "Nicht der Ungehorsam der Priester ist der Skandal, sondern die Untätigkeit der Oberhirten", kritisiert er.
Das Thema schwelt seit Jahrzehnten und wurde bereits bei der Würzburger Synode 1975 angesprochen. Auch Zollitschs Vorgänger, Oskar Saier, hat bereits versucht, hier Fortschritte zu erzielen. Der Freiburger Pfarrer Irslinger weiß, dass mit einem schnellen Erfolg nach der Erklärung nicht zu rechnen ist. "Das ist nur ein Baustein dafür, dass endlich einmal etwas geschieht." Und er wünscht sich, dass die Freiburger Aktion Vorbildfunktion bekommt für andere. Im Südwesten jedenfalls gibt es bereits weitere Bestrebungen, die Strukturen aufzubrechen. Die Aktionsgemeinschaft Rottenburg - eine Gruppe von Priestern und Diakonen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart - verfolgt die gleichen Ziele."

Was soll man an dieser Stelle machen?

[Blogger wendet sich geistig vom Leser ab und imaginativ dem Ordinariat zu]

Liebes Ordinariat, (die nächsten Rhetorische Ausfälle darf ich mir erlauben. Ich wohne nämlich in der Erzdiözese Freiburg)
es darf doch wohl nicht wahr sein, dass sich kirchentreue Priester extra in einem Netzwerk zusammenschließen müssen, damit sie von ihren eigenen Vorstehern gehört werden können?! Kann ja sein, dass eine Menge Bauernfänger mit ihrem medialen Anhang durch die kirchliche Gegend zieht, dennoch hat das Ordinariat als diözesane Oberhoheit gerade jetzt das Recht und vor allem die Pflicht, vor Fehlentwicklungen und überzogene Polemiken zu warnen und auch gegen solche Typen einzuschreiten, die drohen, den eigenen Laden durcheinanderbringen. Vor allem auch eine stärkere Distanz zu "Wir sind Kirche" ist erforderlich, die sich jedes Mal auf Veranstaltungen und Demonstrationen als Deutungsherrin gebiert und ahnungslose Laien da mit rein zieht. Dass sich die ganze Diskussion jetzt neben Memorandisten und Ordinariat jetzt auch notfalls auf ein unabhängiges Netzwerk verlagern muss, damit die Diskussion nicht im Sand verläuft, zeugt nicht gerade von einem guten Krisenmanagement. Selbst in Italien zerreißt man sich schon das Maul über die Zustände bei uns. Also ran an die Sache, Profil zeigen und keine Angst haben, das Lehramt zu vertreten!

Wie, erstmal langsam an die Sache herangehen und Zeit lassen?
Na gut, eine kleine Pause für akustische Kaffee lasse ich euch:


Und jetzt:
ZACK ZACK, RAN AN DIE ARBEIT!
(wofür zahlen wir denn sonst Kirchensteuer?)


Hochachtungsvoll, 
euer Freund Richelieu88

Kommentare:

  1. Der Papst hatte beim Weltfamilientreffen in Mailand Anfang Juni noch einmal deutlich gemacht, dass für wiederverheiratete Geschiedene Abendmahl, Beichte und Absolution nicht in Frage kommen.

    Ich will hoffen, daßd er Journalist ein Protestant ist und nicht hier der Priester wörtlich zitiert wird. Denn der Papst hat sicher von der Eucharistie gesprochen, denn Abendmahl feiern wir nur einmal im Jahr am Gründonnerstag.

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    1. Da hast du recht. Habe glatt vergessen, das mit einem [sic!] zu kennzeichnen...

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  2. my 2 cents: http://invenimus.blogspot.de/2012/06/freiburger-narren.html

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    1. Zur Kenntnis genommen und herzlichst gedankt!

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  3. Wenn man dann aber auf der Nachrichtenseite des Domradios zum Thema genau das Wort "Abendmahl" liest
    www.domradio.de/news/artikel_82430.html
    kommt man schon ins Grübeln....
    und was die Freiburger angeht, liegt das einfach an den Drogen, die die Grüne Regierung ins Trinkwasser kippt, um das Wahlvolk "happy" zu machen. Eine andere Erklärung gibt es für BW nicht mehr ..

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    1. Na ja, die Situation ist schon einigermaßen normal bei uns in der Gegend (Dekanat Bruchsal, da hat sogar der Dekan beim Memorandum persönlich unterschrieben). Erst Richtung Speyer und Elsaß wird es wieder einigermaßen normal (lustig, denn unser Landesteil gehörte ja eigentlich bis zur Säkularisation zum Bistum Speyer). Ich habe mir auch tatsächlich überlegt, in dem Posting statt dem "Benzin"-Clip das Rammstein-Musikvideo "Ich tu dir weh" aufzunehmen. Denn anders kann man das inzwischen nicht mehr beschreiben, wie man diesen Blödsinn wahrnehmen kann.

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