Montag, 4. Juni 2012

Von islamischen Menschenrechten und iranischen Killerspielen

Eran Yardeni auf der Achse des Guten über den Unterschied zwischen der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" (AEMR) und der "Allgemeinen Erklräung der Menschenrechte im Islam" (AEMRI) - Das ist jetzt kein Witz, das gibt es wirklich.


"[...]Schon mit dem ersten Satz („Im Namen Gottes, des Erbarmers und des Barmherzigen“) distanzieren sich die Entwerfer der AEMRI von dem Geist der AEMR. Diese Abweichung darf nicht als rhetorisches Stilmittel verstanden werden sondern eher als eindeutige Anerkennung Gottes (besser gesagt – Gott, wie er im Rahmen der islamischen Religion und Tradition verstanden wird) als die höchste moralische Instanz. Das steht im direkten Gegensatz zu der Grundeinstellung der AEMR, die das Individuum, wie dieser Begriff sich in dem westlichen, philosophischen Denken der letzten Jahrhunderten kristallisierte, als der moralische Kompass des Diskurses über Menschenrechte betrachtete. Über das Individuum der AEMR wissen wir, dass es „frei und gleich an Würde und Rechte geboren“ und „mit Vernunft und Gewissen begabt“ ist (Artikel 1). Die Verknüpfung von Vernunft und Moral ist alles anders als willkürlich, und lehnt sich an die Leitidee der kantischen Ethik an, die, wie kaum eine andere, den westlichen moralischen Diskurs prägte. Von dieser Grundeinstellung leiten sich alle Artikel der AEMR ab.

Zum Ausdruck kommt dieser konzeptuelle Unterschied in dem Vergleich des 3. Artikels der AEMR mit dem 1. Artikel der AEMRI. Nach dem Ersteren „hat Jeder das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person“. Die AEMRI Version dieses Artikels (1a) klingt ziemlich anders:
„Das Leben des Menschen ist geheiligt. Niemand darf es verletzen: »Wenn einer jemanden tötet, (und zwar) nicht (etwa zur Rache) für jemand (anders, der von diesem getötet wurde) oder (zur Strafe für) Unheil (das er) auf der Erde (angerichtet hat), so soll es so sein, als ob er die Menschen alle getötet hätte, und wenn einer jemanden am Leben erhält, soll es so sein, als ob er die Menschen alle am Leben erhalten hätte« (Koran 5, 32). Diese Heiligkeit kann nur durch die Macht der Sarî’a und durch die von ihr zugestandenen Verfahrensweisen angetastet werden.“[...]"

"[...] Vielleicht war das der Grund für die neue Initiative der Liga der arabischen Staaten, vielleicht liegt die Motivation woanders, eins ist aber sicher: Am 15.9.1994 gebar die islamische arabische Welt noch eine Erklärung der Menschenrechte. Das neue Kind bekam auch einen neuen Namen: „Arabische Charta der Menschenrechte“ (ACMR). Die ACMR an sich, wenn man nur ihre 43 Artikel liest ist angeblich ein säkularstes, bürgerliches Dokument. Dieses Dokument leidet aber doch an zwei akuten konzeptuellen Problemen. Schon in der Präambel bekräftigen die Entwerfer der ACMR sowohl die AEMR (Uno 1948) als auch die KEMRI (1990). Dass diese beiden Erklärungen sich im Geiste und auch in vielen konkreten Punkten widersprechen, haben wir schon gesehen. Deshalb ist diese Aussage ziemlich skurril und entspringt höchstwahrscheinlich entweder einem Missverständnis oder einer Selbsttäuschung.
Das zweite Problem liegt in der politischen Tendenz der Erklärung. Schon in der Präambel lehnen die Entwerfer den Rassismus und den Zionismus, „die gegen die Menschenrechte verstoßen und eine Bedrohung des Weltfriedens darstellen“. Man darf nicht vergessen vor welchem politischen Hintergrund die ACMR verabschiedet wurde: Ein Jahr bevor hat Jassir Arafat Israel schon offiziell anerkannt, was er inoffiziell schon vorher machte. Trotzdem wird in der ACMR der Zionismus mit Rassismus gleichgesetzt. In dem Artikel 1b wird der Ton sogar schärfer: Nach diesem Artikel soll der Zionismus beseitigt werden. Diese Tendenz geht weiter und in dem 4. Artikel wird auch „das Recht auf Rückkehr in das eigene Land“ garantiert. In der bearbeiteten Version der ACMR (2004) wurde auf das Recht der Rückkehr verzichtet, der Zionismus bleibt weiter ein Hindernis für die Weltfrieden und soll beseitigt werden. Auch diese letzte Version sah sowohl die ARMR als auch die KEMRI als ihre konzeptuelle Basis.

In einem Zeitraum von ca. 25 Jahren produzierte die islamische Welt vier Erklärungen der Menschenrechte. Diese verblüffende Anzahl entlarvt vor allem die Verlegenheit, auf die die islamische Welt stößt, immer wenn sie sich gezwungen sieht, sich mit den rückständigen Aspekten ihrer eignen Tradition konfrontieren zu müssen. Erklärungen an sich verlieren an Bedeutung, solange sie von dem richtigen Zeitgeist nicht begleitet sind. Wo mehr Erklärungen als Menschenrechte zu finden sind, da läuft etwas schief. "


Dr. Wahied Wahdat-Hagh berichtet auf dem gleichen Blog von einer etwas anderen Art von Agressionsaufbau Agressionsumgang im Iran.

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