Montag, 16. Juli 2012

"Christen auf die Schutzliste" von Hannes Stein

Gefunden in der "Jüdischen Allgemeinen" (Nr. 27, "15 Tamus 5772". 67. Jahrgang) unter der Rubrik "Einspruch":

"Hannes Stein will nicht nur die Geburtskirche in Bethlehem als UNESCO-Weltkulturerbe erhalten.

Die meisten palästinensischen Christen, deren Familien oft viele Jahrhunderte lang in Bethlehem gelebt hatten, haben die Geburtsstadt Jesu längst verlassen. Der offizielle Grund, den die Palästinensische Autonomiebehörde dafür nennt: Die christlichen Palästinenser seien vor der israelischen Besatzung geflohen. Das ist natürlich Quatsch. De facto und de jure wird Bethlehem längst nicht mehr von den Israelis kontrolliert. Die Christen laufen vor ihren muslimischen Nachbarn davon.
Bethlehems Christen sind nur ein kleiner Teil jener Tragödie, die sich dieser Tage vor unseren Augen im Nahen Osten abspielt: Von Kairo bis Bagdad werden die arabischen Christen weggeekelt, verjagt, oft genug auch totgeschlagen. Vor diesem Hintergrund muss man die Entscheidung der Kulturorganisation der Vereinten Nationen, der UNESCO, betrachten, die Geburtskirche in Bethlehem offiziell als Teil des Weltkulturerbes anzuerkennen - und zwar für ein Noch-Nicht-Staat namens Palästina.
Die Amerikaner und Israelis sind darüber erbost, allerdings aus diplomatischen Gründen. Aber sehen wir doch einmal das Positive: Jetzt müssen die christlichen Araber nur noch erreichen, dass die UNESCO auch sie zum Weltkulturerbe erklärt, und schon finden die Pogrome ein Ende. Schließlich steht nirgendwo geschrieben, dass nur ehrwürdige Gemäuer geschützt werden dürfen. Einen Haken hat die Sache allerdings. Niemand weiß, wer den künftigen Staat Palästina überhaupt regieren wird - die demokratisch nicht legitimierte Gruppe von Mahmud Abbas, die Herren von der Hamas oder die Jungs vom Islamischen Dschihad? Und denken wir daran, was gerade im fernen Timbuktu passiert, wo islamische Milizen Amok laufen und schöne alte Gräber von (übrigens: muslimischen) Heiligen verwüsten. Die UNESCO kann nur danebenstehen und schwach mit dem Zeigefinger drohen. Man muss befürchten: Im Fall eines Falles wird es weder der Geburtskirche in Bethlehem noch den dort betenden arabischen Christen nützen, dass die Autonomiebehörde sie einst für kulturell wertvoll hielt."


[Update: Über die Achse des Guten kam ich zufällig auf ein Blog, das sich mit dem Thema "Apartheit im Nahen Osten" bildlich auseinandergesetzt hat.]

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