Donnerstag, 19. Juli 2012

Hl. Macarius: Was eine Ermahnung bewirken kann

In der Reclam-Ausgabe der Legenda Aurea habe ich diese schöne Geschichte gefunden:

Der Abt Macarius sah, wie der Satan in der Gestalt eines Menschen an ihm vorbeiging. Er trug ein zerrissenes Kleid aus Leinen, und aus allen Öffnungen hingen Flaschen heraus. Da fragte ihn Macarius: "Wohin gehst du?" Der Teufel antwortete: "Ich gehe, um den Brüdern zu trinken zu geben." Darauf Macarius: "Warum nimmst du so viele Flaschen mit?" Der Teufel erwiderte: "Ich bringe sie den Brüdern zum Probieren, und wenn einem die eine Flasche nicht zusagt, dann werde ich ihm eine zweite und dritte anbieten und so weiter, bis ihm irgendeine gefällt." Als er zurückkam, wurde er von Macarius gefragt: "Was hast du nun ausgerichtet?" Der Teufel erwiderte: "Sie sind alle heilig geworden, und keiner ist mit mir zufrieden gewesen außer einem mit dem namen Theotistus." Da machte sich Macarius auf und ging zu Theotistus. Er fand den vom Teufel in Versuchung geführten Bruder und brachte ihn mit mahnenden Worten wieder auf den rechten Weg. Danach begegnete Macarius dem Teufel zum zweiten Mal und fragte ihn: "Wohin gehst du?" Der Teufel antwortete: "Ich gehe zu den Brüdern." Als er zurückkam, ging ihm der alte Mann entgegen und fragte: "Was machen die Brüder?" Darauf der Teufel: "Es steht schlecht um sie." - "Warum?", fragte Macarius. "Weil sie alle heilig sind, und was das größte Übel ist, ich habe den einen, den ich bereits besaß, verloren, und der ist noch heiliger als die anderen geworden." Als der alte das hörte, dankte er Gott.



Die Geschichte von den Flaschen des Teufels wurde im 19. Jh. von E.T.A. Hoffmann nochmals aufgegriffen und  für seinen Schauerroman "Die Elixiere des Teufels" weiterverarbeitet.

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