Sonntag, 8. Juli 2012

Schummeleien in der Evolutionstheorie? Ein Pferdeliebhaber geht der Sache nach

Predigtgärtner hat auf seinem Blog einen kritischen Artikel darüber verfasst, dass die Evolutionstheorie nicht hinterfragt werden dürfe. Wer es trotzdem tut, wird geistig nicht mehr ernst genommen, obwohl es die ein oder anderen "Schwachstellen" in der Evolutionstheorie gäbe.
Dass dies jedoch nicht bedeutet, dass gleichzeitig die Theorie an sich nun widerlegt sei, zeigt sophophilo auf seinem Blog Invenimus Messiam. Er kritisiert vor allem das Video mit Harun Yahya, der vor allem neben seiner gelegentlichen islamistischen Spinnereien auch für seinen Antisemitismus bekannt ist.

Auch die anderen Quellen sind meiner Meinung nach nicht gerade koscher. Neben dem Video, das Fosilien von ausgestorbenen Arten , aus denen sich nachweislich neue mittels Mutation und Selektion durch die Umweltbedingungen bildeten, völlig ausblendet, stammen die übrigen Berichte nicht von kritischen Wissenschaftlern, sondern von einer gegenteiligen Fraktion, die zusammen mit dem Urknall einen Beginn des Universums ablehnen (vgl. den Link http://www.zeit.de/2004/28/Urknall). Bei den 40 Fragen an Evolutionisten wird eigentlich schon in der ersten Frage eine genauere Definition von "Makroevolution" mit dem Ausblenden von Fragen, mit denen sich Evolutionsbiologen noch heute beschäftigen, ins Nebulöse geführt. Wie eine "Evolution der Metamorphose" (Beispiel: Schmetterlinge) ausgesehen hat, das ist schon schwierig zu erklären, vor allem weil man sie die letzten Millionen Jahre nicht mit der Kamera beobachten konnte. Auch der Flügel, der sich zunehmend beim Reptil bildet, muss nicht unbedingt ein "verkrüppeltes Bein" sein, das der Beschreibung nach dem Tier auf längere Zeit schadet. Für eine solche Makroevoltuion im positiven Sinne lässt sich an dieser Stelle besonders die Entwicklung des Pferdes nennen.



Das "Urpferd" hatte vor 58 Mio. Jahren nur die Größe eine heutigen Hundes. Es besaß vier Zehen mit einer Art "Hauptzeh". Im Laufe der Zeit siedelt es von Wald in seinen neuen Lebensraum, der Steppe um. Durch Mutation und Selektion durch Umweltbedingungen (nach Charles Darwin), hier positiv durch eine hohe Körpergröße (gute Sicht wegen Feinden) und weniger störende Zehen für eine schnellere Fortbewegung (Flucht vor Feinden, Pferde sind ja eher Fluchttiere), entsteht im Laufe der Zeit das Pferd, das wir heute kennen: Stattliche Körpergröße mit jeweils einem Huf am Bein, der früher mal der Hauptzeh gewesen ist. Auch heute noch bilden sich manchmal bei Fohlen "Nebenzehen" heraus, die von den Züchtern entfernt werden, obwohl diese auf natürliche Weise mit dem Bein verwachsen. In Sachen Körpergröße kann man bei der Züchtung ebenfalls eine Art "Turbo-Evolution" beobachten. Waren zur Zeit der Römer die Pferde wesentlich kleiner, so wurden sie mit der Zeit durch beabsichtigte Mischung ausgewählter Sorten innerhalb von Jahrhunderten größer. Und auch auch ungewöhnlich kräftiger. Züchtungen können aber nur durch bestimmte Merkmale, die weitervererbt werden können, hervorgerufen werden. Und diese sind auch schon vor der jeweiligen Zucht durch den Menschen in Tieren und Pflanzen vorhanden.
Und dort setzt auch der Evolutionsgedanke Darwins ("On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life") an, nur dass er eine "Zucht" vor der menschlich gewollten Zucht vermutet durch das Vergleichen verschiedenster Fossilien und Tierarten. Die Merkmale entstehen wiederum durch "Mutation", also durch eine spontane Änderung des Erbgutes während der Entwicklung des Lebewesens nach Verschmelzen von Ei- und Samenzellen, die verschiedenes DNS-Gut in sich tragen und dies nun miteinander mischen müssen. So gesehen ist das Leben doch ein Ponyhof. 

Muss es jetzt bedeuten, dass Evolution und Urknall Gott ersetzen können, wie der Evolutionsbiologe Richard Dawkins uns so gerne vorhält. Nicht wirklich. Es wird zwar auf bestimmte Vorgänge hingewiesen; dennoch bleibt uns der letzte Grund, der dahinter steht, verborgen. Wir sehen zwar physikalische (Urknall) und biologische Entwicklungen (Evolution), dennoch können wir nicht erklären, wie es sein konnte, dass ein einziger Knall ein ganzes Universum auslöst oder aus unbelebten Stoffen plötzlich Lebewesen, die letztendlich auch zu rationalem Denken und vor allem zur Liebe fähig sind. Schon der Kirchenvater Hieronymus und Thomas von Aquin haben darauf hingewiesen, dass der Genesisbericht nicht biologisch-historische Tatsache sein will. Es kann nach Beobachtungen in der Natur auch anders gekommen sein. Denn wenn Gott ein ganzes Universum aus dem Nichts erschaffen kann, warum sollte er dann nicht aus einer einzigen Zelle eine ganze Flora und Fauna, aus einem Fisch eine unglaubliche Anzahl von Lebewesen und aus einem Primaten nicht sein auserwähltes Volk schaffen. 
Der Herr hat doch selbst einmal sarkastisch angemerkt, dass Gott selbst aus den Steinen sich ein besseres Volk hätte schaffen können...


Kommentare:

  1. Es wär ma fein, wenn du die Stellen bei Hieronymus und Tommi angeben könntest, damit man die in Gesprächen auch mal zitieren kann. :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Habe die Koordinaten bei Hieronymus nicht präsent, Thomas werde ich demnächst in meiner Serie über Evolution und Schöpfung noch behandeln (wozu ich die entsprechenden Stellen noch wiederfinden muss). Empfehlenswert ist als Ganzes ein Werk von Augustinus: "De Genesi ad Litteram" ("Über den Woretlaut der Genesis").

      Löschen
    2. Habe bemerkt, dass sophophilo die Frage bereits beantwortet hat. Konnte das Buch leider nicht mehr finden, in dem ich die eine Stelle fand :(

      Löschen
  2. Schöner Post! (Erst jetzt gefunden...) Deine Beschreibung von Mutationen ist leider nicht korrekt (kann es sein, dass du hier Mutation und Rekombination vermischt hast?), aber das Beispiel vom Pferd ist gut gewählt ;). Ich habe kürzlich erklärt, mit meiner kleinen Serie keinen Biounterricht machen zu wollen und daher auf einschlägige Wiki-Artikel verlinkt. Vielleicht werde ich aber dennoch den ein oder andern Exkurs machen und Evolution konkret an Beispielen etwas genauer veranschaulichen...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Sollte eigentlich das Thema nur kurz streifen, daher habe ich wohl beides unter "Mutation" zusammengefasst. Vielen Dank für den Hinweis!

      Löschen