Sonntag, 1. Juli 2012

Vorsicht Barock! Schloss Bruchsal

Hier einige Impressionen aus Bruchsal, unseren nächstgrößten Stadt in der Gegend.

Das Schloss wurde von 1720 bis 1736 unter Fürstbischof Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim als Ersatz für die im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstörte Bischofspfalz in Speyer erbaut. Auch war die gesellschaftliche Lage in Bruchsal entspannter als in Speyer. geplant wurde der Dreiflügel-Komplex von Maximilian von Welsch, bei einer späteren Komplikation sprang sogar Balthasar Neumann ein, der auch die Bruchsaler Pfarrkirche St. Peter erbaut hat. 1945 wurde das Schloss zerstört, nach einigen Jahren aber professionell wiederaufgebaut.

Den Rest erklärt Seine Eminenz selbst...

Blick von der Stadtseite (Amtsgericht, ebenfalls zur Schlossanlage gehörig).

Kleine Wappenkunde: Das "Eiserne Kreuz" im Hintergrund zeichnete den Fürstbischof als Mitglied des Deutschen Ordens aus.

Was man nicht hat, das wird gemalt: Illusionsmalerei an der Fassade des Schlosses.

Die Eingangshalle, ...

... daneben die "Grotte" ...

mit wunderschönen barocken Spielereien.

Über die Treppe, die Balthasar Neumann wegen einer Fehlkonstruktion neu entwerfen musste, ...

... gelangt man schließlich zum großen Deckengemälde.

Hier ein Ausschnitt mit dem Fürstbischof und einem Bauplan. Die leicht verschwommene Person links vom Bischof in der blauen Uniform mit den weißen Streifen ist Balthasar Neumann.

Auch sehr schön: Der "Wintergarten"...

... mit verschiedenen Vogelmotiven.

Neben einem Heimatmuseum beherbergt das Schloss außerdem das Deutsche Musikautomaten-Museum.

Das berühmteste Exponat ist die sogenannte "Titanic-Orgel". Die mechanische Orgel wurde in Freiburg/Breisgau gebaut, wurde aber zu spät ausgeliefert. Das erklärt, warum sie uns bis heute erhalten ist.

Die Schlosskirche nimmt im Gesamtkomplex einen ganzen Nebenflügel für sich in Anspruch. Bild vom Zustand vor der Zerstörung.

Über den heutigen Zustand verlieren wir besser kein Wort. Die einzig erträglichen Dinge für mich sind die silbernen Apostelaufsätze, der neobarocke Kerzenhalter und das alte Vortragekreuz. Vom großen Kruzifix habe ich mir eine Nahaufnahme erspart. Selbst damit erkennt man nicht sehr viel vom Gekreuzigten...

Zum Schluss noch eine schöne Impression mit Hellebardier und Kirchturm des Schlosses. Wäre perfekt, wäre der Figur nicht die vergoldete Waffe gestohlen worden...

Kommentare:

  1. Man gibt sie die größte (auch finanzielle) Mühe die "profanen" Teile des Schlosses wieder möglichst orignalgetreu herzustellen, aber bei der Kirche begnügt man sich mit einer post-modernen Bahnhofshalle... reichlich bekloppt.

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    1. Das gehört übrigens zu den größten Rätseln in unserer Gegend;-)

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    2. ja das stimmt.
      Ich erinnere an die Modernisierung (besser Verhunzung) der Jesuitenkirche in der nördlich von Bruchsal gelegenen noch größeren kurpfälzischen Stadt und die "Sanierung" der Stephanskirche im von Bruchsal aus südlich gelegenem Karlsruhe.
      Irgendwer hat mir das Gerücht mal erzählt, das man bei der Sanierung der Schlosskirche in Bruchsal vom Ordinariat aus bewusst einen bekennenden Atheisten gewählt habe.
      Eins steht fest schee hat ers nicht gemacht.

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    3. Ach ja, Sankt Stephan in Karlsruhe. Die Innenarchitektur könnte schon als Industriearchitektur durchgehen. Für Metal-Band vielleicht interessant, aber für eine Kirche, die Innen und besonders außen auf das Pantheon in Rom anspielen soll, doch ziemlich daneben.

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  2. Zugegeben, manchmal schon bedenklich, wenn die Orgel zu noch den ansehnlicheren Ausstattungsstücken zählt (aber auch da kann man nachhelfen). Bei ihrer säkularen und dem Absaufen entronnenen Schwester handelt es sich übrigens nicht um ein Waldkircher Fabrikat, sondern um eine Welte-Philharmonie-Orgel der Freiburger Orgelbauanstalt M. Welte & Söhne.

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    1. Vielen herzlichen Dank für den Hinweis! Ist schon korrigiert worden :D

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  3. Also ich finde, wenn man jetzt nicht weiss, wie es ursprünglich war, sieht das fast schon erträglich aus. Minimalistisch halt, aber offenbar keine massive "Moderne"-Kunst außer dem Kreuz. Oder seh ich die aus der Perspektive nur nicht?

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    1. So gesehen auch wieder wahr. Wenn man die ursprünglichen Deckengemälde und die Barockverzierung wegdenkt, dann ist die Holzdecke schon eine schöne Anspielung auf ein Barockgewölbe. Auch die Farbe des Holzes harmonisiert schön mit dem Weiß. Jedenfalls besser als sogenannte "Betonkirchen".

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