Donnerstag, 2. August 2012

Der Arianerstreit. Von Johann Peter Kirsch Teil 2

[Erster Teil]

[...] Athanasius stammte aus Alexandrien und verbrachte einen Teil seiner Jugend unter der Leitung des hl. Einsiedlers Antonius, dessen Leben er auch später beschrieben hat. Er lebte sehr enthaltsam und erhielt eine Vorzügliche Bildung; fast die ganze Heilige Schrift kannte er auswendig und war auch dialektisch sehr gewandt. Vor allem aber zeichnete er sich durch Mut und Charakterstärke aus. Er war davon durchdrungen, dass ein mythologisches Zwitterwesen, wie Arius sich den Sohn Gottes dachte, uns nicht erlösen könne, und trat mit größter Entschiedenheit für diese Überzeugung ein. Bis ins Greisenalter bewahrte er seine jugendliche Kraft und Frische in der Verteidigung der Wahrheit. Er war aber keine Kampfnatur, sondern persönlich mild und liebenswürdig; nie hat er, wie seine Gegner, den weltlichen Arm für seine Person und Sache angerufen. Die Arianer hatten seine Bedeutung und Gegnerschaft schon auf dem Konzil zu Nicäa kennen gelernt und begannen sofort nach seiner Erhebung auf den bischöflichen Stuhl gegen ihn „ein Spiel gemeinster Intrigen und Verleudmungen, in welchem bald sittliche Vorwürfe schlimmster Art, bald politische Verdächtigungen die Kampfmittel bildeten“ (Harnack).

Arius erlangte vom Kaiser durch ein zweideutiges Glaubensbekenntnis die Erlaubnis zur Rückkehr nach Alexandrien. Dagegen musste Athanasius auf Befehl des Kaisers vor einer Synode zu Tyrus (335) erschienen, um sich zu verantworten. Er brachte 48 ägyptische Bischöfe mit; aber die Arianer hatten mit dem Subordinatianern die Mehrheit unter den anwesenden Bischöfen. Sie führten eine Buhlerin vor, die den Athanasius anklagte; er schwieg, aber sein Priester Timitheus rief dem Weibe zu: „Habe ich je mit dir gesprochen? Bin ich einmal in deinem Hause gewesen?“ Die Dirne entgegnete: „Ja, du warst es, du hast mir Gewalt angetan.“ Damit war sie entlarvt. Dass aber die Anstifter dieser abscheulichen Mache bestraft würden, konnte Athanasius nicht durchsetzen; es ist ein trauriges Bild von Parteileidenschaft und Knechtessinn, dass uns hier, wie so oft, die orientalische Kirche darbietet. Athanasius sah, dass die Versammlung ihm feindlich gesinnt sei, und eilte darum zu Schiff nach Konstantinopel, um den Schutz des Kaisers anzurufen. Die Bischöfe begaben sich von Tyrus zunächst nach Jerusalem zur Einweihung der eben vollendeten Kirche des Heilgen Grabes; dann kam eine Abordnung von ihnen auf Verlangen des Kaisers gleichfalls nach der Hauptstadt. Diese Bischöfe klagten nun den Athanasius an, er habe gedroht, die Getreidezufuhr von Alexandrien nach Konstantinopel zu hindern, und der Kaiser verbannte ihn nach Trier.

Jetzt (336) sollte Arius zu Konstantinopel gegen den Willen des dortigen Bischofs durch Eusebius von Nikomedien in die Kirche aufgenommen werden; aber bei dem Umzuge, den seine Anhänger mit ihm tags zuvor durch die Stadt machten, wurde er unwohl, zog sich in ein Haus auf den Abort zurück und verschied hier. Sein Tod wurde von seinen Gegnern als ein Gottesgericht angesehen.
Im nächsten Jahr starb auch der Kaiser, und alle verbannten Bischöfe konnten wieder zu ihren Sitzen zurückkehren. Aber Konstantius, der im Osten den Konstantin folgte, trat noch mehr wie sein Vater auf die Seite der Arianer. Dabei wollte er die Kirche in brutaler Weise beherrschen. Er erhob den Eusebius von Nikomedien unter Absetzung des rechtmäßigen Bischofs auf den Bischofsstuhl der Hauptstadt und bestätigte den Beschluss einer arianischen Synode von Antiochien, die den Athanasius absetzte, der sich diesmal nach Rom zu Papst Julius begab. Im Jahre 343 fand eine gemeinsame Synode des Ostens und Westens zu Sardika (Sofia) statt. Die meisten Bischöfe, die hier erschienen, waren Abendländer und für Athanasius; sie erreichten, dass die Synode zwei Gesandte an Kaiser Konstantius nach Antiochien schickte, unter ihnen einen Bischof Euphrates von Cöln; Athanasius konnte 346 nach Alexandrien zurückkehren und wurde glänzend empfangen.

Die schlimmsten Zeiten kamen für die Rechtgläubigen, als Kaiser Konstantius nach dem Tode seines Bruders Konstans im Jahre 351 auch die Herrschaft des Westreiches antrat, in welchem bisher der Arianismus wenig verbreitet gewesen war. Auf dem Konzil von Mailand 355 bedrohte der Kaiser jeden Bischof mit Verbannung, der nicht in die Absetzung des Athanasius willigte, und so groß war der Schrecken, dass fast alle unterschrieben; die anderen mussten in die Verbannung gehen, so dass Papst Liberius nach Thrazien und der hl. Hilarius, Bischof von Piotiers, nach Phrygien; der letztere tat aber den Arianern in Kleinasien solchen Abbruch, dass sie selbst seine Rückberufung beantragten; er konnte360 in seine Diözese zurückkehren. Am schlimmsten erging e wieder dem Athanasius. Während des Gottesdienstes wurde er von Soldaten überfallen; sie schlossen die Türen der Kirche, richteten ein Blutbad an, da das Volk sich zur Wehr setzte, rissen den Athanasius von seinem Throne und schleifte ihn, dass er wie tot liegen blieb; von Mönchen in Sicherheit gebracht, rettete er sich dann in die ägyptische Wüste, während der rohe Kappadozier Georg seine Stelle erhielt.

Die Verwirrung erreichte ihren Höhepunkt in den nächsten Jahren. Eine Synode zu Sirmium an der Save nahm eine Formel an, in welcher der Sohn wesensähnlich dem Vater genannt wird; diese unterschrieb sogar der verbannte Papst Liborius, allerdings mit dem Zusatze, er exkommuniziere jeden, der leugne, dass Gott Vater und Sohn nicht ein Wesen und in allem sich ähnlich seien; er konnte darauf nach Rom zurückkehren. Im Jahre 359 waren zwei Synoden, die eine zu Rimini in Italien, die andere zu Seleukia in Cilizien; an beiden Stellen ließen sich die Bischöfe durch den Druck des Kaisers zu einer ähnlichen Formel bewegen, die dann fast von allen Bischöfen des Reiches unterschrieben wurde; man war sich nicht klar darüber, dass das „wesensähnlich“ von dem „wesensgleich“ des Nicänums grundverschieden war, weil es die numerische Einheit des Wesens in Gott verneinte. Mit Recht konnte später der hl. Hieronymus von jener Zeit schreiben: „Der Erdkreis seufzte auf und bemerkte, dass er arianisch geworden sei.“

Kaiser Julian ließ die verbannten Bischöfe zurückkehren; ihm konnte es nur recht sein, wenn die Christen in ihren Lehrstreitigkeiten sich selbst zerfleischten. Er hat aber doch den Athanasius später wieder verbannt. Zum fünften Male musste dieser entweichen unter dem arianerfreundlichen Kaiser Valens; er verbrag sich damals in dem Grabmonument seines Vaters, bis ihn der Kaiser nach vier Monaten auf Drängen des Volkes zurückrief. Seitdem blieb er seinem Tode (2. Mai 373) unangefochten; er hatte 17 Jahre in der Verbannug zugebracht. Man kann ihn mit Gregor VII. vergleichen; was dieser für die Verfassung der Kirche und insbesondere für die sittliche Erneuerung des Klerus gewesen ist, das war Athanasisu für das Dogma.
Nach dem Tode des Valens (378) ging es mit dem Arianismus ging es mit dem Arianismus auch im Orient rasch zu Ende. Die Anhänger der Irrlehre waren nie untereinander einig gewesen, der Riss vertiefte sich später noch. Die strengen Arianer, Anomöer genannt, behaupteten, der Sohn sei dem Vater ganz ungleich (anomois); die milderen oder Semiarianer ließen ihn dem Vater ähnlich sein, vertraten also den Subordinatianismus des Origenes; diese letzteren näherten sich immer mehr den Rechtgläubigen. Dazu kam, dass Kaiser Theodosius sofort im Anfange seiner Regierung gegen die Irrlehrer schroff vorging; er nahm ihnen allenthalben die Kirche und duldete nur Versammlungen außerhalb der Städte.

Zur Befestigung des katholischen Glaubens berief er im Jahre 381 ein Konzil der Bischöfe des Ostreiches nach Konstantinopel; da dessen Lehrentscheidung auch im Abendlande Annahme fanden, wird dieses Konzil als das zweite allgemeine gezählt. Es nahm besonders Stellung gegen die sogenannten Macedonianer. Bischof Macedonius von Kostantinopel hatte gelehrt, dass der Heilige Geist nur vom Sohne ausgehe und dessen Diener und Geschöpf sei. Auf dem Konzil von Konstantinopel erschienen 36 Bischöfe, die dieser Lehre anhingen; da sie nicht davon ablassen wollten, wurden sie als Irrlehrer verurteilt, und es wurde zum Glaubensbekenntnis ein neuer Zusatz gemacht, in welchem der Heilige Geist genannte wird „der Herr und Lebendigmacher, der vom Vater ausgeht, der mit dem Vater (und dem Sohne) zugleich angebetet und verherrlicht wird, der durch die Propheten gesprochen hat.“ In dieser Gestalt fand das Symbolum allgemeine Annahme und wird sowohl in der abendländischen als auch in der morgenländischen Kirche bei der hl. Messe gebetet.

Am eingehendsten ist die Lehre von der allerheiligsten Dreifaltigkeit und von der Menschwerdung Christi in dem sog. athanasianischen Glaubensbekenntnis ausgesprochen, das in das kirchlichen Stundengebet Aufnahme gefunden hat. Es rührt aber nicht vom hl. Athanasius her, sondern ist wahrscheinlich ein Werk des hl. Ambrosius.


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