Mittwoch, 1. August 2012

Der Arianerstreit. Von Johann Peter Kirsch, Teil 1


Arius stammte aus Lybien, war in der antiochenischen Schule gebildet und wurde Priester in Alexandrien. Die Zeitgenossen schildern ihn als einen langen, hageren Mann von großer Gelehrsamkeit und Keuschheit; er war aber dabei verschlagen und ehrgeizig. Er meinte, der Sohn Gottes könne nicht vom Vater gezeugt sein, da ein Zeugen der geistigen Natur Gottes widerspreche; der Sohn sei also vom Vater geschaffen und zwar vor aller Welt und zu dem Zwecke, ihm bei der Weltschöpfung behülflich zu sein. Der Sohn kann also nach Arius nur im uneigentlichen Sinne Gott genannt werden; er ist nicht ewig und nicht unveränderlich und hat sich erst nach durch eigene Willensbestätigung zur Gesinnungseinheit mit Gott emporgeschwungen.

Als diese Lehre in Alexandrien öffentlich vorgetragen wurde, begann sofort der Streit. Eine Synode von hundert ägyptisch-lybischen Bischöfen entsetzte den Arius seines Amtes und schloß in aus der aleyandrinischen Kirche aus. Er begann sich zunächst zu seinem Freunde, dem Bischof Eusebius von Nikomedien, und dann zum Bischof Eusebius von Cäsarea, der seinetwegenan Bischof Alexander von Alexandrien schrieb, aber nichts erreichte. Trotzdem kehrte der Irrlehrer nach Alexandrien zurück und sammelte Anhänger; die Wogen der Zwietrcht gingen so hoch, dass selbst die Heiden in ihren Theatern sich darüber lustig machten. Die Streitenden wandten sich auch an den Kaiser Konstantin. Dieser hatte soeben (324) den Licinius besiegt und wünschte nichts mehr als den Frieden; er sah in der ganzen Angelegenheit nur Wortgezänk, bei dem „keines der beiden Hauptvorschriften unseres Gesetzes“ in Frage stehe. Um zu vermitteln, schickte er den Hofbischof Hosius von Corduba mit Briefen an Alexander und Arius. Da dieser nichts erreichte, kam der Kaiser auf den Gedanken eines allgemeinen Konzils; er berief alle Bischöfe des Reiches für den Mai 325 nach Nicaä, einer Stadt in Bithynien jenseits des Bosporus, also auf der Grenze zwischen Morgen- und Abendland; zugleich sollte hier die alte Streitfrage über die Feier des Osterfestes entschieden werden.
Der Kaiser stellte den Bischöfen für die Reise die Staatsposten zur Verfügung und sorgte auch zu Nicäa in freigegebigster Weise für ihre Verpflegung. Die Zahl der Konzilsväter schwankt, es werden nicht immer gleichviele anwesend gewesen sein; gewöhnlich wird die Zahl 318 angegeben, also dieselbe wie die der Knechte Abrahams (Gen. 14,14). Nur sechs Abendländer waren erschienen, unter ihnen die Priester Vitus und Vincentius als Stellvertreter des Papstes Silvester. Auch Bischof Nikolaus von Myra, „der heilige Mann“, war anwesend; Alexander, Bischof von Alexandrien, war von seinem Diakon Athanasius begleitet, der schon hier durch seinen Verstand Aufsehen erregte. Den Vorsitz auf diesem ersten allgemeinen Konzil führte meistens Bischof Hosius von Corduba, zeitweise der Kaiser selbst. 

Auch Arius war erschiene. Hochfeierlich war der Eintritt des Kaisers in die Versammlung; er trat, sagt der Kirchenschriftsteller Eusebius, in die Mitte der Bischöfe wie ein Engel Gottes, umflossen von dem feuerfarbigen Schimmer seines Purpurgewandes, auf dem der Glanz des Goldes mit dem der Edelsteine wetteiferte. Auf den goldenen Stuhl, der für ihn bereitstand, setzte er sich eher nieder, als die Bischöfe ihm den Wink gegeben hatten. Wahrscheinlich hielt Eusebius selbst die Begrüßungsrede. Der Kaiser antwortete: „ Meiner Wünsche Ziel ist erreicht, indem ich euch, meine Freunde, hier versammelt sehe; dafür statte ich dem König der Welt meinen Dank ab, dass er mir neben so vielen Wohltaten auch diese Gnade erwiesen hat, euch in einmütiger Gesinnung beisammen zu sehen. Nachdem die Tyrannei der Gottesfeinde durch Gottes Macht beseitigt ist, soll es dem Teufel nicht gelingen, auf andere Weise das göttliche Gesetz zu lästern; denn die innere Spaltung der Kirche halte ich für weit gefährlicher als Kriege und Schlachten. Stehet also nicht länger an, ihr Freunde und Diener Gottes, ihr Knechte unseres gemeinsamen Herrn und Heilandes, die Ursache dieser Spaltung zu beseitigen und alle Zweifelsknoten durch Satzungen des Friedens aufzulösen. Damit werdet ihr tun, was Gott wohlgefällt, und mir, eurem Mitknecht, eine überschwängliche Freude bereiten.“

Die Bischöfe waren aber anfangs nicht einig. Sehr viele von den Orientalen dachten, von den Anschauungen des Origenes beeinflusst, subordinationisch; auf Seiten des Arius standen allerdings nur zwanzig Bischöfe, an ihrer Spitze Eusebius von Nikomedien. Dagegen traten die Abendländer und Ägypter für die volle Gottheit des Sohnes ein, und für diese Lehre wurde von Bischof Hosius von Corduba auch der Kaiser gewonnen. Die Synode einigte sich schließlich auf ein Glaubensbekenntnis, in dem es vom Sohne Gottes heißt: „Gott von Gott, Licht von Licht, wahrer Gott von wahrem Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater.“ Nur zwei ägyptische Bischöfe verweigerten die Unterschrift und wurden vom Kaiser mit Arius nach Illyrien verbannt; auch verlangte der Kaiser, dass alle Schriften des Arius bei Todesstrafe ausgeliefert und verbrannt werden sollten. Eusebius von Nikomedien hatte das Glaubensbekenntnis mitunterzeichnet, wollte aber mit dem Bischofe Theognis von Nicäa nicht von Arius ablassen; darum wurden auch diese beiden später verbannt. Dass das Konzil von Nicäa auch die Osterfrage im Sinne der abendländischen Praxis endgültig geregelt hat, wurde schon oben gesagt.

Die schöne Eintracht, die schließlich durch das Eingreifen des Kaisers auf dem Konzil erreicht worden war, war nicht von langer Dauer. Die subordinatianistischen Ansichten über den Sohn Gottes waren im Osten des Reiches zu weit verbreitet, als dass diese Frage, die schon im dritte Jahrhndert die Geister sehr bewegt hatte, mit einem Schlage hätte erledigt werden können. Dazu kam, dass der Kaiser selbst bald durch seine Schwester Konstantia für die subordinatianistische Richtung gewonnen wurde; er gestattete schon 328 den Bischöfen Eusebius und Theognis die Rückkehr aus der Verbannung. In demselben Jahr wurde der hl. Athanasius Bischof von Alexandrien; er war seitdem die Hauptzielscheibe der Angriffe der Arianer. [...]

[Zweiter Teil]

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