Dienstag, 21. August 2012

"Idiot Riot" oder "V wie Verblödet"?

Man mische Aufstand mit dem typischen Antiklerikalismus unserer Zeit und man hat einen Protest, auf den jeder garantiert reagiert. Man mische dazu totale Unwissenheit über die Hintergründe und pushe sich bis zur Weißglut mit Empörung auf und man ist in Deutschland. So weit ist es am Sonntag im Kölner Dom gekommen.


Das muss man sich natürlich mal ganz gemütlich auf der Zunge zergehen lassen.
Protest gegen die orthodoxe Kirche, die angeblich einen Großteil der Schuld an der "Pussy Riot" - Verhaftung tragen soll in einer katholischen Kirche. Dazu noch im Kölner Dom, der anscheinend für die meisten Deutschen eine Miniversion des Petersdoms in Rom darstellt, und im Wiener Stephansdom. Dabei hat sich die russisch-orthodoxe Kirche für Milde gegen die Protestlerinnen eingesetzt. Wenn man berücksichtigt, dass auch bei uns so eine Störung strafbar ist (im deutlich verringerten Maße) und es sich bei zwei der drei Protestler um Mütter handelt, wäre so eine Äußerung eigentlich zu begrüßen. Ist es aber nicht. Denn nach Meinung [sic!] vieler Leute kann das nur gespielt sein, weil ja Kirche und Kreml so eng zusammenarbeiten sollen. Und da war ja auch die Sache mit Hypatia, wie ein Lesebriefschreiber im SPIEGEL anmerkte. Lustigerweise soll der damalige Bischof von Alexandrien auch Kyrill geheißen haben und der war ja wahrscheinlich an ihrer Ermordung schuld (Quellenlage an dieser Stelle ziemlich unsicher), die man gerne je nach Bedarf nur der orthodoxen Kirche oder allen Kirchen anhängt.
Dass eigentlich noch mehr hinter dem Protest in Köln steckt, verrät die Beschreibung, es handle sich um eine "Aktion gegen Staaten, Knäste und Kirche", in der Videobeschreibung ist sogar die Rede von "jeder Herrschaft" und der "Freilassung aller Gefangenen". Also wieder so etwas aus der Richtung "Antifa", "Anarchie" und "Die Nazis, das sind die anderen". Der Protestext, der am Ende ordnungsgemäß heruntergeleiert wird während die Sprecher selbst geistesabwesend erscheinen, erhärtet den Verdacht.
Und natürlich darf die Operrolle nicht fehlen. Die Demonstranten, die sich nur für mehr Freiheit (was das auch immer heißen soll) einsetzen und dafür aus der Kirche "geprügelt werden (Na ja, wenn man sich schon so aggressiv anstellt). Das haben wir schon mal vor ein paar Wochen gehabt. Erinnert aber auch irgendwie an der Film "V wie Vendetta", in dem der selbsternannter Rächer V gegen eine Diktatur (die übrigens eine Mischung aus allen möglichen klischeehaften und paranoiden "Anti-System"-Vorstellungen darstellt, die auch bei der Antifa verbreitet sind) Mordanschläge verübt. Am Ende löst er einen Massenprotest in der Bevölkerung aus, nachdem er indirekt eine Provokation auslöste, bei dem mindestens ein Todesopfer (im Film ein Mädchen mit einer Guy-Fawkes-Maske, die V vorher in Massen an alle privaten Haushalte verschickt hat) als Auslöser einkalkuliert war. Durch eine absichtliche Provokation (und davon gibt es inzwischen viele) wird jemand also so lange genervt, bis der- oder diejenige sich wehrt und damit erst recht als Täter hingestellt wird. Was wirklich passiert ist, interessiert eigentlich niemand. Man hat doch den ganz klaren Beweis, dass die Demonstranten recht haben!
Und dass die Kirche genuin korrupt ist, das weiß man spätestens seit dem SPIEGEL-Report über die Verschwendungssucht vom Limburger Bischof Tebartz- von Elst. Der soll nämlich angeblich in der ersten Klasse eines Flugzeuges nach Indien geflogen sein, u anschließend arme Kinder zu besuchen. Dass so etwas tausende von Menschen jedes Jahr tun, ohne überhaupt arme Menschen zu besuchen, wird gerne vergessen. Man geht ja auch bei uns gerne Obdachlosen aus den Weg, was sollen wir also noch mit armen Kindern anfangen? Und dass zwischen der Wohnung des Bischofs und seinem "Privatpark" (von dem auf der Luftaufnahme im SPIEGEL ein Viertel fehlt, damit man erkennt, wie klein der eigentlich eingegrenzt ist) das Diozesanmuseum steht, das ein Viertel der "Residenz" einnimmt, wird auch gerne übersehen. Vor allem bleibt die Frage offen, wie er in seinen "Park" kommt. Beim meinem letzten Besuch in Limburg an Neujahr dachte ich, der Garten (danach sah es eher aus) würde zum Museum gehören. Und jetzt?  "Dann ist er halt zu geizig, der Oberpfaffe." Dass gerade "Punks" nicht besser sind ("Sind irgendwie gegen alles. Außer Bier, Staatsknete und Berühmtsein". Quelle hier) ist auch nicht relevant. Könnte ja dem festgefügten (fiktiven) Weltbild schaden, in das man auch gerne Unwissende ("Nützliche Idioten") reinzieht, dass man auch wirklich bekommt, was man will.

 Apropos: Anonymous, durch die erst die oben genannte Guy-Fawkes-Maske bekannt wurde, haben der britischen Regierung den (virtuellen) Krieg erklärt. Ob einige Überladungen wirklich weiterhelfen, braucht man an dieser Stelle wirklich nicht zu fragen. Der Vatikan existiert immer noch und die Briten haben schon weitaus Schlimmeres erlebt. Also noch ein Grund, nicht den ganzen Tag vor dem Computer zu sitzen bzw. in der brühenden Hitze mit Sockenmasken rumzulaufen.

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