Donnerstag, 20. September 2012

Diskussion: Sind "Neo-Atheisten" zu rational und spitzfindig für "normale Atheisten"?

Seit längere Zeit ist in der Öffentlichkeit beim Thema "Atheismus" immer wieder die Rede von Personenkreise um Richard Dawkins, Michael Schmidt-Salomo und Co. über die ich mich schon in vergangenen Postings beschäftigt habe und die man unter der Bezeichnung "Neo-Atheisten" einordnet, also diejenigen, die ungefähr nach dem Terroranschlag am 11. September 2011 entstanden sind, weil sie die Aktivitäten islamistischer Terroristen für ein Zeichen der allgemeinen Gewalttätigkeit von Religion und Glaube ansehen. Geändert hat sich jedoch an den Vorgehensweisen im Vergleich zu "wissenschaftlichen Atheisten" vor hundert Jahren nicht sehr viel. Polemiken gegen das historische Christentumwohlausgedachte Spitzfindigkeiten und nahezu nervtötende Aktionen, die eigentlich jeder Vollpfosten auf die Reihe bekommt. Peinlich an diesen Anhängern der sogenannten "neuen Aufklärung" sind auf der anderen Seite gelegentliche Planlosigkeitenaggressive bis verunglimpfende Äußerungen über andere und leider sogar der Verdacht, beim Atheismus handle es sich selbst schon um eine Religion, die mit Hände und Füßen verteidigt werden müsse. Unerwähnt dabei sollte auch nicht bleiben, dass Gläubigen oft die Diskussion um die Evolutionstheorie dadurch verstellt wird, da auf atheistischer Seite darauf bestanden wird, dass diese selbst atheistisch sei und die Gläubigen ja grundsätzlich im Kreationismus verfangen seien. Diese Dogmatisierung der Evolution geht schon so weit, dass sogar schon Nicht-Gläubige sich gegen die sogenannten "Neo-Darwinisten" wehren, sie werfen ihnen öffentlichen Zwang in wissenschaftlichen Fragen vor. Das lässt natürlich die Frage aufkommen, ob wirklich alle Atheisten so stramm "rational und streng wissenschaftlich" wie Dawkins und Co. seien.

Erst gestern bin ich zufällig beim Blogflanieren über ein Video des Videobloggers TheAmazingAtheist gestoßen, von dem es auf Youtube noch mehr Videos gibt. Unter anderem eine Antwort auf dieses Video mit dem widersprüchlichen Titel "Why I Hate Religion, But Love Jesus":


Gekontert wurde mit einem herrlich polemischen und unterhaltsamen Video namens "I Hate Religin, And Jesus Too", in dem dem Macher des Videos vorgeworfen wird, zwei eigentlich identischen Begriffen ihren Zusammenhang abzusprechen. Zu sagen "Ich hasse Religion, aber ich liebe Jesus" wäre so ähnlich, wie als würde man sagen: "Ich hasse Limonade, aber liebe Cola".


Doch TheAmazingAtheist wäre natürlich kein Atheist, wenn er nicht die Existenz Gottes leugnen würde. Wie andere eben Atheisten auch. Oder doch nicht?

An dieser Stelle wird es eher emotional als rational. Es werden keine wissenschaftlichen Ergebnisse oder soundsoviele "Filosofen"-Zitate aufegzählt, es wird einfach gesagt, "selbst wenn Jesus für meine Sünde gestorben ist" wäre die Antwort: "Geh nach Hause und f*** dich, du bist mir so was von egal, weil deine Anweisungen (die eigene Familie, die man ja liebt, für ihn zu verlassen) Schwachsinn sind". (13:00)

Wow. Trotz minutenlanger Polemik kam das doch überraschend. Ein Atheist sagt ganz einfach, dass Gott ihn nicht interessiert, weil er ihn ganz einfach nervt. Das war´s. Da braucht Gott nicht mal beim Namen genannt werden. Es wird ganz einfach gesagt: Kein Interesse, lass mich in Ruhe.

Keine Umfragen, keine Berichte, die für Gewissensbisse bei Gläubigen sorgen sollen, sondern ein genervtes "Lass mich in Ruhe". Ganz ehrlich gesagt vermisse ich solche Statements (auch wenn diese sich ebenfalls ziemlich grobschlächtige Argumente erlauben) von Atheisten in den heutigen Debatten, die natürlich wiederum bei der Frage nach der persönlichen Annahme des Glaubens als Anteilnahme Gottes am eigenen Leben eine wichtige Rolle spielen dürften. Diese Frage geht bei Debatten ja gelegentlich in wissenschaftlichen Diskussionen um Detailfragen vollkommen unter...

Was denkt ihr dazu?

Kommentare:

  1. Dawkins mag ja ein brauchbarer Evolutionsbiologe sein- auf allen anderen Gebieten ist er ein jämmerliches Würstchen- tut mir leid- man kann es nicht anders ausdrücken: Philosophie? Nie gehört? Transzendenz: was ist das? Und sein Wissen um das Christentum bewegt sich etwa auf dem Niveau einer Kaulquappe. Das sagen auch wissenschaftlich besser renommierte Atheisten. Zitat: "seinetwegen muß man sich fast schämen, Atheist zu sein." Ich frage da : wieso nur fast? Und der Herr Schmidt-Salomo ist alles aber kein Wissenschaftler, kein Kenner von Religionen oder Philosophie, der in Diskussionen leicht auszumanövrieren ist ( wie z.B.durch die Erwähnung Descartes -der ihm leider unbekannt war- durch Prälat Imkamp). Eines ist er sicher: ein großer Hassender und fanatisch Glaubender seiner eigenen Botschaften.
    Die Neo-Darwinisten mit ihrem platten Materialismus und leicht widerlegbaren Falschbehauptungen über das Christentum sind keine Gefahr für Kirche und Glauben.

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    1. Stimmt ja auch.
      Bevor ich das Vorwort zu Dawkins "Gotteswahn" gelesen habe, dachte ich immer, dass Lesen nicht wehtun würde. Nach der angefangenen (und nie vollendeten) Lektüre habe ich ehrlich gesagt nicht gewusst, was das gerade eben gewesen ist. Ein einziger Schwall von Polemik war das gewesen, nicht mehr und nicht weniger. Und dass er mit allen möglichen Anschuldigungen hunderte von Seiten füllen kann, dem "Theodizee-Problem" aber nur zwei Seiten widmen kann, sagt auch so einiges über unseren lieben Schmalspurphilosophen/ -soziologen/ -gegenpapst aus.
      So richtig nervig wird das ganze, wenn dann noch die ganzen GBS-Fanboys auftauchen...

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