Donnerstag, 6. September 2012

Luther war für das II. Vaticanum. Und Rohrkrepierer fliegen am weitesten.

Inzwischen hat sich der neueste Geniestreich der deutschen Bürokratenkirche herumgesprochen. Nach der Forderung, wiederverheiratete Geschiedenen zur Kommunion zuzulassen, kehrt man an die historischen Wurzeln zurück und fordert "Ökumene jetzt!".
Kurz zusammengefasst werden die Lutherdekade 2017 und dass II. Vatikanische Konzil in einen Topf geworfen. Das ganze nennt man dann eine "Aufforderung zur Einheit". Eigentlich haben ja Katholiken und Protestanten eine Menge Gemeinsamkeiten. Sie glauben beispielsweise an Gott, was auch die Orthodoxen tun, die aber seltsamerweise nie bei solchen Diskussionen genannt werden. Klar, es gibt eine Menge Unterschiede, die sind aber nur "politisch", das heißt, die damaligen Landesfürsten, sind schuld, weil die einen protestantisch wurden, die anderen aber katholisch blieben. Das sind viele Teile (eigentlich die meisten Teile Deutschlands) noch immer, macht aber nichts, weil man diese Trennung auch trotz sichtbarer Unterschiede aufheben kann. Man spricht dann von "Einheit in der Vielheit", Ziel ist die "einige und einzige Kirche". Herzlichen Glückwunsch Herr Lammert, de Maiziére, Weizsäcker und Frau Schavan. Das ist wirklich die widersprüchlichste Forderung, die ich je gesehen habe. Braucht eigentlich niemanden wundern, Günter Jauch hat ihnen ja dabei geholfen. Wirklich, meinen herzlichsten Glückwunsch.

Denn Martin Luther mit dem ach so offenen und toleranten Zweiten Vatikanischen Konzil zu vermischen ist so das dämlichste, was man machen kann. Zwar ist es wahr, dass Luther keine neue Kirche gründen wollte. Er wollte nämlich, dass die Kirche seinen Vorstellungen folgt. Und als dies nicht passiert ist, wurde er ziemlich ungemütlich. Frau Käßmanns so hoch geschätzter Talkshowgast giftete und stritt sich mit allen möglichen Leuten, die ihm widersprachen, wenn er bei einem Disput den Kürzeren zog (zum Beispiel gegen Johannes Eck), fing er das Trutzen an und behauptete, die Diskussion sei eine Farce gegen ihn gewesen, man wolle ihn öffentlich diffamieren. Und dann waren ja noch die Ausraster gegen den Papst, der für ihn der Antichrist gewesen ist. Zu seinem Lebensende hin wurde das sogar noch schlimmer.

Auch wurde durch Luthers Lehre selbst (die er übrigens schon vor dem berühmt-berüchtigten Thesenanschlag 1517 ausarbeitete) zunehmend so richtig Öl aufs Feuer gegossen. Denn das Landeskirchentum und die Regelung "cuius regio, eius religio" gehen auf die Reformation zurück, als die vernünftige Frage entstand, wer denn die Kirche vor Ort leiten solle, wenn sich denn die Bibel selbst auslege, das kirchliche Lehramt in Rom aber dazu nichts zu sagen habe? Natürlich der Landesfürst, der ja auch im säkularen Bereich für Recht und Ordnung sorgt. Und so selbstauslegerisch ist die Bibel leider nicht, weil schnell klar wurde, dass manche Leute so den größten Blödsinn hineininterpretieren konnten, den die Kirche in den letzten 1500 Jahren davor erlebt und verurteilt hatte. Also musste man eigene Geistliche ausbilden, die die christliche Lehre auch getreu auslegen. Und schon haben wir unsere Landeskirche. So gesehen wäre es wirklich besser, zu einer "einigen und einzigen Kirche" zurückzukehren. Wie allerdings der ehemalige evangelische Pfarrer Andreas Theurer gefordert hat: Zur katholischen Kirche.

Denn andauernder "Protest" nützt langsam nicht mehr als Konfessionsgrund, wenn sogar schon bei Protestanten und prostestierenden Katholiken die Glaubensfundamente bröckeln. Dieser Meinung ist übrigens auch das Konzils-Zitat, das man normalerweise gerne als "votkonziliaren Überbleibsel" einer triumphalistischen Kirche interpretiert.

Wie Vincentius Larinensis schon so schön bemerkt hat, ist das ganze Teil eigentlich eine "Totgeburt, Theologischer Dünnpfiff". Ein typischer Rohrkrepierer eben. Explodiert schon in der Röhre, macht viel Lärm und alle Fragen sich, wie weit das Geschoss geflogen ist, weil man es nicht mehr finden kann.


Update: Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich schon zum Thema geäußert. Kann man vergessen.
Einen Bericht, der eingehender darauf eingeht, findet sich bei Sophophilo in drei Teilen: Hierhier und hier.


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