Dienstag, 18. September 2012

Von Kardinal-Accounts und Internet-Trollen

Auf kath.net wird über angebliche Facebook- und Twitter-Accounts berichtet, die auf Georg Gänswein und Kurienkardinal Walter Kasper zurückgehen sollen - und damit für Verwirrung sorgen:

"Vorsicht vor gefälschten Accounts auf Facebook im Zusammenhang mit katholischen Promis. Seit einiger Zeit tauchen vermeintliche Promis aus der katholischen Welt auf Facebook auf, oft steckt dahinter allerdings jemand ganz anderer, der hier Katholiken hinters Licht führen möchte. So sorgt ein Facebook-Account von Georg Gänswein immer wieder für Anfragen bei kath.net. Mit Georg Gänswein selbst hat der Account allerdings nichts zu tun, der Sekretär von Papst Benedikt XVI. ist auf Facebook überhaupt nicht vertreten, wie kath.net erfahren konnte.

Noch mehr Verwirrung schafft derzeit ein scheinbarer Facebook-Account des römischen Kurienkardinals Walter Kasper. Von kath.net darauf angesprochen erklärt der Betroffene, dass er davon überhaupt nichts wusste und dass er so einen nicht eröffnet habe. [...]"

Im Kommentarbereich weiß Johannes89 davon zu berichten, dass es so etwas schon länger gibt:

"Das Phänomen gibt es schon länger: Gewisse anti-christliche "Witzbolde" legen Fake-Profile an, in denen sie sich als angebliche Christen bzw. Katholiken oder auch Geistliche ausgeben. Auf diese Weise versuchen sie, gläubige Christen besonders negativ und verzerrt darzustellen. Denn mithilfe dieser Profile zeichnen sie schmähende und karikierende Darstellungen der Christen, die angeblich das Profil erstellt hätten. Dabei halten sich die Urheber selbst für sehr witzig und subversiv.
S. dazu "redliche Christen".
Angebracht sind hier strafrechtliche Konsequenzen, insbesondere wenn Fake-Profile konkreter lebender Personen erstellt werden, unbefugt Bilder lebender Personen verwendet werden oder in schmähender Absicht gläubige Christen beleidigt werden."


Vor kurzem erlaubten sich einige auch den makaberen Spaß, Morgan Freeman (Kommentar von cosserat), Justin Bieber und den Rapper Crovia Facebook für Tod zu erklären, obwohl es beiden zur Zeit immernoch bestens geht. Doch gerade das ärgerliche an der ganzen Sache ist, dass in kürzester Zeit ziemlich viele Menschen ein Gerücht mitbekommen und es weiterverbreiten. Wenn sich dann noch einer verstellt und eine bestimmte Gruppe von Menschen repräsentieren will, die er anschließend bloßstellt und zur Zielscheibe der anderen macht, ist das wirklich nur noch geschmacklos. Besonders wenn es noch solche Vollpfosten gibt, die diesen "Beweis" dankbar annehmen ohne genauer zu überprüfen, von wem er stammte oder ob er überhaupt war sei. Ein Paradebeispiel dafür ist Professor Israel Shahak, der 1965 behauptete, Zeuge gewesen zu sein, wie ein orthodoxer Jude sich geweigert hätte, am Shabbat einen Krankenwagen für einen Nichtjuden zu rufen. Ein Jahr später gab er zu, die Geschichte erfunden zu haben, was Christopher Hitchens nicht hinderte, es in sein antireligiöses Pamphlet "Der Herr ist kein Hirte" aufzunehmen.
Ende des 19. Jhd. trat in Leo Taxil und seinem Betrug, mit dem er Katholiken blamieren wollte, das auf, was man heute in der Netzkultur als "Troll" bezeichnet. Dass er nicht nur von Katholiken so empfunden wurde, zeigte auch die Empörung von vielen Antiklerikalen, die zwar regelmäßig gegen die Kirche wetterten, aber bei denen bei Betrug der Spaß aufhörte. Erst gutgläubige Menschen mit erfundenen Schauergeschichten hinters Licht führen, um diese dann als Vollidioten darzustellen, das ist wirklich nicht nett.
Die Show "Know your Meme" berichtete von einem ähnlichen Fall auf Youtube. Ein angeblich christlicher Video-Blogger namens ChristianU2uber stellte seine Meinung zur "Homoehe" ins Netz und erntete eine ordentliche Menge an Beleidigungen und Kommentare von "Trolls", auf die er mit Antwortvideos (über-)reagierte und schließlich als "Homokid" im Netz Berühmtheit erlangte. Am Ende kam heraus, dass das Video nur gespielt war, um möglichst viele Reaktionen zu bekommen. Er war also selbst ein "Troll".


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