Dienstag, 18. September 2012

Zum "Mohammed-Video"


In den letzten Tagen hat eine gehässige Satire über den den Propheten Mohammed die Medien in Atem gehalten un die Diskussion um "Meinungsfreiheit" neu befeuert. Wir erinnern uns: Erst vor kurzem wurde gegen das Satire-Magazin "Titanic" Klage wegen eines beleidigenden Papstbildes eingereicht, dann wieder zurückgezogen. Obwohl es zu keinen gewalttätigen Ausschreitungen kam (Nein, Prostest-Mails gehören nicht dazu), schlug man sich zu Recht den Schädel darüber ein, wo die Grenzen dieser "Meinungsfreiheit" sein sollen. Diesmal brennt die muslimische Welt wegen eines billigen satirischen Videos.

Das Problem in erster Linie ist, dass es sich dabei um ein Zwitter-Problem handelt. Auf der einen Seite kann man auf die Verantwortungslosigkeit des Produzenten weisen. Bei den Gewaltausbrüchen, die schon einmal vereinzelte Karikaturen auslösten, eine Film drehen, der deutlich unter die Gürtellinie (im bildlichen Sinne) geht und wahrscheinlich andere Karikaturen zu übertreffen versucht, grenzt eigentlich an Dummheit. Noch dazu soll es sich um einen Kopten handeln, der eigentlich wissen müsste, dass seine Glaubensgenossen in der arabischen Welt dafür wahrscheinlich die ganze Breitseite abbekommen. Jetzt hat ein wütender Mob Botschaften zerstört, da meldet sich "Pro Deutschland", den Film in voller Länge in unserem Land aufführen zu lassen. "Pro Deutschland"? Ja, genau die Partei, die schon einmal eine Prügelei mit Salafisten provoziert hat.
Auf der anderen Seite handelt es sich um einen Mob, der sich schon vorher ein beträchtliches Gewaltpotential angefressen hat. Die Salafisten, die in Solingen wegen genannter Splitterpartei, die mit einer Karikatur provozierte, waren schon vorher bewaffnet gewesen. In den arabischen Gebieten hat man neben einer amerikanischen Flagge eine israelische verbrannt. Dass man plötzlich bei "Amerika" und "Blasphemie" gleich auch Israel assoziiert, scheint sehr fraglich. Besonders der Sturm auf die deutsche Botschaft legen einen lange gehegten Groll gegen den "gottlosen" und "dekadenten" Westen zu Tage, auch der Angriff auf das Lager von Prinz Harry mit drei Toten kann unmöglich ohne Vorbereitung alleine durch das Videos ausgelöst worden sein.

Der Reporter Billy Six berichtete in seinem Kriegtagebuch in der "Jungen Freiheit" dazu von einem paradoxen Verhalten der Islamisten. Er bemerkte bei ihnen einen beinahe irrationalen Hass gegen Christen und Juden, dem alleine ein Rechtfertigungsdruck vorgeschoben ist. Juden und Christen sind zwar dreckige Häretiker und Verräter, nur ohne Grund darf man sie nicht angreifen. Anweisung von Allah. Jetzt haben sie einen Grund, weil der Prophet beleidigt worden ist, also kann die Party schon mal losgehen. Und im Westen wird ihnen dieser Grund auch abgenommen, wie Henryk Broder darstellt:

" [...] Wie dem auch sei, eines steht fest: Die Demonstranten agieren wie Kinder, die sich ihrer Macht bewusst sind. Sie wissen, dass niemand es wagen wird, sich ihnen in den Weg zu stellen. Mehr noch: dass sich genug Erwachsene finden werden, die Verständnis für ihr schlechtes Benehmen äußern werden. Claus Kleber vom ZDF-"heute journal" zum Beispiel, der in einer seiner sprachlich so ausgefeilten Moderationen die "Radikalen auf beiden Seiten" für die Eskalation der Lage verantwortlich machte. Oder der Kollege vom "Stern", der seinen Kommentar über "ein dummes Video", das "die islamische Welt in Aufruhr" bringt, mit der Überschrift versah: "Wer Hass sät, erntet Hass". (Das war übrigens auch die Parole, unter der nach den Anschlägen von 9/11 die "amerikakritischen" Teile der Friedensbewegung auf die Straße gingen.) [...]"

Was sollte der Staat an dieser Stelle tun? Bildlich gesprochen laufen da zwei Typen mit jeweils einer Stange Dynamit unter dem Arm und einem Feuerzeug in der Hand umher und versuchen, sich gegenseitig hochgehen zu lassen. Außer mindestens einem das Feuerzeug wegzunehmen und anschließend versuchen, auch vorsichtig den Sprengstoff wegzunehmen, wäre die nächstliegende Lösung. Blöd daran ist nur, dass sich beide dagegen wehren oder sogar behaupten, nur friedlich Feuerwerk mit sich herumzutragen. Und einer von beiden noch weitere Freunde hat, ebenfalls am liebsten alles um sich herum anzünden wollen...

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