Montag, 22. Oktober 2012

Fanon! Oder: Lust auf Bingo?

Überraschend für viele war bei den gestrigen Heiligsprechungen auf dem Petersplatz in Rom nicht nur, dass diesmal eine Frau aus Bayern heiliggesprochen worden ist, sondern auch der Auftritt des Papstes. Er trug nämlich ein mittelaterliches Kleidungsstück: Ein Schultergewand, genannt Fanon.

"[...] Der Begriff Fanon stammt aus dem althochdeutschen Wort Fano (und nicht wie vielfach genannt aus dem griechischen pannus) und bedeutet sowohl Fahne als auch edles Gewand.
Der Fanon drückt demnach ein Hoheitszeichen aus,  im konkreten Fall die Einheit der gesamten Kirche sowohl des Westens als auch des Ostens im Petrusamt und die Autorität des Papstes als Oberhaupt der universalen Kirche. Aus diesem Grund ist er allein dem Papst vorgehalten.
Papst Johannes Paul II. trug ihn während seines langen Pontifikats nur einmal am 22. November 1984, als er die Basilika der heiligen Cäcilia in Trastervere in Rom besuchte. Der Fanon, eine gestreifte Doppelmozzetta wird nur bei Pontifikalen Hochämtern über der Kasel und unter dem Pallium getragen.
Papst Innozenz III. (1160-1216) erklärte zur Bedeutung des Fanon, die dem antiken Efod des jüdischen Hohepriesters entspricht."



Etwas genauer wird es von Alexander Kissler auf kath.net beschrieben:

"[...] Wie der Theologe und Vatikanexperte Ulrich Nersinger in seinem umfangreichen zweibändigen Werk „Liturgie und Zeremonien am Päpstlichen Hof“ erklärt (Band I., nova&vetera, Bonn 2010, S. 376 ff.), besteht der Fanon aus einem doppelten Humerale aus Seidenstoff, das Ähnlichkeit mit einem Schulterkragen aufweist: „Sein Durchmesser betrug ungefähr 92 cm, die Länge 50 cm. Die beiden Teile des Fanon waren mit weißen und goldenen, rot eingefassten Parallelstreifen versehen. Auf dem oberen Teil des Fanon war zumeist ein goldgesticktes Kreuz angebracht. Die zwei Teile des Gewandes lagen übereinander und waren in der Mitte, in der sich die Öffnung für den Kopf befand, aneinandergenäht; unter Papst Pius X. (Giuseppe Sarto, 1903-1914) kam der Brauch auf, die beiden Stücke mit einem Knopf zu verbinden“. Die vertikalen goldenen und silbernen Streifen symbolisieren einer liturgischen Interpretation nach auch die Einheit und Untrennbarkeit der lateinischen und orientalischen Kirche, was jedoch nicht durch die alte Tradition bezeugt ist.

Bereits im 8. Jahrhundert trug der Papst den Fanon, „ohne dass es aber damals schon ein päpstliches Sondergewand war“, so Nersinger. Aus jenem ursprünglichen Kleidungsstück habe sich dann im 11. oder 12. Jahrhundert der päpstliche Fanon entwickelt.

Seit dem Pontifikat Innozenz’ III. (1198-1216) erscheint der Fanon dem Papst vorbehalten zu sein: „Der Papst aus dem Grafengeschlecht der Segni gibt auch erstmals eine Deutung des nunmehrigen Pontifikalgewandes: 'Romanus Pontifex post albam, et cingulum assumit orale, quod circa caput involvit, et replicat super humeros legalis Pontificis ordinem sequens, qui post lineam strictam et zonam induebatur ephod – Der römische Bischof legt nach der Albe und dem Zingulum das Orale an, welches er um den Kopf wickelt und auf die Schultern zurückschlägt; er folgt hierbei der Gepflogenheit des alttestamentlichen Hohenpriesters, welcher über die Linnentunika und den Gürtel das Ephod anzog'“. [...]"

Einen weiteren schönen Beitrag dazu gibt es übrigens bei der Sammlung Philippi.

Da "der Reichtum der Paramente nie genug sein kann" (Franz von Assisi, zitiert in einem Interview mit Don Nicola Bux), wird wahrscheinlich nicht das letzte "neue alte" Kleidungsstück in seinem Pontifikat sein.

 Da ich leider nicht sehr viel Ahnung von ehemaligen liturgischen bzw. päpstlichen Kleidungstücken habe, nur mal so die Frage in die Runde: Hat irgendjemand Lust, ein Papst-Bingo zu erstellen? Als bestätigt gilt, was bei einer öffentlichen liturgischen Feier oder einer Audienz offiziell getragen wird. Die Tiara gilt also noch nicht...

[Noch eine kleine Widmung an Mauritius...]

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