Montag, 22. Oktober 2012

Horror auf Freiburgs Straßen: "Sind Sie schwanger?"

Vorgestern erschien in der BNN ein Bericht, dass der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim entschieden habe, dass das Verteilen von Broschüren eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte sei. Jetzt könnte man davon ausgehen, dass damit eigentlich lästige Vertreter gemeint seien, die einem vor der eigenen Tür regelmäßig auf die Nerven gehen. Oder diverse Absender von Werbemails, die einem wöchentlich den E-mail-Account zumüllen.
Aber nein. Betroffen ist wieder mal die Gehsteigberatung vor dem "Pro Familia"-Büro in Freiburg/Breisgau. Und passend zu Halloween, das in knapp zwei Wochen stattfinden wird, erklärt die Badische Zeitung in sauberer Berichterstattung, was so schrecklich an dieser Gehsteigberatung sein soll:

"[...] Der erste Senat des VGH, der in der vergangenen Woche zur Zeugenvernehmung eigens nach Freiburg gereist war und neuneinhalb Stunden im Landgericht tagte, begründete seine Entscheidung damit, dass das Verhalten der in Freiburg tätige Gehsteigberaterin – der 38 Jahre alten Messehostess und Promoterin Silke F. – eine konkrete Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstelle[sic!]. Denn zum Schutzgut der öffentlichen Sicherheit zähle auch das allgemeine Persönlichkeitsrecht, das durch das Grundgesetz geschützt sei. Dieses werde verletzt, wenn Frauen auf der Straße unvermittelt auf eine mögliche Schwangerschaft angesprochen werden [Deswegen kommen sie ja zu Pro Famila, ist aber an dieser Stelle irgendwie egal].

Gerade in der Frühphase der Schwangerschaft befänden sich die meisten Frauen in einer besonderen seelischen Lage, in der es auch zu schweren Konfliktsituationen kommen könne, begründet der VGH in einer am Freitag veröffentlichten Pressemitteilung. Schon deshalb hätten Frauen in dieser Lebensphase ein Recht darauf, von Fremden in Ruhe gelassen zu werden. In der mündlichen Verhandlung hatte Silke F. zugegeben, vor allem Frauen "im gebärfähigen Alter" anzusprechen. Allerdings gingen im Prozess die Meinungen auseinander, wie sie das tut: F. behauptete, behutsam vorzugehen, während sich zahlreiche als Zeuginnen geladene Betroffene bedrängt fühlten.

Erschwerend komme hinzu, dass die Ansprache in der Öffentlichkeit – laut zahlreicher Frauen mit der Frage "Sind Sie schwanger?" – auf einer belebten Straße erfolge, so der VGH. Und: Die Verletzung des Persönlichkeitsrechts werde noch dadurch verstärkt, dass F. Faltblätter mit teilweise einschüchternden und verstörenden Bildern verteilt habe.

Mit seinem Urteil stellt der VGH das Persönlichkeitsrecht der Frauen über die Meinungsfreiheit, welche die Abtreibungsgegner problemlos jenseits der Humboldtstraße ausüben könnten. Zudem habe das Persönlichkeitsrecht der Frauen auch Vorrang gegenüber der durch das Grundgesetz geschützten Glaubens- und Bekenntnisfreiheit des Klägers
["Typisch religiöse Fanatiker!"].

Im Rathaus begrüßt man das VGH-Urteil: "Die Stadt freut sich sehr darüber", sagte Pressesprecherin Edith Lamersdorf."
[Als ob es in Freiburg keine anderen Probleme gibt...]"

Wow, das war jetzt definitiv gruseliger als die Legende vom Kopflosen Reiter. Denn der war wenigstens nicht so grausam, seine Opfer vor der Tötung ungeborener Kinder zu warnen bevor er ihnen den Kopf abgesäbelt hat. So sadistisch ist "German Grusel" auch wieder nicht. Besonders wenn es sich vor der Zentrale einer Organisation abspielt, die schon seit längerem bekannt ist, nicht nur ihre Kritiker anzuschwärzen, sondern auch falsche Informationen verbreitet und dafür noch in Supermärkten Spenden sammeln darf.

1 Kommentar:

  1. Teileinspruch: daß die Ansprache an einem belebten Ort oder auch da, wo man es nicht erwarten kann mit "Sind Sie schwanger?" einen Eingriff in die Privatsphäre darstellt, sehe ich auch so. Auch kommen Frauen nicht nur zu Pro Familia, um sich dort in Bezug auf eine Schwangerschaft beraten zu lassen.

    Selbst wenn man ein höheres moralisches Ziel vor Augen hat (in diesem Falle den Schutz des Lebens) sollte man solche Dinge nicht völlig außer acht lassen. Man kann Beratung anbieten, aber nicht so.

    AntwortenLöschen