Sonntag, 21. Oktober 2012

Mehr Katechismus! Teil 2

Im Laufe der Diskussion um den Sinn des Katechismus fragt man sich natürlich generell um die Rolle des Glaubenswissens und des persönlichen Glaubens. Ein passendes Kommentar dazu schrieb Frank Sheen im Vorwort zu seinem Buch "Theologie für Anfänger" (Lepanto Verlag):

"[...] Ich kann nicht sagen, wie oft ich schon gehört habe, dass ein alter Ire, der seinen Rosenkranz betet, heiliger sei als ich mit all meinen Kenntnissen. Das will ich gern glauben. Um seinetwillen hoffe ich es. Aber wenn er es nur deswegen sein sollte, weil er weniger von Theologie verstehe als ich, dann überzeugt das weder ihn noch mich. Es würde ihn nicht überzeugen ,denn alle diese rosenkranz- und tabernakelliebenden alte Iren, die ich kannte (und unter meinen Vorfahren gibt es viele davon) waren begierig, mehr von ihrem Glauben zu wissen. Und auch mich überzeugt es nicht; denn obwohl offensichtlich ein unwissender Mann tugendhaft sein kann, ist ebenso offensichtlich Unwissenheit keine Tugend. Es gibt Menschen, die das Martyrium erlitten, ohne eine Lehre der Kirche korrekt darstellen zu können – das Martyrium ist sicher der erhabenste Liebesbeweis. Aber wenn sie mehr von Gott gewusst hätten, so hätten sie ihn noch mehr geliebt.
Wissen mehrt die Liebe – aber natürlich kann Wissen auch verhärten, es kann mich auch stolz und eingebildet machen, satt meine Liebe zu mehren. Davor müssen wir armen Kinder Evas uns hüten. Wissen mehrt die Liebe. Es dient der Liebe einmal, indem es Brocken beiseite räumt, die zumindest die blanke Pflugschar der Liebe schartig machen könnte. Zum Beispiel kann die Existenz der Hölle einen Menschen dazu bringen, an Gottes Liebe zu zweifeln – wenn er von den Lehren der Kirche noch nicht genug weiß. So wendet er gerade aus Frömmigkeit seinen Blick von der Wahrheit über Gott ab, um sich seine Liebe uneingeschränkt zu erhalten. Aber Wissen dient der Liebe noch auf andere, bessere Weise – weil jegliches Neue, das wir über Gott lernen oder bedenken, ein neuer Grund ist, ihn zu lieben. Trotzdem könnte ein Katholik meinen, dass all dies zwar überzeugend genug wäre, aber davon gleichwohl für ihn nichts zuträfe. Wenn auch seine Seele nicht alles bekommt, was sie bekommen könnte, leidet er doch keine Hungerqualen; die halbe Beleuchtung erscheint ihm als hell genug; er weiß, dass er Gott liebt und hält das im übrigen für seine eigene Angelegenheit.
Soweit ein Katholik zufrieden ist mit dem, was er bekommt, ist dazu nichts mehr zu sagen. Es ist tatsächlich seine Angelegenheit, zumindest ist es nicht die meine. Aber das Leben besteht nicht nur darin, etwas zu bekommen, sondern auch darin, etwas zu geben, und ein Katholik kann sich nicht so einfach, eigentlich überhaupt nicht, mit dem zufrieden geben, was er gibt, Ganz offensichtlich sind wir heute von Millionen umgeben, die hungern nach dem, was unser Herr ihnen geben möchte; sie bekommen da kleine Rationen an Wahrheit – und von der Eucharistie überhaupt nichts es tut uns natürlich leid, dass sie hungern, aber wir haben deswegen keine schlaflosen Nächte – wobei sich die Frage erhebt, ob wir die Nahrung, die wir selbst von der Kirche bekommen, überhaupt richtig zu schätzen wissen. Wir würden es nicht so gelassen hinnehmen, wenn ihr Magen hungerte; denn wir kennen den Wert des irdischen Brotes.
Wenn der geistliche Hunger gestillt werden soll, dann muss das hauptsächlich das Werk von uns Laien sein, die wir täglich den Umgang mit diesen Hungernden haben. Wir müssen zu Verständnis der großen Glaubenswahrheiten gelangen, so dass sie uns wirklich als Nahrung dienen können; wir müssen alle Kräfte anspannen, ihren Sinn zu begreifen; und zwar müssen wir das um dieser anderen willen, denn es ist unerträglich, dass Menschen sich nach der Wahrheit verzehren sollen, die wir ihnen bringen könnten. Aber auch um uns selber geht es dabei: denn es ist nicht gut für uns und unsere Kinder, die heile Minderheit zu sein in einer Gesellschaft, die den Kontakt mit Gott verloren hat.
Dies Buch befasst sich mit Theologie, um einem zweifachen Bedürfnis entgegenzukommen: dem Bedürfnis unserer eigenen Seele nach Nahrung, Licht und Liebe zu Gott – das alles geben uns die großen Glaubenswahrheiten;  und dem Bedürfnis aller Menschen um uns herum, einem Bedürfnis, das nur gestillt werden kann, wenn wir es stillen. Die Lektüre dieses und aller theologischen Bücher sollte begleitet sein von der Lesung der Heiligen Schrift. Ohnedem mag es wohl möglich sein, ein genaues Wissen  von den Offenbahrungswahrheiten zu erlangen – aber die Schrift hat überdies die wahre Kraft, solche Wahrheiten in unserer Seele lebendig zu machen. Dass sie lebendig sind, darauf kommt es an. Was nützt es einem Menschen, die Wahrheit zu besitzen, wenn er nicht von ihr besessen ist?"

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