Mittwoch, 7. November 2012

Richard Williamson: Ein Bischof dreht hohl

Was sophophilo schon vorletzte Woche erwartet hat, ist jetzt eingetreten: Nach seinem Ausschluss aus der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) gründete Richard Williamson nun seinen eigenen Club. Was in der breiten Öffentlichkeit fälschlicherweise eher als Distanzierung vom Holocaustleugner wahrgenommen hat, ist in Wirklichkeit das Ergebnis einer ziemlich bizarren Entwicklung innerhalb der Bruderschaft gewesen. Es stellte sich nämlich heraus, dass es sich bei Williamson um einen Wendehals handelte, der nur noch schwer berechenbar wurde. Entschuldigte er sich anfangs noch brav für den Skandal, den ein Interview auslöste, in dem er den Massenmord an den Juden zur Zeit des Nationalsozialismus marginalisierte, was den Papst wie auch die Mitglieder der Piusbruderschaft in Teufels (mediale) Küche brachte, machte er bald Stimmung dagegen, dass sich beide miteinander aussöhnen. Was eigentlich ziemlich paradox scheint, denn er selbst bat ja um die Aufhebung der Exkommunikation, der er mit seiner illiegalen Weihe durch Marcel Lefebvre 1988 verfiel.
Nun hat er sich also so heftig mit seinen Mitbrüdern zerstritten, dass er rausgeworfen worden ist. Und eine Widerstandsgruppe namens "Initiative St. Marcellus" gründete. Na klasse.

Alexander Kissler hat das ganzenun organisierte Durcheinander zusammengefasst:

"[...] Um ihn [Richard Williamson] und seine nach einem Märtyrer des dritten Jahrhunderts benannte „Initiative St. Marcellus“ sollen sich ab sofort die verbliebenen katholischen Priester und Laien scharen. Dass der heilige „Marcellus der Soldat“ unmittelbar an Marcel Lefebvre denken lässt, ist eine weitere Kampfansage: Williamson geriert sich als einziger Nachlassverwalter eines Erbes und belegt mit dem Anathema die große Mehrheit, die seinen Narreteien nicht Folge leisten will. Was wahrhaft katholisch ist, heißt das, weiß nur ich, Richard I. aus London. Spenden sind ausdrücklich willkommen.

Der künftig für Archäologen des spätmodernen Bewusstseins interessante Fall zeigt überdeutlich: Auch an den Rändern von Kirche und Welt toben die Anmaßung, die Selbstgerechtigkeit, der Subjektivismus. Auch ein trotziger Traditionalismus schützt nicht vor traditionsloser Egomanie – Traditionalismus meint eben nicht Tradition, sondern ist deren Platzhalter unter den Bedingungen der Mediengesellschaft. Gäbe es eine lebendige Tradition, gäbe es keinen Traditionalismus. Williamson ist selbst, was er abstritte mit maximaler Vehemenz: ein spätmoderner Subjektivist. Die Zeit, die er nach Soldatenart zu bekämpfen meint, geht durch ihn hindurch. Er ist die Verblendung noch einmal, die er allen anderen diagnostiziert. There is no way out."



"Meine erste Amtshandlung als neuer Gruppenchef ist eine Gegenreformation. Und eine Gegen-Gegenreformation. Und eine Gegen-Gegen-Gegenreformation. ..."


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