Samstag, 24. November 2012

Wir sind Kardinal!

Im Mittelalter gab es den schönen Brauch des Kinderbischofs. Am 6. bzw. 28. Dezember wurden das Rollenspiel vollzogen, bei dem ein Teil der bischöflichen Aufgaben einem Kind übertragen wurde, das in entsprechende Gewänder gekleidet war und von seinen "Kaplänen" begleitet wurde. In Augsburg gab es sogar einen "Kinderpapst", beim Karneval wurde ein "Narrenbischof" bzw. "Narrenpapst" gewählt. Dieser Spaß für die ganze Einwohnerschaft dauerte bis ins 18. Jh., nachdem die Aufklärung nach der Reformation den letzten Resten dieses Brauches den Garaus machte.
Ein wenig auf Befremden stößt es daher, dass Martin Wehrlen, Benediktinerabt von Kloster Einsiedeln, sich ein befristetes Kardinalamt für "Frauen und Männer, Junge und Alte" vorstellen kann. Der "liberale Vordenker", der sich einerseits für kirchenkritische Themen wie die Aufhebung des Zölibats einsetzt, andererseits sich aber nicht kritisieren lässt, findet dafür nicht nur bei Hans Küng mediale Schützenhilfe für seine närrischen Ideen, die er auch gerne in Wirklichkeit sehen möchte:

"[...] Da der Papst und viele andere über diese eklatanten Abweichungen von der kirchlichen Lehre nicht jubeln werden, muss das "Nihil Obstat" von einem anderen Papst besorgt werden. Die „Solothurner Zeitung“ ist hier einfallsreich und zitiert daher den „Fußball-Papst“ und Fifa-Präsidenten Sepp Blatter mit folgenden Worten: „Der Zölibat ist eine Erfindung des Mittelalters, der keine Verankerung in der Bibel findet“, ein „Anachronismus“. Herr Blatter wird seinerseits sicher Wert darauf legen, dass nicht jede und jeder, die kaum etwas vom Fußball verstehen, ihn in seinem Fachgebiet belehren. Doch seine Äußerungen über diese kirchliche Frage lässt vermuten, dass seine Kenntnisse in Geschichte und Bibel offenbar nicht größer sind als die manches Theologen im Fußball. [...]"

Wenn wir gerade beim Thema sind: Wenn man Leute, die wahrscheinlich keinen wirkliche Ahnung von Kirche haben als Kardinäle einsetzt, warum können wir nicht einfach auch den Nepotismus legalisieren? Es wäre ja nicht gerade "christlich", wenn man die armen Verwandten vergisst, die wahrscheinlich auch gerne an den Drücker wollen...

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