Samstag, 10. November 2012

Zum Fegefeuer

Gefunden auf kath.net:

"[...] Man kann wirklich nur sagen: Gott sei Dank! Die „arme Seele“ ist arm, weil sie noch „durch das Feuer muss“ und darum sollten wir für sie beten. Aber sie ist schon gerettet und darum auch schon glücklich! Alles in allem, eine wirklich gute, befreiende Botschaft! Einem Burschen, der mich nach dem Fegefeuer befragte, erklärte ich es, er folgte aufmerksam und fasste das Gemeinte auf seine Weise eigentlich treffend zusammen: „Jetzt verstehe ich, du willst sagen: ein solcher Mensch ist noch ´in der Warteschleife`! [...]"

Neben der Sache, dass das Fegefeuer heute oft mit der Hölle verwechselt wird, finde ich es ziemlich befremdlich, dass eine Gesellschaft, die geradezu auf Harmonie versessen ist, auf dem Standpunkt des Glaubens - ich meine das Leben mit Gott, nicht das Zusammenbasteln eines angenehmen Weltbildes - heute sowohl den Gedanken des totalen Verlustes (außer natürlich bei Hitler) als auch den der Bedürftigkeit des Menschen gegenüber Gott ausblendet. In Deutschland könnte es wahrscheinlich an den vielleicht oft missverstandenen Begriffen "Arme Seelen" und "Fegefeuer" (lat. purgatorium) liegen. Bei meinen Besuchen in England und Italien stieß ich zufälligerweise auf den Begriff der "Heiligen Seelen" (vgl. "Holy Souls"), der tatsächlich auf dieses "Paradoxon der Warteschleife" hinweist. Oder vielleicht liegt es daran, dass man einem beim Thema "Reformation" so oft mit der reformatorischen Karikatur kam, dass man diese Sicht tatsächlich als "kirchliche Version" unhinterfragt übernommen hat.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen