Samstag, 8. Dezember 2012

Hart und nicht fair. Oder: Kölner ticken anders.

Letzte Woche bin ich durch ein Posting von Frischer Wind auf die Sendung "Hart aber fair" aufmerksam gemacht worden, bei der es um das Thema "Adoptionsrecht für homosexuelle Paare" ging. Um ganz ehrlich zu sein: Ich halte nicht viel von Talkshows, vor allem weil sie meist wegen Zeit (oder Lust der Moderation) immer oberflächlich bleibt und deswegen gerne zum Schlagabtausch bestimmter Gruppen benutzt werden, die bei den Zuschauern schon vorher Sympathiepunkte haben oder eher rhetorisch und polemisch statt mit Fakten argumentieren. Der einzig positive Grund, warum ich mir so etwas trotzdem antue ist der, dass ich es recht interessant finde, wie manche Leute mit allen Mitteln ihre Position zu verteidigen versuchen und meist nicht mal groß in Frage gestellt werden. Und weil nach Angaben von Frischer Wind diesmal Martin Lohmann (Chefredakteur von K-TV) und Birgitt Kelle (Vorsitzende von Frau 2000 plus) diesmal dabei waren.


Mal abgesehen vom "Kartenmonopol" Plasbergers (ist aus dem Video gestrichen worden wegen Stefan Raabs angeblichem Urheberrecht. Ausschnitt hier) und dessen mehr als peinliche Bemerkung Lohmanns Eheleben (24:20), sowie der Sache, dass die zitierte Studie zum Thema "homosexeulle Lebensgemeinschaften und Kindererziehung" (49:50) nicht nur veraltet und voreingenommen, sondern auch von einem Pädophilie-Befürworter erstellt worden ist: Die Grenzen waren klar abgesteckt. Da sind einerseits die Homosexuellen (die nach Morgenstern als "Menschen 2. Klasse" betrachtet werden) und die "Gegner".
Und wer die Hauptlast trägt dürfte klar sein. Bevor nach 40 Minuten endlich über das Wohl der Kinder diskutiert wird, legen Martin Lohmann und Birgit Kelle dar, warum eine homosexuelle Partnerschaft nicht mit einer Ehe gleichzusetzen sei, Hauptargument ist dabei der Umstand, dass es sich bei der Homosexualität um eine Sexualität handelt, die nicht wie die Heterosexualität auf die Weitergabe von Leben ausgerichtet sei (27:27). Außerdem sei das Konzept heutiger Homosexueller fraglich, die sich scheinbar selbst aus der Gesellschaft ausgrenzen bzw. immer mit "Alternativen" daherkommen und damit absichtlich provozieren würden (vgl. 10:20). Etwas anders sieht es bei der Gegenseite aus, die nicht gerade sachlich, sondern eher subjektiv argumentiert. Herr Kaufmann fordert in der Politik eine Weiterentwicklung in Sachen "Homo-Ehe", weil es "Gesellschaftspolitisch geboten" sei (33:00) - was das an dieser Stelle auch immer zu bedeuten hat. Eine etwas peinliche Gestalt ist dagegen Ralph Morgenstern, der munter auf die Gegner mit Beschuldigungen losgeht, die er sich ziemlich willkürlich zusammengebastelt hat. Beim Zeigen eines Adventskalenders für Homosexuelle beschuldigt er gleich "euch Heterosexuelle" dafür eigentlich verantwortlich zu sein, da "ihr" ja mit dem Playboykalender das vorgemacht hätten. Wer damit genau gemeint war, weiß zwar niemand, aber damit war die Sache mit dem Kalender wenigstens nicht mehr so peinlich. Bei seinen Beschuldigungen, die Homosexuellen würden durch Leute wie Lohmann und Kelle öffentlich diskriminiert werden (17:05; 1:11:50) fehlten ebenso die Grundlage wie bei seiner Behauptung, dass eine Kindererziehung mit Kind möglich sei, was man an seiner Tochter - aus einer früheren Beziehung mit einer Frau - sehe (48:40). Dass jemand von beiden behauptet habe, innerhalb einer homosexuellen Beziehung sei keine Liebe möglich (54:40), ist ebenfalls an den Haaren herbeigezogen.
Peinlich, peinlich. Die neueren Untersuchungen mit dem Argument abzutun, dass diese aus "Amerika" stammen würden und es da eine vollkommen andere Art von Gesellschaft gebe (51:10) und das vorgestellte Dokument (49:50) - trotz offener Bedenken - das beste sei ist ebenfalls nicht gerade wissenschaftlich objektiv. Herr Plasberg, in diesem Fall hätten Sie Herr Lohmann auch seine Notizen lassen können.
Wie gesagt, nach 40 Minuten wurde das Thema konkretisiert auf die Erziehung von Kindern, danach gleitet das Thema wieder in die Frage ab, ob Homosexualität in der Gesellschaft akzeptabel sei (56:45) - natürlich mit einem Gast und einem ordentlichen Schuss Emotionen.
And nice Greeting from zhe German Inquisition: Ralph Morgenstern fordert Herrn Lohmann auf, der Frau zu sagen, dass sie mit ihrem Sohn, der sich als schwul outete, nichts falsch gemacht habe (1:11:50). Ob er das auch mit den Leuten auf dem "normalen" Kölner Weihnachtsmarkt gemacht hätte, die größtenteils Bedenken in Sachen Homosexualität haben (1:08:45), sei mal dahingestellt.

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