Montag, 30. September 2013

Bene strikes back - again



Besser als Battle Pope: Nachdem schon einmal Prälat Imkamp der der Mem-Theorie von Richard Dawkins eine Ähnlichkeit zu Scientology vorwarf (tatsächlich bezeichnet Dawkins in seinem Opus Polemicus "Der Gotteswahn" diese Sekte im Gegensatz zu den monotheistischen Religionen als "intelligente Religion"), legt Benedikt XVI. in seinem Leserbrief noch einen nach:

"[...] Quasi im Vorbeigehen bzw. Vorbeischreiben geht Benedikt auch mit dem englischen Evolutionsbiologen und radikalen Religionskritiker Richard Dawkins hart ins Gericht. 
Der zu einem Popstar des Atheismus avancierte frühere Oxford-Professor hatte in den letzten Jahren desöfteren gegen den Papst geschossen und diesen unter anderem als "Feind der Menschlichkeit", "Feind der Wissenschaft" sowie als "anzüglich grinsenden alten Schurken in einem Kleid" beschimpft. Bislang hatte der Papst die Attacken ignoriert. Jetzt kommt die mehr als deutliche Antwort:  
Der ehemalige Theologie-Professor Ratzinger bezweifelt schlichtweg die wissenschaftliche Seriosität des Biologen Dawkins.

Dessen bekanntestes populärwissenschaftliches Werk "Das egoistische Gen" sei nichts als "Science Fiction", kritisiert der Papst in seinem Schreiben an Odifreddi. [...]"

Das Problem mit Richard Dawkins´ These (man lese im oben angegebenen Wikipedia-Artikel nach) ist schlichtweg, dass er die menschliche Informationsaufnahme und -bewertung direkt mit dem evolutionistischen Prinzip des "Survive of the Fittest" in Verbindung bringt - und dabei wenig Platz für den freien Willen und die persönliche Entscheidungsfreiheit lässt. Es haben sich also bestimmte Anschauungen bei den Menschen durchgesetzt, weil eine "stärkere Idee" eine "schwächere Idee" verdrängt hat. Was weder für die Naturwissenschaft (bei der am Maßstab der messbaren Wirklichkeit angelegt wird, auch bei den Hypothesen, die es inzwischen wie Sand am Meer gibt) noch für den Glauben zutrifft, wenn es heißt, der Monotheismus habe sich als Prinzip mehr "durchsetzen" können als der Polytheismus. Was natürlich die Frage aufwirft, warum gerade in der Moderne bei vielen eine Hinwendung zum (Neo-)Paganismus zu beobachten ist und nicht etwa zum Monotheismus oder den Atheismus, die auf ein einzelnes höheres Prinzip (Gott oder die "Natur" bzw. "Evolution") hinweisen. Für diesen freien Willen, den Benedikt aufzeigt, unterhält er auch Unterstützung vom Evolutionsbiologe Michael Blume:

"[...] Auch die Position des emeritierten Papstes zum kontroversen Thema Willensfreiheit wertet der Evolutionsforscher als wissenschaftlich durchaus haltbar.
In seinem Brief hatte Benedikt neben der Dawkins-Schelte betont, dass die moderne Gehirnforschung einen freien Willen des Menschen nicht wegerklären könne. Materialistische Weltanschauungen hingegen halten sowohl Gott als auch das Konzept der Willensfreiheit für eine Illusion.  [...]

[...] Die moderne Neurobiologie zeige vielmehr, dass auch Vorstellungen eines freien Willens und Gottes Ergebnisse unserer biologischen und kulturellen Evolution sind. Blume betont: 
"Es bleibt also logisch völlig möglich, dies wie Papst Benedikt XVI. auch als Hinweise auf ein höheres Ziel allen Lebens zu deuten." [...]"

Bei so viel Diskussionsstoff um einen einzelnen Leserbrief bleibt abzuwarten, ob noch weitere Post vom Emeritus folgen wird. Genug Zeit hat er ja...


1 Kommentar: