Mittwoch, 11. September 2013

Wenn Atheisten mystisch werden

Wieder mal zurück zum Thema "Atheismus als Religion".
Chesterton schrieb einmal, dass wer nicht an Gott glaubt, nicht an nichts, sondern an alles Mögliche glaube. Wenn nicht Gott, dann eben der Staat, die Aufklärung, die Evolution - oder eben die Atome, wie Michael Schmidt-Salomon in einem großen und ganzen sehr lesenswerten Artikel darlegt:

"[...] Und damit nicht genug, schließlich sind wir nicht nur mit der Welt des Lebendigen verbunden. Jeder von uns besteht, so lehrt die moderne Physik, aus mehr als 1027Atomen, die seit etwa 13,7 Milliarden Jahren alle erdenklichen Formen von Materie hervorbringen. Bevor diese Atome sich in Ihnen, meine Damen und Herren, vereinigten, bildeten sie intergalaktische Gaswolken und Sterne, Felsen, Vulkane, Ozeane. Sie waren Bestandteile von Insektenflügeln, Fischkiemen, Dinosauriermägen und natürlich auch von unzähligen menschlichen Lebewesen. [...]

Die Atome, die Ihre jetzige Gestalt bilden, werden selbstverständlich auch nach Ihrem Tod fortexistieren. Sie werden überstehen, was kein irdisches Lebewesen überstehen kann, nämlich, dass sich die Erde in den nächsten zwei Milliarden Jahren in einen Wüstenplaneten und die Sonne sich allmählich in einen Roten Riesen verwandelt. Nach dem Tod unserer Sonne werden die Atome, die Ihr jetziges Sein ermöglichen, an der Bildung neuer Gaswolken, neuer Sonnen, neuer Planeten beteiligt sein, ja vielleicht sogar werden einige Atome, die sich gerade jetzt in Ihrer rechten Hand befinden, in einer weit entfernten Zukunft auf einem weit entfernten, noch gar nicht geborenen Planeten, die Gestalt einer neuen intelligenten Spezies mit hervorbringen, die über das Wunder des Universums ebenso wird staunen können, wie wir es heute tun. [...]"


Alles schön und gut formuliert. Nur wird eben die Tatsache ausgeblendet, dass im Gegensatz zur seligen Gottesschau, auf der es beim zitierten Mystiker Meister Eckart hinauslief und die den Menschen an sich nicht nur individuell, sondern auch existentialistisch in seinem ganzen einmaligen und ganzen Sein betrifft, zu dem Zeitpunkt der neuen evolutionistischen "Reinkarnation" und der Teilhabe am universellen Lebensprozess alle tot sind. Das ist eben typisch deutscher Transzendentialismus, der sich nur neue Wege sucht.

1 Kommentar:

  1. Was solche Kleingeister wie Schmidt-Salomon einfach nicht kapieren wollen/können: Das Ganze ist MEHR als die Summe seiner Teile (Atome, Elemente ...)

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