Mittwoch, 15. Januar 2014

Kretschmanns Erzählungen

"Wenn Ausdrücke wie "schwule Sau" zu den beliebtesten Schimpfwörtern auf Schulhöfen gehören, dann ist da Handlungsbedarf."

Einerseits hat der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann recht. Es ist nicht recht, andere mit Begriffen zu beschimpfen, die die Eigenheit einer Person beschreiben. Von denen Schimpfwörter wie "Schwuchtel" wirklich die Gürtellinie überschreiten.
Das sollte andererseits auch für Ausdrücke wie "behindert" ( Schimpfwort Nummer Eins, das ich bisher auf deutschen Schulhöfen gehört habe) und "Du Jude" gelten (Bei letzterem ist vor längerem sogar ein bizarrer Streit entstanden, ob man es wegen seiner propagandistische Belastung durch Pogrome und den Nationalsozialismus nicht abschaffen und durch "Jüdischer Bürger" ersetzen solle).

Was der Unterschied zu dem von Kretschmann genannten ist, ist, dass beide anderen nicht in die derzeitige Diskussion passen. Dort geht es um einen eigenen Bildungsplan, der nicht nur - wie Kretschmann und diverse Aktivisten und Journalisten weismachen wollen - ein Projekt zu mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen darstellt, sondern um eine direkte und kritiklose Erziehung von Kindern, an deren Ende nicht eine neutrale Auseinandersetzung, sondern eine verordnete einseitige Akzeptanz von oben steht. Der Begriff "Akzeptanz" - das Gutheisen einer Handlung - wird geschickt durch "Toleranz" - dem neutralen "Ertragen" einer Person, auch ohne Gutheisung ihrer Handlungen und Ansichten - ausgetauscht, mit dem man dann Skeptiker leichter unter moralischen Druck setzen kann.

Was bisher gut funktionierte, besonders bei den Berichterstattungen und Interviews zu den regelmäßigen Christopher Street Day-Feierlichkeiten. Dort wird unter hunderten von Zuschauern und Sympathisanten erklärt, dass Homosexualität genetische Ursachen habe bzw. vererbbar sei und deswegen als normal akzeptiert werden müsse. Die Frage, ob das nicht bedeute, dass man es nüchtern betrachtet nicht mit einer Normalität, sondern einer Anomalie zu tun habe, stellt man sich in diesem Falle nicht. Eine Anomalie im sexuellen Bereich kann es ja nicht geben, weil es keine festgelegte sexuelle Normalität gäbe, also praktisch alles normal sei, was das Gegenüber keinen Schaden zufüge. Also steht es einem frei wie er sich "sexuell orientiert" und definiert. Aber bitte nicht in dem Sinne, dass der Eindruck entstehe, die "sexuelle Identität" sei eine reine Entscheidung oder Neigung, die man therapieren könnte. Denn die sexuelle Orientierung ist ja genetisch bedingt. Alles logo?

Für welchen Standpunkt man sich in diesem Zirkelschluss entscheiden wird, wird nicht näher im Programm erläutert. Am besten man übernimmt das ganze Mantra, denn Irrsinn ist auch eine Bereicherung für das Bildungsprogramm.

Am besten sollte sich Herr Ministerpräsident das ganze nochmal durch den Kopf gehen lassen, wenn er offen ausspricht, dass Fundamentalismus nicht an staatlichen Schulen zu suchen habe - und dabei nur in Richtung der Kirchen schaut.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen