Montag, 24. Februar 2014

Historische Paramente: Aus dem Netz ins Museum. Oder "Katholische Habgier".

Vor einigen Tagen sorgte eine Meldung über den neuesten Ankauf des Museums für Klosterkultur in Weingarten nicht nur in Baden-Württemberg, sondern such deutschlandweit für Aufsehen: Museumsleiter Jürgen Hohl hat 21 Historische Paramente auf der Auktionsseite Ebay ersteigert. Und das war partout nicht alles, wie Hohl im Interview berichtet:

"[...] "Die Äbtissin des Zisterzienserinnen-Klosters Mariastern in der Lausitz hat mir den Tipp gegeben, welche kirchlichen Schätze auf Ebay umgeschlagen werden." 

Als er sich selbst auf der Plattform umschaut, wird er schnell fündig: "Mehr als 2500 Paramente wurden angeboten. Ein polnischer Händler hat sich darauf spezialisiert", sagt Hohl, dem gleich beim ersten Anbieter ein schönes Gewand durch die Lappen ging. "Ich hatte nur 400 Euro, das Gewand kostete 450 Euro." Pech? Nee. "Da hat mich die katholische Habgier gepackt", sagt der 69-Jährige. [...]"



Doch woher kommen die Unmengen von Paramenten eigentlich her? Wer sich mit den Entwicklungen nach dem II. Vaticanum einmal auseinandergesetzt hat, ahnt es schon:

"[...] Ihr Weg ins Internet ist kurios: Weil nach dem Zweiten VatikanischenKonzil (1962-65) Prunk und Glanz in der katholischen Kirche nicht mehr so angesagt gewesen seien wie früher, hätten damals viele katholische Pfarreien Messgewänder in die Mission geschickt, sagt Hohl.

Doch  in Afrika kamen die Paramente nie an. "Sie blieben im Umschlaghafen in Rotterdam. Simpler Grund: 
Jemand kam darauf, die schweren Stoffe sind nichts für die Hitze Afrikas", sagt Hohl. So wurden die Prunkstücke auf dem Antikmarkt in Rotterdam versteigert, unter anderem an polnische Pfarreien. Jahrzehnte später räumten auch von ihnen viele ihre Sakristeien. "Und bevor die Gewänder in den Mottenkisten verschwanden, wurden die Kostbarkeiten zu Geld gemacht. Ebay macht es möglich", sagt Hohl. [...]"

Wer sich selbst davon überzeugen will: Ich habe mal auf´s Drauflos auf Ebay diese Kasel aus dem Jahr 1860 mit einem Startgebot von 70 Euro (Sofortkauf 90 Euro) gefunden. Daneben werden auch teilweise zertifizierte Reliquien angeboten.

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