Freitag, 28. Februar 2014

Jugenddemenz?

Gefunden auf einem Forum zum Thema "Einstellung von Religiösen gegenüber Andersgläubigen":

"Nehmen wir doch mal die Christen als Beispiel. Jetzt mögen sie ja ein recht friedlicher Haufen sein und überall für ihre Wohltätigen Zwecke und alles drum herum sein, aber man sollte auch immer bedenken, dass die Christen früher mit Mord und Totschlag gegen jeden vorgegangen sind, die gegen ihren Glauben waren."

Eigentlich ist es ja recht interessant, dass sich viele, wenn es um das Thema "Gewalt in Religionen" geht, sich bis auf das Mittelalter und sogar in die Antike zurückerinnern können an angebliche Verbrechen oder solche, die durch diverse Spittergruppen begannen wurden, jedoch von offizieller Seite her abgelehnt worden sind. Wobei immer "die Christen" oder speziell "die katholische Kirche" daran schuld sind, sei es aus Machtgeilheit oder weil sie einfach zu dämlich für Wissenschaft und Aufklärung waren und immer noch seien (Was man gerade daran sehen kann, dass sie überhaupt an einen Gott glauben, der sich den Menschen geoffenbart hat, statt sie mindestens ihren eigenen Angelegenheiten zu überlassen).

Besonders in Zeiten des Wohlstands, wenn sich auch gleichzeitig eine moralische Lockerheit breit macht und die Kirche als einzige Kritikerin des Hedonismus da steht, entstehen solche Projektionen. War man sich während der Kreuzzüge und der "Türkengefahr" noch einig, dass der große Unterschied zwischen Christentum und Islam dessen Gewalttätigkeit und Eroberungsdrang war, so waren nach dem Sieg bei Wien 1683 und dem zunehmenden Zurückdrängen der Osmanen sich die Aufklärer einig, dass der Islam eigentlich ganz harmlos, das institutionalisierte Christentum dagegen gewalttätig sei, weil Kreuzzüge und Inquisition und Bratwurst und was noch alles. Was noch vor rund hundert Jahren passiert ist, war eigentlich völlig egal. So was kann man als Jugenddemenz bezeichnen.

Die selbe Situation erleben wir heute wieder. Man döhnst herum, wie toll Aufklärung und wie aufgeklärt Atheismus und wie atheistisch die Wissenschaft seien und macht das Christentum (und auch andere Religionen) für alle möglichen Fehler verantwortlich, die entweder vor über fünfhundert Jahren oder überhaupt nicht geschehen sind. Und vergisst dabei, dass doch vor nicht allzu langer Zeit das Gegenteil passiert ist, zum Beispiel als im Spanischen Bürgerkrieg Tausende von unschuldigen Katholiken aus blankem Hass abgeschlachtet worden sind. Ohne dass sie überhaupt etwas mit General Franco zu tun hatten, sondern wirklich aus blindem Hass, weil sie in das atheistische Weltbild der Rotspanier nicht hineinpassten. Oder in Mexiko bei der Guerra Cristera, als die antiklerikale Regierung so brutal gegen Katholiken vorging, dass die einzige Gegenwehr der gewaltsame Aufstand war. Und selbst trotz versprochener Amnestie für die "Cristeros" wurden tausende von ihnen ermordet. In Mexiko ist diese zeit noch in so guter Erinnerung, dass erst vor zwei Jahren sogar ein Kinofilm über die Kämpfer ohne Probleme gedreht wurde. In den benachbarten USA hatte man dennoch einige Probleme mit dem Thema. Ob aus dem gleichen Grund auch der Film "Battle of Vienna" jemals die polnische Grenze überschreiten wird, bleibt ebenso fraglich.

Das gleiche passiert auch bei aktuellen Themen wie beispielsweise dem syrischen Bürgerkrieg, bei dem regelmäßig Übergriffe auf Christen stattfinden. Als Sabatina James bei einem Talk darauf hinwies, erwiderte Philipp Möller etwas spitzfindig dazu, dass das doch wieder ein Beweis für die Gewalttätigkeit "der Religion" sei. Ob man das wiederum einer Art "Jugenddemenz" oder etwas anderem zuzuschreiben ist, bleibt dem geneigten Leser überlassen.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen