Mittwoch, 26. Februar 2014

Wo Satire nicht hingehört. Oder: Lost in Relativism.

Beim letzten Maischberger-Talk als absurd abgetan worden, ist es seit einiger Zeit offiziell: Der "Fragebogen zum Thema Homosexualität" von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) soll überarbeitet werden. Von GEW-Sprecher Matthias Schneider heißt es dazu:

"[...] Laut Schneider soll eine Arbeitsgruppe den umstrittenen Fragebogen mit einem noch deutlichen Hinweis auf die Methodik der Verfremdung und Satire versehen. [...]"

Was (neben der Sache, dass das Thema mal wieder hermetisch von einer "Arbeitsgruppe" behandelt wird) auffällt, ist der Gebrauch von Satire in der Schule.
Gut, das Thema Satire muss als Stilmittel im Deutsch- und Lateinunterricht behandelt werden, auch anhand von Textbeispielen. Inzwischen wird der Begriff "Satire" jedoch auch so inflationär gebraucht, dass eigentlich jeder Unsinn und jede Veralberung mit dem Gütesiegel "Satire" durchgeht.
Wenn das Titanic-Magazin einen eingenässten Papst als Cover abdruckt, wird das als Satire bezeichnet. Wenn in der Serie "South Park" strömeweise Blut fließt und im Akkord Köpfe rollen (oder noch schlimmer Al Gore als mittelschwer paranoid dargestellt wird), läuft das unter "Satire".

Aber eins haben solche "Satiren" gemeinsam. Sie albern zwar rum und beleidigen bis es weh tut, aber sie sind wenigstens so ehrenhaft, den Leser oder Zuschauer nicht unter moralischen Druck zu setzen und ihn für seine Entscheidung auch gegebenenfalls vor einer ganzen Klasse bloßzustellen. Denn das passiert bei diesem Fragebogen.
Wenn Schüler mit ansatzweise absurden Fragen wie "Wer glaubst du, kommt deine Heterosexualität?" oder "Wissen deine Eltern, dass du Heterosexuell bist?" konfrontiert werden, wird praktisch eine kritische Diskussion im Keim erstickt. Zwar heißt es, die Schüler sollen sich in eine "Situation einer homosexuellen Person einfühlen", dennoch wird an diesem Fragestil deutlich, dass es nicht nur um ein "Vorstellen, wie sich eine andere Person fühlt" geht, sondern um eine Anerkennung, dass Homosexualität vollkommen normal sei und jedes mögliche Hinterfragen die jeweilig betroffene Person verletzen könne. Das ist tatsächlich die weitverbreitete Argumentationsstruktur von LGBT-Aktivisten, woraus auch viele Gegner des "Bildungsplans 2015" stark von einer Lobbyarbeit ausgingen. Und die ganze Sache könnte noch besser kommen, wenn man sich mit den relativistischen Grundsätzen dieser (und auch anderer) Bewegung näher befasst.


Der Begriff "Relativismus" ist zum Schlagwort der Moderne geworden, wie auch damals die Bezeichnung "Moderne" oder "Modernismus", weshalb man Papst Benedikt XVI. ebenso böse war wie damals Pius X. als er von einer "Diktatur des Relativismus" sprach. In den Augen der meisten Menschen ist so eine Aussage eine Infragestellung aller scheinbarer moderner Errungenschaften seit Luther und Galilei, sogar der Meinungsfreiheit und der demokratischen Ordnung der Gesellschaft. In Wirklichkeit ist diese Aussage eine Warnung vor dem selbstzersetzenden Wesen dieser Geisteshaltung, die zugleich als ideologisches Werkzeug innerhalb der Gesellschaft dient, um unter dem Deckmantel von Meinungsfreiheit und sogar der Menschenrechte eine Mehrheit vor den eigenen Karren zu spannen. Und zugleich Gefahr läuft, zum persönlichen "geistigen Selbstmord" zu führen, wie G. K. Chesterton es in seinem Werk "Ketzer" ("Heretics") bezeichnet hat.

Der praktische Relativismus geht dabei in mehreren Schritten vor:

1. Zunächst die Relativierung, die eigentlich schon im Wort enthalten ist. In vielen Fällen geht man beim Relativismus davon aus, dass es keine vollständig umfassende und zwingende Moral bzw. nur fragmentarische Erkenntnis gibt. Diese Theorie wird dabei nicht nur in der Infragestellung erreicht, sondern hat auch immer einen scheinbaren wissenschaftlichen Hintergrund, der angeblich ein ganzes Weltbild sprengen würde. Was zum nächsten Punkt führt.

2. Es werden Lücken gesucht, in die die jeweilige Ansicht passt oder diese scheinbar ausfüllt. Zum Beispiel wird die Behauptung, Homosexualität sei normal und der Heterosexualität ebenbürtig, dadurch untermauert, dass es Homosexualität auch in der Tierwelt gäbe. Dass LGBT-Aktivisten sich damit praktisch regelmäßig in Selbstwidersprüche verfangen, ohne diese kritisch zu hinterfragen, habe ich schon in einem früheren Posting behandelt. Trotzdem werden diese Behauptungen gerade bei denen zum Dogma, die gleichzeitig von der katholischen Kirche verlangen, ihre Dogmen aufzugeben bzw. "an die heutige Welt anzupassen".

3. Das jeweilige relativistische Weltbild wird an die Öffentlichkeit getragen. Es könnte zwar reichen, die jeweilige Neigung im Privaten auszuleben. Aber nein. Auch andere sollen was davon haben und es zunächst einmal "tolerieren", später auch akzeptieren. Am besten funktioniert das, indem man sich einen eigenen Lifestyle zulegt und nach außen hin zeigt, dass es so was gibt und dass so was auch (zumindest für eine Weile) sehr gut funktioniert, also de facto unbedingt wahr sein muss. Das trifft unter anderem auf den "Fragebogen zum Thema Homosexualität" zu, der versucht, eine subjektive Normalität zu erzeugen.
Noch besser geht das ganze, wenn man eine Polarisierung erzeugt. Man gibt jemand anderem die Schuld, wenn diese Normalität nicht als normal angesehen wird. Bei der LGBT-Lobby sind dies meist die "Homophoben" (früher die "sexuell verklemmte Gesellschaft") und natürlich die Kirche bzw. auch andere Religionen (von denen es meist die monotheistischen trifft), die mit solchen "menschenverachtenden Vorschriften" (die der "historische Jesus" natürlich nie gewollt hätte) schon immer versucht hätte, sich die Menschen gefügig zu machen, um an der Macht zu bleiben. Was dazu im Katechismus oder in den Forderungen der Petitionsgegner steht, ist an dieser Stelle egal. Und wenn darauf hingewiesen wird, heißt es sofort, dass es zwar gut formuliert sei, aber in Wirklichkeit den blanken Hass auf Homosexuelle zeige.
Wenn es trotzdem noch Kritiker gibt, dann sollte man unbedingt den nächsten Schritt anwenden.

4. Emotionalisieren. Man kann zwar einen Punkt rational ausarbeiten und zur Schau stellen, doch ist des öfteren das Problem, dass es den meisten Menschen egal ist, was eigentlich auch ein Anzeichen auf Toleranz ist. Aber nein. Die anderen sollen es nicht nur hinnehmen, sondern auch dieses Anderssein akzeptieren. Das heißt nicht nur, es gut zu finden, sondern auch erregt zu sein, wenn es welche gibt, die es nicht gut finden.
Und das ist genau der Punkt, auf den der Fragebogen der GEW zielt. Die Schüler sollen wissen, dass man sich verletzt fühlt, wenn der Sachverhalt Homosexualität und damit auch scheinbar die Person an sich kritisiert wird. Und sie sollen erkennen, dass es eigentlich hirnverbrannter Schwachsinn ist. Und damit wird die schulische Grenze eindeutig überschritten. Man kann zwar anmerken, dass sich Schwule und Lesben verletzt fühlen bei solchen Äußerungen (und in vielen Fällen emotional, bisweilen auch feindselig reagieren), wenn man aber scheinbar erreichen will, dass sich jemand schlecht fühlen soll bei solchen Äußerungen, ist das eine eindeutige Indoktrination, die mit Bildung praktisch nichts mehr zu tun hat. Dass man im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport das einfach abtut, indem man "den Hinweis auf Satire verdeutlicht" ist eigentlich nur noch blanker Hohn gegenüber der staatlichen Neutralität, die auch den Bildungsbereich umfasst.

5. Noch mehr emotionalisieren. Die Position der Kritiker verfälschen, durch den Dreck ziehen, was auch immer. Ich bin zuletzt auf ein Kommentar eines LGBT-Aktivisten gestoßen, der behauptet hat, die Petitionsgegner vom "Bildungsplan 2015" wollten am liebsten den gesamten Sexualkundeunterricht abschaffen. Ganz toll klappen auch Vergleiche mit Nazis und den Banden in Russland, die Homosexuelle krankenhausreif prügeln. Wenn zufällig auch Muslime bei den Kritikern dabei sind, dann ... "Sch*** auf Political Correctness! Das sind dann eindeutig Fundamentalisten mit Stock im A****, die sicher ihre Kinder zu kleinen verd****** Salafisten erziehen werden, die anschließend die demokratische Grundordnung für ihren verf****** Glauben auseinander nehmen werden!!!"


&%§. Noch mehr fordern. Wenn nach vielen Anläufen die eigene Position endlich durchgesetzt ist, kann man sich mit den gleichen Schritten einem neuen Thema widmen, das auch was damit zu tun hat, aber bisweilen unter dem Tisch gehalten wurde, um keinen falschen Eindruck zu erwecken. Obig genannter LGBT-Aktivist war beispielsweise der Meinung (Originalzitat aus einer Forendiskussion):

"Was ist mit der rechtlichen Absicherung von polyamoren Beziehungen, welche vor allem unter Bisexuellen, aber auch unter einigen Hetero- und Homosexuellen anzutrffen sind?
Ich würde das gerne erreichen wollen und zwar spätestens dann, wenn sämtliche Homo-Rechte erreicht sind. Allerdings weiß ich leider jetzt schon, dass für viele der Gedanke, mit mehreren Menschen echte Liebesbeziehungen zu führen so fern und unfassbar ist, dass man dafür fast kein Verständnis erwarten darf.
Andererseits muss man sich die Frage stellen was dagegen spricht, wenn erwachsene Menschen das Recht erhalten, ihre wie auch immer gearteten Liebesbeziehungen - auch zwischen mehreren Personen - abzusichern. Die monogame Zweierbeziehung stellt nicht für alle Menschen das ultimativ zu erreichende Lebensmodell dar."

Wann man sich auch endlich für die rechtliche Absicherung der Beziehung zu seiner Waifu und den imaginären Kindern in Deutschland einsetzt, steht angesichts dieser Pläne allerdings noch in den Sternen.

?!&$%. Wenn was schief läuft, sich davon "distanzieren". Bei dem Fragebogen hat man sich einfach nur "unglücklich ausgedrückt". Die Sexuelle Revolution und die negativen Folgen entstanden einfach infolge einer sexuell nicht aufgeschlossenen Gesellschaft. An den Verbrechen der Kommunisten sind immer der Westen und vor allem die Reaktionäre mitschuldig und an der Gewalt der Baader-Meinhof-Gruppe ist ebenfalls die Gesellschaft schuld, weil sie zu repressiv reagierte. Man selbst hat alles richtig gemacht, schuld sind (frei nach Jean-Paul Satre) immer nur die anderen. Auf welche Weise auch immer, vor allem die Kirche sollte nicht ungeschoren davonkommen.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen