Samstag, 22. März 2014

Außer Patcha irgendwie niemand. Familienbilder bei Disney

Kleine Weiterführung zur Donaldistischen Kontroverstheologie und dem vorangegangenem Artikel im VATICAN-Magazin.

Unvollständige oder neu geordnete Familien gibt es nicht nur bei den Ducks. Wer mit Disney-Filmen groß geworden ist, weiß das. Und seit dem 17. Januar, an dem der Disney-Channel im Fernsehen frei empfangbar ist, wird es immer deutlicher. Vor längerer Zeit hat ein katholischer Blogger aus den USA auf dieses Merkmal hingewiesen. Leider kann ich den Artikel nicht mehr finden, also versuche ich, ihn in erweiterter Ausführung wiederzugeben.

Nahezu alle Disney-Filme laden zum Träumen ein. Da ist ein kleiner Außenseiter (anfangs war es Mickey Mouse), der sich allen Hindernissen widersetzt, der Abenteuer erlebt und nahezu unmenschlichen Widersachern trotzt. Genau wie im Märchen, nur filmtechnisch meisterhaft umgesetzt, dass ein einziger Abend gleich einem Besuch bei Scheherazade wird.
Und eine Sache haben Disney-Filme ebenfalls mit Märchen gemeinsam: Man weiß entweder nicht, was aus den Eltern der Helden (vgl. Peter Pan, Schneewittchen und Aladin) oder was aus einem der beiden Elternteile geworden ist (vgl. Die Schöne und das Biest, Arielle und ). Das Außergewöhnliche ist Normalität, auch nach dem Tod von Walt Disney. Der Held im Film "Herkules" wird von einer anderen Familie adoptiert (findet aber schließlich wieder Heim nach Olymp zu seinen richtigen Eltern), in "Der König der Löwen erlebt man sogar den Tod des Vaters. "101 Dalmatiner" handelt von einem Paar, das 101 Kinder bekommt.

Auch bei den Serien sieht es nicht besser aus, ist aber auffälliger, da es sich nicht um Filme handeln, die vielleicht jedes halbe oder viertel Jahr auf einen Abend beschränkt sind, sondern mitunter den ganzen Nachmittag oder Abend laufen.  Neben den Weiterführungen diverser Filmerfolge gibt es auch originelle Eigenproduktionen.
Die aufgeweckten Stiefbrüder Phineas und Ferb leben - wie schon ersichtlich - in einer Art Patchworkfamilie. Außer der leicht neurotischen Schwester und den beiden Großerltern trifft man eigentlich keinen weiteren Elternteil, geschweige denn erfährt, wie es zur Trennung kam. Der wahrscheinlich einzige mit einem normalen familiären Hintergrund scheint der Bösewicht Dr. Doofenshmirtz zu sein. Der natürlich eine verkorkste Kindheit in Druselstein und ebenfalls eine Scheidung hinter sich hat.
In Willkommen in Gravity Falls werden die Zwillinge Dipper und Mabel von ihren Eltern (die man übrigens die sämtlichen Folgen über nicht sieht)  in den Ferien zu ihrem durchgeknallten Großonkel geschickt - genannt "Gronkel" Stan. Ein weiteres Kommentar ist dazu nicht mehr nötig.
Auch bei den Kleinsten fängt das Thema Patchwork schon relativ früh an. In Sofia die Erste wird die kleine Sofia Prinzessin. Sie lernt das Leben am Hof kennen und beweist oft, dass Etikette nicht das einzige ist, was echten Adel ausmacht. Was sie von den übrigen Prinzen und Prinzessinnen grundlegend unterscheidet. Auch weil ihre Mutter als ehemalige Schuhmacherin aus dem Dorf den König geheiratet hat. Was aus seiner Frau und Mutter seiner beiden weiteren Kinder geworden ist wird ebenso wenig geklärt wie die Identität von Sofias Vater. Vielleicht wurde sie auch einfach im Kellergewölbe des Schlosses eingemauert. Wir werden es - wie auch in den anderen Serien - sicher nie erfahren.

Die wahrscheinlich einzig intakte Familie in den Disney-Filmen dürfte die von Bauer Patcha aus dem Film Ein Königreich für ein Lama sein. Patcha will den egoistischen König Kuzco (der dem Vorspann nach scheinbar seine Eltern nie kennengelernt hat, sondern seine ganze Kindheit über vom Hofstaat verwöhnt worden ist) eigentlich davon abbringen, sein Dorf abzureißen, wo seine Familie lebt. Durch eine Reihe verrückter Zwischenfälle, in die Patcha und Kuzco verwickelt werden (unter anderem bei seiner Familie) kann er dem König zum ersten Mal Freundschaft nahebringen. Am Ende finden auch beide eine Lösung und Kuzco wird Dauergast bei Patchas Familie.


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