Montag, 24. März 2014

Chesterton und die 9/11-Kreuzkontroverse

Stephen Colbert hat das ganze Rumgedöhnse einer Atheisten-Vereinigung wegen eines "christlichen Kreuzes" (das ursprünglich keins sein sollte, da aus Zufall entstanden) im 9/11-Museum wirklich hervorragend auf den Punkt gebracht.

Wenn man jedoch G.K. Chestertons Werk "Kugel und Kreuz" ("The Ball and the Cross") aus dem Jahr 1910 kennt, weiß man eigentlich, dass der Konflikt schon viel älter ist - und viel tiefer liegend:

"Ich kannte mal einen wie Sie, Luzifer", sagte er mit einer Eintönigkeit und Langsamkeit in der Artikulation, die einen wahnsinnig machen konnte. "Er vertrat diesen... "
"Es gibt niemanden wie mich!", schrie Luzifer in einem heftigen Ausbruch, der das Luftschiff schwanken ließ.
"Wie ich bemerken wollte", setzte Michael fort, "vertrat dieser Mann ebenfalls die Auffassung, dass das Symbol des Christentums ein Symbol der Unzivilisiertheit und aller Unvernunft sei. Seine Geschichte ist recht unterhaltsam.

Sie ist im übrigen eine perfekte Allegorie auf das, was Rationalisten wie Ihnen widerfährt. Natürlich begann er damit, kein Kruzifix in seinem Haus zu dulden, auch nicht am Hals seiner Frau oder selbst auf einem Bild. Er sagte, so wie Sie, dass es eine willkürliche und groteske Form sei; dass es eine Monstrosität sei, die deshalb geliebt würde, weil sie paradox sei. 
Bald schon begann er hitziger und sonderbarer zu werden; so schlug er auf die Kreuze am Wegrand ein, denn er lebte in einem römisch-katholischen Land. Schließlich, auf dem Gipfel seiner Raserei, stieg er auf den Turm der Gemeindekirche und riss das Kreuz herunter, schwenkte es in der Luft und gab haarsträubende Monologe dort oben unter den Sternen von sich.
Dann, eines stillen Sommerabends, als er einen Feldweg entlang heimwärts ging, überkam ihn der Teufel seines Wahns mit einer Macht und Verklärtheit, die die Welt veränderte. Er stand einen Moment lang rauchend vor einem Lattenzaun, der sich als unendliche Linie erstreckte, als sich ihm die Augen öffneten. Kein Licht flackerte, kein Blatt rauschelte, doch wie durch eine plötzliche Veränderung seines Sehvermögens sah er, dass dieser Zaun eine Armee unzähliger miteinander verbundener Kreuze war, die sich über Berge und Täler dahinzogen. Und er wirbelte seinen Stock in die Luft und ging darauf los und zerschlug ihn in Stücke. Denn er hasste das Kreuz, und ein jeder Zaun ist ein Wall aus Kreuzen.
Als er nach Hause kam, war er vollends verrückt. Er setzte sich auf den Stuhl und sprang sofort wieder auf, denn die Kreuzstreben der Tischlerarbeit wiederholten das unerträgliche Bild. Er warf sich auf das Bett und musste auch hier, wie bei allen kunstfertigen Dingen, erkennen, dass ihm das verfluchte Schema zugrunde lag. Er zerschlug seine Einrichtung, denn sie bestand aus Kreuzen. Er brannte sein Haus nieder, denn es war aus Kreuzen erbaut. Man fand ihn im Fluss wieder."

Luzifer sah ihn an und biss sich dabei auf die Lippe.
"Ist das eine wahre Geschichte?", fragte er.
"Oh nein, sagte Michael lebhaft. "Es ist eine Parabel auf Sie und alle ihre Rationalisten. Sie beginnen damit, das Kreuz niederzureißen, aber Sie enden damit, die bewohnbare Welt niederzureißen. In diesem Moment sagen Sie, dass niemand der Kirche gegen seinen Willen beitreten solle. Im nächsten Moment sagen Sie, dass niemand irgendeinen Willen hätte, um ihr damit beizutreten [Hatte wir bereits an einer anderen Stelle]. In diesem Moment sagen Sie, es gäbe kein Eden. Im nächsten Moment sagen Sie es gäbe kein Irland. Sie fangen damit an, das Unvernünftige zu hassen, denn alles ist unvernünftig [...]"


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