Mittwoch, 19. März 2014

"Christus als Mittelpunkt der Schöpfung" von Gabriele Amorth

Wenn man sich mit dem römischen Chef-Exorzist Gabriele Amorth beschäftigen will, sollte man eines garantiert nicht tun: Sich auf Pressephotos verlassen, denn der gute Mann ist ganz und gar nicht photogen. So stellt man ihn in Interviews teilweise mal als zerstreuten, alten Priester dar, ein anderes Mal ist er der typische Dunkelmann (was er scheinbar auf diesem Photo so richtig auf die Schippe genommen hat).

Einen ganz anderen Eindruck gewinnt man, wenn man sich mit seinem Werk "Ein Exorzist erzählt" auseinandersetzt. Anders als bei Matt Baglio ist er keinem journalistischen Erwartungsdruck ausgesetzt, dem man in einer spannenden Reportage nachkommen muss, um Gehör bei einem breiten Publikum zu finden, sondern führt zu allererst den Leser einfühlsam in das Heilsgeschehen ein, in der der Exorzismus eingefasst ist und auch nur von da her verstanden werden kann. Grundlegend für diesen Schritt ist die Feststellung, dass viele Sensationsjournalisten (zu denen obig genannter Matt Baglio übrigens nicht gehört) für ein Interview zu ihm kommen und meist keinerlei Ahnung vom Christentum haben (wie beispielsweise ein japanischen Filmteam, das ihn wegen ihrer Ahnungslosigkeit besonders überrascht hat).

Man ist tatsächlich von der christologischen Tiefe, die hier zutage kommt, vollkommen überrascht, die ebenso seine große Verehrung für die Muttergottes erklärt:

"Auch der Dämon ist ein Geschöpf Gottes. Man kann nicht über den Dämon und die Exorzismen sprechen, ohne zuvor wenigstens schematisch einige Grundlinien im Schöpfungsplan Gottes zu bedenken. Es sind keine neuen Erkenntnisse, aber vielleicht eröffnen sie dem einen oder anderen Leser neue Perspektiven.

Allzu oft wird der Ablauf des Schöpfungsaktes falsch dargestellt, das heißt, es gibt falsche Vorstellungen von der Aufeinanderfolge der Ereignisse. Man denkt, dass Gott eines schönen Tages die Engel erschaffen und sie einer Prüfung unterzogen habe, die wir nicht kennen, und dass daraus einerseits die Engel und andererseits die Dämonen entstanden seien. Die Engel seien mit dem Paradies belohnt, die Dämonen mit der Hölle bestraft worden. An einem anderen schönen Tag habe Gott das Universum erschaffen, die Minerale, die Pflanzen, die Tiere und schließlich den Menschen. Adam und Eva hätten in dem irdischen Paradies gesündigt, indem sie dem Satan gehorchten und nicht Gott. Da habe Gott beschlossen, zur Rettung der Menschheit seinen Sohn zu senden.

Dies entspricht nicht der Lehre und auch nicht die Lehre der Väter. Ein solches Konzept über die Welt der Engel und über die Schöpfung wird dem Geheimnis Christi nicht gerecht. Man lese nur den Prolog zum Johannesevangelium und die beiden christologischen Hymnen, mit denen die Briefe an die Epheser und an die Kolosser beginnen. Christus ist der Erstgeborene aller Geschöpfe; alles wurde für ihn und im Hinblick auf ihn gemacht. Die theologischen Diskussionen, bei denen es um die Farge geht, ob Christus auch ohne die Sünde Adams gekommen wäre, sind ziemlich sinnlos. Christus ist der Mittelpunkt der Schöpfung; in ihm spiegeln sich alle Geschöpfe: die himmlischen (Engel) und die irdischen (Menschen) gleichermaßen. Andererseits ist es natürlich richtig, dass Christus durch die Schuld der Stammeltern eine ganz besondere Rolle übernommen hat: Er ist als Erlöser gekommen. Der Mittelpunkt dieser Rolle ist das österliche Geheimnis. Durch sein am Kreuz vergossenes Blut hat er alle Dinge mit Gott versöhnt: die himmlischen (Engel) und die irdischen (Menschen).

Diese christozentrische Voraussetzung bedingt die Rolle eines jeden Geschöpfes. Und wir dürfen in diesem Zusammenhang auch nicht die Jungfrau Maria vergessen. Denn wenn der Erstgeborene das fleisch gewordenen Wort ist, dann hat Gott vor allen anderen Geschöpfen an jene Gestalt gedacht, in der diese Menschwerdung erfolgen sollte. Von daher rührt ihre einmalige Beziehung zur allerheiligsten Dreifaltigkeit. Schon im zweiten Jahrhundert ist Maria das "vierte Element der göttlichen Dreiheit" genannt worden. [...]"

Beeindruckend ist auch die Feststellung, dass Gott das Böse nicht gewollt haben kann, es sogar nicht mit seinem Wesen vereinbar sei. Was von vielen Atheisten bestritten wird, die ein ziemlich primitiv-menschliches Bild von Gott herhalten und dann von vielen Gläubigen eine Rechtfertigung für diese unbiblische Karikatur fordern:

"[...] Deshalb möchte ich hier klarstellen, dass das Böse, der schmerz, der Tod, die Hölle (also die ewige Verdammung in Qualen, die kein Ende haben) nicht das Werk Gottes sind. 
Dazu eine kurze Bemerkung: Eines Tages trieb P. Candido [sein Lehrer] einen Teufel aus. Gegen Ende des Exorzismus wandte er sich spöttisch an den unreinen Geist und sagte: "Weiche von hier! Gott hat dir doch eine schöne, gut geheizte Wohnung bereitet!" Darauf antwortete der Dämon: "Du weißt gar nichts. Nicht Er (Gott) hat die Hölle gemacht. Wir haben das getan. Er hat nicht einmal daran gedacht." [...]"


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