Mittwoch, 19. März 2014

"Die große Ausnahme"


Über Gunther von Hagens und seine Körperwelten-Ausstellung  kann man sich streiten. Besonders über diverse geschmacklose Selbstinszenierungen.

Was ich persönlich an seinen Ausstellungen (und den ein oder anderen Anatomie- und Autopsieshows, die er gemeinsam mit dem BBC produzierte) schätze, ist die Popularisierung eines gewöhnlich geschlossenen akademischen Raums für die breite Öffentlichkeit. Ich bin bisher bei zwei verschiedenen Ausstellungen gewesen (der regulären Ausstellung in Offenbach und der Tier-Version in Mannheim) und habe eigentlich gemerkt, dass sich viele Besucher (auch mit Kindern) in erster Linie nicht wegen dem (typischen) Sensationsrummel um plastinierte Leichen kamen, sondern wegen dem Zertifikat "originalgetreuer Einblick (originaler geht es eigentlich gar nicht mehr) in den menschlichen Körper". Es ist wirklich möglich, nicht nur ganze Körper und freigelegte und kommentierte Organe (man achte auf die hohe Häufigkeit von Raucherlungen), sondern auch feinste Nerven und kleinste Blutgefäße zu zeigen. Und das weit weniger schauerlich als bei den anatomischen Wachskabinetten wie im La Specola in Florenz (dort war es tatsächlich eher der morbide Charm, der mich angelockt hat).

Was mich nach der Ausstellung veranlasst hat, einen Katalog zu kaufen. Neben verschiedensten Photographien und diversen Abhandlungen, warum es sich bei der Körperwelten-Ausstellung nicht um Leichenfledderei handle (die Erklärung, die anatomische Ausstellung helfe bei der philosophischen Sinnsuche, fehlte dagegen - Gott sei Dank), war auf der Rückseite des Covers ein Zitat, das mich eigentlich am meisten beeindruckt hat und was tatsächlich schon eine Brücke zum anthropischen Prinzip schlägt:

"Mein Leben als Arzt, Anatom und Plastinator hat mir gezeigt, dass das Leben die große Ausnahme ist, der Tod hingegen Normalität."


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