Montag, 24. März 2014

Über Urmel zu Machiavelli

Das Mantra der atheistischen Giordano-Bruno-Stiftung ist allseits bekannt: "Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott. Also genieße das Leben."
Belegt wird das Ganze mit dem Hinweis auf mangelnde empirische Beweise seiner Existenz (Was man übrigens auch zur Liebe und Treue des Ehepartners sagen könnte, dem man unhinterfragt vertraut, wie einmal Richard Dawkins gekontert worden ist) und auf die Fehler, die im Laufe der Religions-und Kirchengeschichte begannen worden sind (wobei man vehement bekannte säkulare Fehltritte schlicht und einfach leugnet ).

An die Stelle von glaubensbezogenen Werten treten dagegen Konventionen einer "entspannten Gesellschaft", wie Michael Schmidt-Salomon in seinem Buch "Jenseits von Gut und Böse" darlegt, die frei von der Illusion einer objektiven Moral und eines freien Willens ist (wobei man sich zurecht fragen kann, warum sich dann diese Stiftung die Mühe macht, Religion und Kirche öffentlich anzuklagen, wenn ja eh kein Grund dazu besteht). 
Das ist die eine Seite der Medaille. Auf der Anderen beschwerte sich Philipp Möller (ebenfalls Pädagoge wie Schmidt-Salomon), als er in einer Talkshowrunde wegen seines Erfahrungsberichtes  "Isch geh Schulhof"  und  "Bin isch Freak oda was?" geladen wurde,dass die Jugendlichen immer unberechenbarer werden. Wie "nackte Affen" eben, wie Schmidt-Salomon die völlig von Gott losgelösten Menschen  ironisch bezeichnet.

Und ungefähr da platzt Max Kruse mit seinem neuesten Kinderbuch "Urmel saust durch die Zeit" rein.
Um was geht es? Die Evolutionsgeschichte (den Mensch miteinbegriffen) wird anhand einer Urmel-Geschichte erzählt. Unterstützt wird das Ganze von der Giordano-Bruno-Stiftung unter dem Projekt  Evokids , das sich vermehrt um die Behandlung des Themas "Evolution in der der Grundschule" einsetzt, damit auch schon die Kleinsten darüber dringend informiert werden. Dass es sich dabei um eine ganz bestimmte Art von Thinktank aus der Stoßrichtung eben dieser Stiftung handelt, dürfte bei einem kurzen Blick auf das Impressum  deutlich werden. 

Besonders auffällig wird es im  Interview mit dem "Buchjournal" , wenn es um den Einfluss der Evolutionstheorie auf zwischenmenschliches Leben und Gesellschaft geht:

"[...] Ein Prinzip von Darwins Evolutionstheorie ist die natürliche Auslese der Arten, das Überleben des Stärkeren – so jedenfalls wird die Evolution oft verstanden. Wie kann man das Kindern beibringen, ohne dass es wie eine Aufforderung wirkt, die Kleineren auf dem Schulhof zu verprügeln? 
Evolutionsforscher haben längst verstanden, dass es sich nicht um das Überleben des Stärkeren, sondern um das des besser Angepassten handelt. Das kann durchaus der Bescheidenere, Hilfsberei­tere oder auch Klügere sein. Um Kindern zu erklären, dass sie die Kleinen auf dem Schulhof nicht verprügeln sollten, kann man auf eine Fähigkeit setzen, die der Mensch durch die Evolution in besonderer Weise erworben hat, nämlich die Fähigkeit, mit anderen mitzuleiden oder sich mitzufreuen. Deshalb schildere ich Urmel und seine Freunde in meiner Geschichte als eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig hilft. [...]"


Es geht also lediglich um "Anpassung", das an dieser Stelle schöngeredet wird. Das, was eben übrig bleibt, wenn man den "freien Willen" und die "objektive Moral" entfernt. Mit einer Art Naturrecht hat das schon längst nichts mehr zu tun, wie man es gerne (stark emotionalisiert) vormacht. Was übrigens auch der Heilige Stuhl an der offiziellen Charta der Menschenrechte der UN kritisiert, bei denen es sich in Hinblick auf ihre Entstehungs- und Entwicklungsform lediglich um Konventionen verschiedenster Länder handelt.

Wie auch schon bei Schmidt-Salomons Kinderbuch "Die Geschichte vom frechen Hund" soll ein ominöses "Gutsein", das letztendlich auf den eigenen Vorteil ausgerichtet ist, die Frage nach einem generellen guten oder schlechten Kern einer Handlung verdrängen. Der Hund in der Geschichte sieht es am Schluss nicht ein, dass er andere nicht aus Spaß beißen darf, weil er die Schlechtigkeit dieser Handlungen erkennt, sondern weil er von den anderen ausgeschlossen wird und erst dann wieder mit ihnen befreundet ist, nachdem er diese Gewohnheit abgelegt hat. Schöne Grüße von Niccoló Machiavelli.

Alles andere an zutiefst menschlicher Erfahrung wird wegen scheinbar fehlender Empirie wegekippt, bzw. säkular umgedeutet. Höchst verdächtig dürfte an dieser Stelle die Sache sein, dass es eben doch etwas wie ein Naturrecht zu geben scheint, dem man aber scheinbar aus dem Weg geht. Trotz des Verweises auf Immanuel Kants Kategorischen Imperativ kommt man in der Philosophiegeschichte nicht sehr weit. Denn dann würde man bei der Geschichte des Naturrechts, wie es die meisten Menschen heute verstehen, neben den alten Griechen auch ziemlich schnell auf Aurelius Augustinus treffen, der auf ein von Gott ins Herz der Menschen "geschriebenes" Verlangen verweist, das nicht nur nach Gott als dem höchsten Gut verlangt, sondern auch auf die Gleichbehandlung der Mitmenschen weist, die ebenfalls wie man selbst ein Ebenbild Gottes ist, ebenfalls fähig zur Liebe. 

Diese "Wahrheit des Herzens" (wie auch eine Serie von EWTN heißt) ist tatsächlich die Quintessenz der ganzes Lebens- und Geistesgeschichte des Menschen, von der nur noch die Kirche die einzige Institution zu sein scheint, die dieses Faktum gegen Beliebigkeit und Zeitgeist verteidigt. 

Und damit vielen ein Ärgernis ist.


EDIT: An dieser Stelle sei auch auf das Werk von Dietrich von Hildebrand, von dem letzt P. Engelbert Recktenwald eine Übersetzung auf seinem Blog online gestellt hat. Link wird noch eingefügt.


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