Dienstag, 27. Mai 2014

Das "Grüß Gott" des Bösen

Vor längerer Zeit hatte ich ein Gespräch mit einem Atheisten, der der felsenfesten Überzeugung war, dass es sich beim Kommunistischen System in Sowjet-Russland nicht um eine atheistisches System gehandelt habe, da eine politische Umsetzung eines "Nicht-an-Gott-Glaubens" rein logisch einfach nicht möglich sei. Dagegen behauptete er, dass das Christentum eindeutig mit dem Nationalsozialismus gemeinsame Sache gemacht hätte, weil ja auf den Schnallen der Wehrmachtssoldaten "Gott mit uns" geschrieben stand, während gegenteilige Aussagen bei den Soldaten der Roten Armee fehlten.

Abgesehen davon, dass sich "Nicht-Gott mit uns", "Gott nicht mit uns" oder "Fortschritt und Humanismus mit uns" wahrscheinlich selbst für Sowjets zu seltsam angehört hätte, ist es hier das durchschnittliche Maß an Kenntnis deutscher Geschichte, das zu wünschen übrig lässt. Denn der Wahlspruch "Gott mit uns" geht auf das Preußische Königshaus (das sich ebenfalls auf den Deutschen Orden beruft) zurück. Und die Preußen stellten damals auch militärisch die Hegemonie in Deutschland dar. Und während der Weimarer Zeit wurde diese preußische Tradition weiterhin gepflegt. Und von den Nationalsozialisten wurde dieses militärische Kulturbild als ideelles Vorbild für ihr "Tausendjähriges Reich" übernommen.

Und was ist nun mit Gott und den Nationalsozialisten? Weil der Verweis auf die Schwammigkeit und nebulöse Rhetorik, mit der Hitler vom "Herrgott" und der "Vorsehung" meist bei solchen Diskussionen nicht gilt, sollte man an der Stelle auf die Aggressivität verweisen, mit der die Nazis allein auf die Nennung vom Namen "Gott" reagierten. Von der Konstantin auf seinem neuen Blog berichtet, wenn er den damaligen Kreisleiter von Berchtesgaden zitiert:

„Als wir kürzlich mit einem Ausländer durch die Straßen gingen, begegnete uns ein „Grüß-Gottler“. Sicher kein „Staatsfeind“, auch kein „Nazifresser“, aber halt ein „lieber, herzlicher, netter Grüß-Gottler“, desssen freundlicher Gruß auch gewiss nicht anders gemeint war, als ein freundlicher Gruß, der so hingesprochen wird. Als er wieder seines Weges ging, fragte unser Ausländer sehr erstaunt, ob dieser Mann ein Gegner des Führers sei! (…) Diese Gleichgültikgeit und Gedankenlosigkeit muss aufhören, insbesondere hier im Berchtesgadener Land - der Wahlheimat des Führers-, das auch in den nächsten Wochen von zahlreichen Olympiagästen besucht wird.“

An dieser Stelle scheint es geradezu ironisch, dass auch heute gerade die "Neo-Atheisten" auf eine Neutralisierung der Gesellschaft pochen. Und dass der obig genannte Gesprächspartner ungewöhnlich jähzornig werden konnte, wenn man ihn auch nur auf die Nähe von Atheismus und Totalitarismus ansprach...


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