Montag, 12. Mai 2014

Eurovision Janus

Irgendwie war es schon vorhersehbar, jetzt ist es auch eingetroffen: Der Eurovision Song Contest wurde unfreiwillig zu einem Barometer der Politischen Korrektheit in Europa umgekrempelt. Von der offiziellen Seite will das niemand so recht zugeben, auch nach der Sache, dass man Unter anderem Weißrussland mit Ausschluss drohte, weil der Auftritt von Conchita Wurst in einem Familienprogramm kritisiert worden ist und dass man sich auch sonst in den Medien nur auf eine angebliche Homophobie/Transphobie innerhalb des ESC konzentriert hat. Und diese jetzt unter der Regentschaft der neuen "Kaiserin von Österreich" die Abstimmungsergebnisse auch so deuten, wie es die Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) dargelegt wird:

Österreich schient über Nacht das schwulenfeindlichste Land Europas geworden zu sein. Tom Neuwirth alas Conchita Wurst musste erst einmal viel Häme und Spott einstecken. Auch ihre Nominierung für Kopenhagen war nicht unumstritten: Sie/er [sic!] mache Österreich im Ausland lächerlich keifte der Medienboulevard säuerlich.

Österreich gewann mit 290 Punkten klar vor Holland (238) und Schweden (218). Auch diesmal war beim Eurovision Song Contest nicht die musikalische Darbietung das Kriterium, Conchitas Lied "Rise Like A Phenix" (Aufgestiegen wie ein Phönix) ist für viele eher mittelmäßig wie ihre Stimme. Die Politik spielte eine größere Rolle: Die Dragqueen sagte bei ihrem ersten Interview nach dem Sieg in Kopenhagen, sie wolle ihren Beitrag all jenen Zeitgenossen widmen, die an Frieden und Freiheit glauben: "Jeder soll sein Leben so leben dürfen, wie er es für richtig hält, solange niemand zu schaden kommt." Und sei es als Diva mit Bart. Und Österreichs Kultusminister Josef Ostmayer attestierte: "Das ist ein großer Sieg von Conchita Wurst, aber auch ein Sieg Europas für Toleranz und Respekt.

Mal abgesehen davon, dass diese "Toleranz" so weit durchgesetzt ist, dass es praktisch keine Benachteiligung von Homosexuellen in der Gesellschaft mehr gibt, diese eigentlich vielmehr sofort beim leisesten Verdacht geahndet wird, wird damit zugleich verschleiert, dass es sich um etwas ganz anderes handelt: Um Akzeptanz, also das individuelle Gutfinden einer Sache oder einer Neigung. Und nach der Meinung vieler LGBT-Aktivisten, die den Gedanken einer Neigung aggressiv ablehnen und dagegen die Doktrin der genetisch festgelegten sexuellen Orientierung durchsetzen wollen, soll genau das zum neuen Richtmaß für das Heil der Gesellschaft werden, die in "Homophob" und "Homophil" eingeteilt wird. Wobei das Ziel dieses (fiktiven?) Frontenverlaufs die Durchsetzung der homophilen Hegemonie sein soll, da die "Homophobie" (was das genau sein soll, kann irgendwie niemand so richtig erklären) als reelle Gefahr angesehen wird. Die sich auch scheinbar in der ESC-Abstimmung manifestiert hat.

Allerdings ist eine klare Teilung Europas in einen homophilen Westen und homophoben Osten aus der Rangliste des Song Contests nicht erkenntlich. Die dreizehn Länder, die an Österreich die Höchstnote von zwölf Punkten vergaben, gehören zwar überwiegend westlichen Sphäre an. Doch unter den sieben Ländern, die zehn Punkte vergaben, befinden sich auch Ungarn und Georgien, die eher als schwulenfeindlich gelten. Deutschland wiederum gilt fürwahr nicht als homophob, vergab aber an Österreich nur sieben Punkte.

Und die Überheblichkeit, auf die Bellfrell hingewiesen hat, wird partout noch von Herr/Frau/Dingens Wurst selbst noch einmal überboten. Unter Beifall der Medien.

Auch für die Opfer der homofeindlichen Politik des russischen Präsidenten ergreift Conchita Wurst seit längerer Zeit Partei, weshalb er/sie bereits in einem ersten Interview dem Macho im Kreml [!] Liebesgrüße im Namen der globalen Schwulen- und Lesbengemeinde schickte: "Ich weiß nicht ob er zuguckt. Aber falls ja, sage ich ganz klar: Wir sind nicht zu stoppen." Mehr als fünf Punktefür Österreich waren denn auch nicht zu erwarten, können aber als erste Kampfansage gewertet werden.

Statt einen Dritten Weltkrieg um diverse Würste und Extrawürste anzuzetteln, könnte Herr/Frau/Dingens Wurst auch das machen: Einfach mal bei der nächsten Demo für Alle in Stuttgart (die übrigens am 28. Juni stattfinden wird) vorbeischauen. Aber bitte auf der richtigen Seite...


[EDIT: "Nach oben buckeln und nach unten treten" klappt auch 2014 noch ganz toll.]

Kommentare:

  1. "Jeder soll sein Leben so leben dürfen, wie er es für richtig hält, solange niemand zu schaden kommt." ... jeder sollte sich selbst annehmen wie er ist. Der Mann als Mann und die Frau als Frau.
    Sonst kommt er oder sie zu Schaden. So ist das.

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  2. Man kann das Ganze auch als Probelauf, ob und wie die Seilschaften und Netzwerke der HS-Lobby funktionieren, betrachten. Das Ergebnis läßt keinen Zweifel zu , besonders wenn man die Abstimmungsmanipulationen (siehe GB, BBC, dokumentiert vom klar linksrorientierten und somit unverdächtigen" Independent) zugunsten des Herrn Neuwirth in Betracht zieht.

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  3. Ich empfehle diesen Beitrag von Martin Lichtmesz (Sezession im Netz):
    http://www.sezession.de/44978/die-metapolitische-bedeutung-der-conchita-wurst.html
    Das sieht eher nach Lenkung aus..

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