Dienstag, 26. August 2014

Eine Epoche, zwei Welten


Lässt man sich auf die grellen Geschichtsbilder ein, die in unserer mehr von Popkultur als von sorgfältiger Aufklärung und persönlichen Nachforschungen und Ehrfahrungen geprägten Gesellschaft mehr oder weniger bemerkt umhrgeistern, scheint es, als habe jede Epoche ihren eigenen Zeitgeist gehabt, scheint es wirklich, dass am Montag exakt dieses, am Dienstag dann etwas anderes als Ideal und Wahrheit diene. Und genau wie G. K. Chesterton einmal schrieb, ist das kompletter Unsinn, den sich einige selbsternannte Expterten und sogenannte Freigeister ausgedacht haben, um einen idealen Nährboden zu haben, alte Werte abzuschaffen und neue (primär persönliche Ansichten) aufzustellen. Von ¨Entartungen¨ von Kultur darf man an dieser Stelle nicht sprechen, da solch eine Aussage für diese Experten weder wirklich wissenschaftlich noch empirisch genug sind und andererseits dieser Begriff ¨unzumutbar vorbelastet¨ ist.

Ein Beispiel dafür wäre auch die ¨Barockzeit¨, die generell als Prunk-und-Protz-Zeitalter bekannt ist und gesunder Katholizismus und krankhafte Selbstherrlichkeit in einen Topf geworfen werden, um besonders gegen ersteres ordentlich hetzen zu dürfen. Dass dem nicht so ist, dass es in einer einzigen Epoche so viele und gegensätzliche Strömungen gab, die so stark sind, um dieses feste ideologische Gemisch zu sprengen, zeigt der Gegensatz zwischen dem Escorial und Versailles, den Maximilian Röll (gefunden via Demut Jetzt!) Hrausgearbeitet hat:


[...] Wer sich jedoch in das Wesen beider Gebäude vertieft, der wird zu einem anderen Schluss kommen können. Denn die monumentale Fassade von Versailles ist wirklich nur eine Fassade, nur Theaterkulisse. Nichts Entsprechendes, Wirkliches liegt hinter den Mauern dieses überdimensionierten Feenschlosses. Der Escorial dagegen wehrt jede Kulissenhaftigkeit ab, kann sich aber unfreiwillig noch nicht ganz einem irrigen Eindruck entziehen. Denn während Versailles nach außen aussieht wie ein Traumort, war es nach innen Höflingsverwahranstalt und Kaserne. Und währen der Escorial nach außen aussieht wie eine Kaserne, ist er nach innen Kloster und Schule.

Wer durch die Räume und Gärten des Escorial streift und sich das gravitätische, ja düstere Zeremoniell vergegenwärtigt, das hier herrschte, für den wirken die Feste Ludwigs XIV., der als Kind König wurde, wirklich wie Kinderfeste. Und der Sonnenkönig, der Apoll imitierte und sein Schlafzimmer in die Mitte seines Schlosses rückte, erscheint wie ein großmäuliger Parvenü gegen den größten Monarchen seiner Zeit, der den höchsten Monarchen aller Zeiten zum Zentrum seines Palastes machte. Und während Ludwig XIV. jeden Morgen der Sonne entgegensah, richtete Philipp II. in seinem Bett den Blick auf den Hochaltar. [...]



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