Sonntag, 3. August 2014

Sakramente und Sakramentalien - Grammatikalisch betrachtet

[...] Bei der Feier der Sakramentalien werden die Gläubigen durch das Gebet der Kirche auf den Empfang der Gnade vorbereitet. Jede Gnade entspringt letztlich dem Leiden, dem Tod und der Auferstehung Christi. Diese Heilsereignisse werden im Messopfer sakramental gegenwärtig, worauf sich alle Sakramente und Sakramentalien hinordnen. Auch die gesegneten materiellen Dinge sollen dem Lobe Gottes und dem Heil der Menschen dienen (Sacrosanctum Concilium 61).

Im weiteren Sinne lassen sich auch die Bilder- und Reliquienverehrung, Wallfahrten, Prozessionen und Andachten, sowie andere Bräuche auf dem Gebiet der Volksfrömmigkeit zu den Dakramentalien rechnen. Es ist dabei wichtig, dass diese fromme Handlungen nicht an die Stelle der Sakramente treten, um diese zu ersetzen. Vielmehr sollen sie zu diesen hinführen, damit die Gläubigen immer tiefer in die Liebe des dreifaltigen Gottes, des Vater, der Sohnes und des Heiligen Geistes hineinwachsen können. [...]

Vergleicht man diesen Ausschnitt aus einem Artikel von P. Dr. Andreas Hirsch FSSP in der August/September-Ausgabe des Informationsbalttes der Priesterbruderschaft St. Petrus, der im erschienen ist, mit der weit verbreiteten etymologischen Erklärung, das Wort Sakrament leite sich von dem Fahneneid der römischen Legionäre ab, der ebenfalls als sacrametum bezeichnet wird, werden schnell Fragen des Verhältnissen zwischen der inhaltlichen Bedeutung und der geschichtlichen Ableitung aufgeworfen. Gut, mit dem römischen sacramentum-Eid lässt sich der Übergang zum griechischen Terminus mysterion erklären, das nicht nur ein Geheimnis per se, sondern auch den Eid der Geheimhaltung umschließt ( man vergleiche dazu die Entsprechungen im Mithraskult, der bei vielen römischen Soldaten verbreitet war und ebenfalls als ¨Mystereinkult¨ die äußere Geheimhalung einschloss. Bei den Christen diente das ebenfalls zum Schutz vor - teilweise paganen abergläubischen - Missbrauch).

Andererseits wird die substantielle Bedeutung der Sakramente abgeschwächt. Das sacramentum umfasste nicht nur den heiligen Eid auf die Fahnen der Legion, sondern die Fahne selbst, der als sogar ein eigener Tempel in den Kastelli zukam. Ging die Fahnen mit den Hoheitszeichen Roms (als das von den Göttern auserwählte Volk zur Ordnung und Befriedung der Welt, vgl. Dazu auch Vergils Aeneis) und den Schutzzeichen der höchsten Götter verloren, bedeutete das eine Katastrophe, die Rückeroberung als allgemeine Wiederherstellung der Ehre einer Legion, die im Namen dieses heiligen Schutzzeichens in den Krieg zog.

In diesem Falle wäre es sinnvoller, den grammatikalische Ableitung dieser Benennungen zu betrachten. Das Wort sacramentum umschreibt etwas einem Heiligen (sacrum) zugehörigen oder etwas dem Heiligen ähnlichem - oder sogar etwas Heiligendes. So kann man auch inhaltlich die Bedeutung einer Sakramentalie erklären. Das Adjektiv sacramentalis umschreibt ebenfalls etwas dem sacramentum zugehöriges oder ähnliches. Grammatikalisch kann man das mit dem ebenfalls lateinischen Wort Ornament vergleichen. Ornamentum bezeichnet etwas, mit dem man ausschmücken (ornerare) kann, Ornamentalie (ornamentalis) bezeichnet etwas, das damit zu tun hat oder ein Teil davon ist.


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