Dienstag, 2. September 2014

Altpeter: "Ich habe noch keine glückliche Hure gesehen"


Zur Diskussion, ob man in Deutschland ein Postitutionsverbot wie in Schweden einführen sollte, wurde von Seiten der Badischen Neuesten Nachrichten die baden-württembergische Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) interviewt:

BNN: Seit 2002 ist Prostitution in Deutschland nicht mehr sittenwidrig. Wie Beurteilen Sie die Prostitution heute?
Altpeter: Ich denke, dass wir weit weg davon sind, Prostitution als selbstbestimmten, freien Beruf betrachten zu können. Zum großen Teil steckt hinter der Prostitution ein Migrationshintergrund, viele Frauen kommen unter falschen Versprechungen aus Osteuropa. Mit dem Begriff der Armutsprostitution wiederum tue ich mich zwar schwer, denn in diesem Gewerbe fließt unglaublich viel Geld. Doch das romantische Märchen von der freischaffenden Hure, die nebenher noch einen literarischen Salon führt und das alles gesellschaftlich hoch anerkannt, das gibt es nicht. Gleichzeitig ist es gesellschaftlich schon völlig normal, wenn Junggesellenabschiede im Bordell stattfinden oder der Mann macht mit der Prostituierten schnell sein Ding und dann gibt es daheim Lasagne und ein Gläschen Rotwein von der Ehefrau.Ich finde, das ist eine Doppelmoral und nicht normal.

BNN: Sie halten ein Prostitutionsverbot nach schwedischen Vorbild für sinnvoll. Warum?
Altpeter: Ich beschäftige mich seit langem mit dem Thema, war mit Sozialarbeitern unterwegs im Milieu und habe viel gesehen: und zwar viel Elend, aber keine glückliche Hure. Zusammenfassend stelle ich fest, dass es bei den Frauen eine immer größere Verelendung gibt, auch Drogenkonsum und Alkohol spielen da eine große Rolle. Ich finde, dass eine Gesellschaft, die so gut gestellt ist wie die unsere und die für sich hohe moralische Werte in Anspruch nimmt, sich Prostitution nicht leisten kann. Das ist für mich eine Menschenrechtsfrage. Es geht darum wie die rauen zu schützen sind und dass die Schuld nicht bei ihnen abgeladen wird. Wir brauchen ein Umdenken. Es soll sich derjenige verantworten müssen, der sich die Leistung einkauft: der Freier. Das schwedische Modell steht für diese Veränderung im Denken.

BNN: Kritiker sagen, ein Verbot erhöht die Dunkelziffer.
Altpeter: Das muss man differenzierter betrachten: macht es eine in meiner Sicht kriminelle Tat besser, wenn sie öffentlich stattfinden darf? Das Modell ermöglich es, die Freier zu bestrafen. Natürlich ist mit einem Verbot alleine lange nicht alles getan. Aber das Prostitutionsgesetz von 2002, das ich selbst auch befürwortet habe, hat die Erwartungen nicht erfüllt. Unsere Gesellschaft hat sich auch im Zuge der Osterweiterung zu sehr verändert, als dass es noch funktionieren könnte.

[...]


1 Kommentar:

  1. Sehr geehrte Frau Ministerin Altpeter,
    HERLICHEN DANK für dieses Interview!

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